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Erstaunlich anspruchslos...

Muriel Bendel
Muriel Bendel 16.02.2026

... und auch eine Möglichkeit, die Standort-Angabe "kalkfreie, sonnige Wälder, Felsen und Mauern" (Flora Helvetica 2018) zu interpretieren. 

Dieser Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum) wuchs eingeklemmt am Rand einer schmucklosen, längeren Betontreppe in Bern, was bei der Meldung in der FlorApp den hellgelb hinterlegten Balken "Wunderbar!" generierte. Yep, seh ich auch so.

Zwischen Betonwand und Betontreppe wachsend: der Schwarzstielige Streifenfarn (Asplenium adiantum-nigrum). Felsenau, Bern (BE), 15.02.2026 (Muriel Bendel)
Leere Sporangien auf der Unterseite der Fiedern. Felsenau, Bern (BE), 15.02.2026 (Muriel Bendel)

6 Antworten

Nich das erste Mal, dass ich mir deine Botanikaugen wünsche. Wirklich ein wunderbarer Fund. 

Danke fürs Teilen.

Nicht daß ich die Begeisterung bremsen will, aber die Art wird gelegentlich als Zierpflanze in Sandsteinmauern eingesetzt.  Das besagt jedenfalls die Erfahrung als Adventivflorist.

Keine Sorge, Dominik, meine Begeisterung ist ungebremst.
Mir ist bewusst, dass Pflanzen gelegentlich aus Gärten ausbüxen und gewisse Arten sehr ausbreitungsfreudig sind; bei den Farnen denke ich v.a. an die Hirschzunge (Asplenium scolopendrium), die v.a. in städtischen Gefilden aus allen möglichen und unmöglichen Mauerritzen spriesst. 

Bei diesem Fund des Schwarzstieligen Streifenfarns (Asplenium adiantum-nigrum) kann ich Sporenflug aus einem Garten natürlich nicht ausschliessen. Mich erstaunte v.a., dass sich die Pflanze an diesem nicht ganz typischen Standort so tapfer schlägt.

Hm, die Art meidet doch eigentlich Kalk, wie hält sich die Pflanze denn dort zwischen den Betonplatten, denen der Kalk schon aus den Poren quillt?  

Ich denke das ökologische Optimum von Asplenium adiantum-nigrum ist deutlich grösser resp. breiter, als es die Literatur teilweise weis machen will.
In der Schweiz wächst die Art beispielsweise recht verbreitet am Jurasüdhang auf flachgründigen Böden über Kalkfelsen oder sogar eingeklemmt zwischen Kalkblöcken. 

Prelli & Boudrie beschreiben die Ökologie von Asplenium adiantum-nigrum var. adiantum-nigrum wie folgt (damit ist die var. silesiacum, die auf Serpentin vorkommt und Asplenium cuneifolium sehr ähnlich sieht, ausgeschlossen):

"Plante assez tolérante, que se rencontre dans des situations écologiques variées, mais surtout dans les régions à forte humidité atmosphérique. Fissures de rochers, siliceux le plus souvent mais parfois calcaires, vieux murs, ainsi qu'en pleine terre sur des talus et dans des bois de pente, sur des sols neutres ou peu acides. ..."
(Les fougères et plantes alliées d'Europe, biotope, 2021; page 247).

Ob die Luftfeuchtigkeit immer so hoch sein muss, bezweifle ich (gerade bei den südexponierten Standorten am Jurasüdhang), aber bei "situations écologiques variées" und "siliceux le plus souvent mais parfois calcaires" bin ich sehr einverstanden.

Die Art scheint mir auf besten Wegen zu sein, neue Standorte zu erobern, gerade in städtischer Umgebung; nicht nur zwischen Beton-Platten, sondern z.B. auch hier in Lausanne an einer halbbatzigen Stützmauer, die mit Holz verkleidet war:

Lausanne (VD), 12.11.2018 (Muriel Bendel)