Das Phänomen der Heterophyllie existiert offenbar nicht nur beim Efeu, bei der Stechpalme und einigen Wasserpflanzen, sondern auch bei der Goldnessel, wie ich kürzlich feststellen konnte. An einer schattigen, feuchten Stelle in einer Schlucht sah ich eine grössere Fläche mit wild durcheinander wachsenden Ausläufern. Dazwischen einige aufrechte Stängel mit den typischen Blüten der Goldnessel, hier wohl Lamium galeobdolon spp. montanum. Ich war zuerst gar nicht sicher, ob es sich dabei um ein und dieselbe Pflanze handelt. Aber nach eingehender Prüfung konnte ich feststellen, dass dem so war, was mich erstaunt hat.
- An den fertilen (blühenden) Trieben waren schmale, lanzettliche Blätter zu sehen, die scharf gezähnt waren.
- An den sterilen (kriechenden) Trieben der bodendeckenden Ausläufer fanden sich keine Blüten, jedoch waren ihre Blätter runder, herz-bis eiförmig und fast schon gekerbt.
Ergo verändert sich die Blattform je nach Funktion des Triebes.
4 Antworten
Lieber Kilian
Danke fürs Dokumentieren der unterschiedlichen Blattformen (Laub- und Tragblätter) bei der Goldnessel (Lamium galeobdolon)!
Ich setze beim Vergleich mit dem Efeu (Hedera helix) und der Stechpalme (Ilex aquifolium) aber ein scheues Fragezeichen - dies deshalb, weil die beiden Arten sehr unterschiedlich geformte Laub- (resp. Stängel)blätter aufweisen und sich die "Heterophyllie" (Griechisch heteros für "verschieden" und phyllon für "Blatt") bei beiden Arten nicht auf die Tragblätter im Blütenstand bezieht.
In die gleiche Kategorie wie Efeu und Stechpalme gehören z.B. auch die Wasserhahnenfuss-Taxa, deren untergetauchte Blätter ganz anders gestaltet sind als die auf der Wasseroberfläche aufliegenden Blattspreiten.
Je nach Literatur wird diese Art der Verschiedenblättrigkeit "Dimorphismus" genannt.
Dass die Laubblätter (am Stängel) und Tragblätter (im Blütenstand) verschieden gestaltet sind, gehört fast zur Tagesordnung.
Selten wird dieses Merkmal im Schlüssel direkt verwendet, z.B. bei der Unterscheidung zwischen dem Sumpf-Helmkraut (Scutellaria galericulata) und dem Hohen Helmkraut (Scutellaria altissima).
Konkret, Flora Helvetica Exkursionsflora 2022:
Unten Fotos dieser zwei Arten für den direkten Vergleich.
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AntwortenUnterschiedliche Laubblätter beim Gewöhnlichen Efeu (Hedera helix):
“Jugendform” (Schattenform) mit gelappten Blattspreiten; nicht blühend; Wurzelkletterer.
“Altersform” (Sonnenform) mit rhombischen Blattspreiten; blühend & fruchtend; Triebe nicht kletternd.
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AntwortenUnterschiedliche Blätter bei der Stechpalme (Ilex aquifolium):
Rand der Blattspreite deutlich gezähnt, v.a. bei unteren und jüngeren Blättern.
Blattspreite ganzrandig, v.a. bei Blättern in luftiger Höhe (deshalb oft nicht gut zu sehen).
Übergänge zwischen den beiden Formen gibts… von gezähnt zu ganzrandig gehts nicht ruckzuck.
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AntwortenUn grand merci, Muriel! Selbstverständlich hast du recht! Es gibt nichts Variableres als die Blattformen einer einzelnen Pflanze (Blattpolymorphismus), auch im Verlaufe ihrer Entwicklung (Heteroblastie). Danke für die Schärfung des Begriffs der Heterophyllie. Ich verweise noch auf den guten Wikipedia-Artikel zum Thema
Blattpolymorphismus.
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