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Hornkraut-Winzlinge in Wolhusen (LU) – Cerastium semidecandrum?

Muriel Bendel
Muriel Bendel 18.03.2026

Ein Merkmal (unterstes Blattpaar im Blütenstand breit häutig) und der Lebensraum (offen, trocken, Nähe Bahnanlage) passen fürs Sand-Hornkraut (Cerastium semidecandrum). 

Damit segle ich an den ähnlichen Arten Cerastium pumilum und Cerastium glutinosum (beide mit schmal hautrandigen Blättern im Blütenstand) vorbei. 

Seht ihr bei diesen Pflanzen auch Cerastium semidecandrum, reicht der breite Hautrand bei den Blättern im Blütenstand für die Art?


Die Population ist gross und in Griffnähe vom Trottoir-Rand aus, trotzdem meldet die FlorApp "Neue Art in diesem Gebiet", was mich an der Bestimmung zweifeln lässt...

Bin sehr froh um euren kritischen Blick auf diese Winzlinge.

Herzlichen Dank & lieber Gruss, Muriel

Cerastium cf. semidecandrum. Wolhusen (LU), 17.03.2026 (Muriel Bendel)
Unterstes Blatt im Blütenstand breit häutig. 17.03.2026 (Muriel Bendel)
17.03.2026 (Muriel Bendel)
Kronblätter höchstens wenig länger als die Kelchblätter. 17.03.2026 (Muriel Bendel)
Standort der rund 2 cm hohen Pflanzen. Wolhusen (LU), 17.03.2026 (Muriel Bendel)

7 Antworten

Deine Bestimmung ist meiner Meinung nach völlig korrekt, Muriel :-) Cerastium semidecandrum ist meines Erschtens recht verbreitet (ebenso das glutinosum/pumilum agg.), aber wer schaut schon kleine Hornkräuter an ;-)

Die Art ist sehr einfach zu erkennen an der charakteristischen Form der Kerbe an der Spitze der Kronblätter.  Dafür braucht man natürlich etwas Übung.  Außerdem haben die obersten Hochblätter einen sehr breiten Hautrand.  Manchmal ist kaum etwas vom grünen Mittelfeld übrig (drittes Foto).  Desweiteren ist es die allererste Art, die im Jahr blüht.  Sogar Cerastium glomeratum braucht etwas länger.  Um die Frage zu beantworten:  Ja, der Hautrand reicht zur Bestimmung.  Keine andere Art hat etwas Ähnliches.

> aber wer schaut schon kleine Hornkräuter an

Na, ich zum Beispiel.  Da gab es die letzten Jahre mit Cerastium subtetrandrum und tenoreanum Erstaunliches zu entdecken.

Dominik

Super, herzlichen Dank für die klaren Durchsagen :-)

Die Art ist nun brav mit der FlorApp gemeldet.
Das Merkmal des breiten Hautrandes ist perfekt.
Und die Kerbe an der Spitze der Kronblätter muss ich noch genauer anschauen.

Yep, ich schau die kleinen Dinger auch gerne an; was aber nicht bedeutet, dass ich immer auf eine sichere Bestimmung komm. Bin deshalb sehr froh, kann ich unkompliziert nachfragen. Merci euch!

Wenn Dir das Spaß macht, achte doch mal auf Cerastium tenoreanum.  Die sieht genauso aus wie C. brachypetalum, bis auf die Behaarung am Stengel.  Bei C. t. befinden sich am Stengel mehrzellige Haare, die nach der ersten Zelle abknicken und parallel zum Stengel verlaufen.  Ich habe sie bisher in Magerrasen auf Kalk gesehen, aber auch an einem Bahnhof.  Wahrscheinlich ist die viel weiter verbreitet, als man denkt.

P.S.:  Direkt das erste Foto auf infoflora.ch ist übrigens gerade *keine* tenoreanum (abstehende Haare).

https://www.infoflora.ch/en/flora/cerastium-brachypetalum-subsp-tenoreanum.html 

Probier ich! tenoreanum und Bahnhof hört sich nach einer vielversprechenden Kombination an. 


Gute Haar-Fotos gibts hier
Meierott, L. 2008: Cerastium brachypetalum Desp. ex Pers. und Cerastium tenoreanum Ser. (Caryophyllaceae) in Franken. Forum geobotanicum, 3:20-28
DOI 10.3264/FG.2008.1022
pdf auf researchgate.net

Es sieht übrigens nicht so aus, als wäre C. t. erst kürzlich nach D gekommen.  Ich habe sie unter anderem in alten Xerothemmagerrasen bei Karlsruhe und im Hegau gefunden, ohne viel Aufwand zu betreiben.  Man kann im Prinzip überall gucken, wo C. b. kartiert ist.

Nach C. subtetrandrum kann man an geschotterten Straßenrändern, Verkehrsinseln, Wohnmobilstellplätzen und Autobahnmittelstreifen schauen. Ein sehr großes Vorkommen gibt es auf dem Parkplatz der Stockcar-Rennstrecke bei Neuenburg am Rhein, also nur 25 km von der Schweizer Grenze.

Hier noch ein paar Fotos von Cerastium brachypetalum subsp. tenoreanum (Artrang scheint mir hier etwas übertrieben) aus der Region Graz vom vergangenen Jahr. Im Tessin scheint mir diese aber ebenfalls recht häufig zu sein und im Kanton Zürich habe ich sie auch schon gefunden (Strassenböschung mit Halbtrockenrasen-Charakter).

28.04.2025 (Jonas Brännhage)
28.04.2025 (Jonas Brännhage)
28.04.2025 (Jonas Brännhage)
28.04.2025 (Jonas Brännhage)
28.04.2025 (Jonas Brännhage)