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Keine Nebensache: Nebenblätter und Nebenblätt*chen*

Muriel Bendel
Muriel Bendel 02.06.2026

Ob es sich um Nebenblätter oder Nebenblättchen handelt, ist keine Frage der Grösse, sondern davon abhängig, wo sie sich befinden:

  • Nebenblättchen (= Stipellen, englisch: stipel): kleine, nebenblatt-ähnliche Gebilde an der Fiederbasis bei gefiederten Blättern; 1 Nebenblättchen pro Seitenfieder und 2 Nebenblättchen an der Endfieder.

  • Nebenblätter (= Stipeln, englisch: stipule): unterschiedlich geformte Gebilde an der Blattstielbasis.

Die Robinie (Robinia pseudoacacia) bildet gelegentlich Nebenblättchen aus (siehe Foto unten); die Nebenblätter sind bei ihr zu Dornen umgewandelt.

Die kurz gestielten Fiedern der Robinie (Robinia pseudoacacia) besitzen am Grund gelegentlich kleine Nebenblättchen. Olten Hammer (SO), 26.05.2026 (Muriel Bendel)
Sehr abstrakte Illustration von Nebenblättchen (an der Basis der Fiedern) und Nebenblättern (an der Basis des Blattstiels). 01.06.2026 (Muriel Bendel)

6 Antworten

Die Stangenbohnen (Phaseolus vulgaris) auf unserem Balkon halten sich brav an die Literatur: Die beiden Seitenfiedern besitzen am Grund je 1 Nebenblättchen, die Endfieder hat 2 Nebenblättchen.

Blatt einer Stangenbohne (Phaseolus vulgaris) mit Nebenblättchen. Bern (BE), 01.06.2026 (Muriel Bendel)

Ich würde das nicht als “ein Nebenblättchen pro Fieder” interpretieren sondern daß an jedem “Knoten” der apikale “Rest” des Blattes zwei Nebenblättchen besitzt.  Dafür spricht doch auch die Stellung der Nebenblättchen, die identisch ist zu der der Nebenblätter.

Gibt es eine Art, bei der man das Überprüfen kann?  Bei Berula erecta fehlen beispielsweise die unteren Fiedern, obwohl der Knoten vorhanden ist.  Nur hat diese Art leider keine Nebenblättchen.

Dominik

Meine Formulierung war vielleicht nicht ganz lupenrein und hat die mögliche Entstehungsgeschichte der guten Nebenblättchen ignoriert.

Eine pingelige Definition findet sich in der Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol, 2008:
“Nebenblättchen (= Stipellen): nebenblattähnliche Gebilde am Grund der Blättchenstiele eines Fiederblattes; an der Endfieder paarig, an den Seitenfiedern stets einzeln (zB Phaseolus / Gartenbohne, Thalictrum flavum / Gelb-Wiesenraute).”

Bei der Gelben Wiesenraute (Thalictrum flavum) sind mir die "Nebenblättchen" bisher nicht aufgefallen; gut zu sehen sind sie aber beispielsweise bei der Akeleiblättrigen Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium):

"Nebenblattähnliche Gebilde am Grund der Blättchenstiele eines Fiederblattes", Akeleiblättrige Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium). Belper Giessen (BE), 19.05.2025 (Muriel Bendel)

Mich würde interessieren, ob es in hiesigen Gefilden weitere Beispiele für Arten mit Nebenblättchen gibt? Ich denke noch an die Feuer-Bohne (Phaseolus coccineus), ursprünglich mittelamerikanisch... aber weiter komme ich nicht. Vielleicht hat jemand noch weitere Arten mit Nebenblättchen im Köcher?

Die AT-Definition ist jedenfalls zu grob.  An ein paar testweise gesammelten Thalictrum-aquilegiifolium-Blättern:

  • Die Endfieder haben gar keine Nebenblättchen.
  • An den Seitenästchen findet sich oft (aber nicht immer) neben dem großen, auffälligen Nebenblättchen ein zweites, kleineres auf der anderen Seite der Rhachis. Das sieht man oben auf dem Foto in der Vergrößerung.  Die beiden Nebenblättchen an einem Seitenästchen können miteinander verwachsen sein und einen “Kragen” bilden.
  • Gehen an einem Knoten zwei Seitenästchen ab, können diese zweiten Nebenblättchen zusammgewachsen sein.  (Es gibt auch Knoten an denen nur ein einzelnes Seitenästchen abzweigt.)
  • Das heißt in der Summe, an einem Knoten können eins, zwei, drei oder vier Nebenblättchen sitzen.
  • Nebenblättchen sind auch an allen Verzweigungen des Blattes vorhanden, d. h. auch am Grund der Fiedern höherer Ordnung.

Bei Thalictrum flavum wird es einfacher sein, weil die weniger verzweigt ist. An den Topfpflanzen mag ich gerade kein Blatt abreißen, weil die noch ziemlich klein sind.

Dominik

Danke, Dominik, für die genaue Beschreibung der "Nebenblättchen" bei der Akeleiblättrigen Wiesenraute (Thalictrum aquilegiifolium)!

Ich bin gestern an aufblühenden Gelben Wiesenrauten (Thalictrum flavum) vorbeigekommen und hab einen kurzen Blick auf die "Nebenblättchen" geworfen:
V.a. bei den unteren Blättern finden sich am Grund der Fiedernstiele (Fiedern 1. Ordnung) oft hellgrüne bis weissliche, häutige "Nebenblättchen"; Anzahl unterschiedlich, meist frei, gelegentlich aber verwachsen. Seltener sind kleine “Nebenblättchen” auch am Grund der Fiedern 2. Ordnung zu finden.
Unten Fotos als Ergänzung.

Häutige Struktur am Grund der Fiedern 1. Ordnung bei der Gelben Wiesenraute (Thalictrum flavum). Grandson (VD), 06.06.2026 (Muriel Bendel)
Freie "Nebenblättchen" am Grund der Fiedern 1. Ordnung (im Hintergrund auch bei den Fiedern 2. Ordnung); Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Grandson (VD), 06.06.2026 (Muriel Bendel)
Gelbe Wiesenraute (Thalictrum flavum). Grandson (VD), 06.06.2026 (Muriel Bendel)