Im Spätherbst sind sie auf einmal weg – und im Frühling tauchen sie wie aus dem Nichts wieder auf. Dabei sind sie mehrjährig, haben keine Füsse (nur ein paar Wurzeln) und können nicht fliegen...
Ich war neugierig, wie die sog. "Turionen" (Überwinterungsknospen) bei der Teichlinse (Spirodela polyrhiza) konkret den Winter überstehen und hab deshalb ein paar Pflänzchen im Herbst in ein Glas gesperrt und auf dem Balkon stehen lassen. Selbstverständlich ohne Anspruch auf eine anständige Versuchsanordnung oder auf einen halbbatzig nachgeahmten Lebensraum.
Im Herbst bildeten die hellgrünen Sprossglieder neue, deutlich kleinere, breit ovale, dunkelgrüne bis rotbraune, wurzellose Sprossglieder (Turionen), welche sich bald von den Mutterpflanzen ablösten.
Dann geschah eine Weile nicht viel: Die kleinen Turionen und die Sprossglieder (noch grün oder bereits braun und abgestorben) dümpelten auf der Wasseroberfläche vor sich hin.
Am 4.1.2026 wurden die Turionen und die Sprossglieder auf der Wasseroberfläche vom Eis eingeschlossen; am 7.1.2026 fror das gesamte Wasser im Glas. Ein Teil der Pflanzen befand sich am Grund des Glases, ein Teil war wenig unterhalb der Oberfläche eingefroren.
Die Turionen überlebten das Eis offensichtlich unbeschadet und spürten zumindest im kleinen Glas bereits Ende Februar den Frühling: Sie bildeten neue, bewurzelte Sprossglieder, die nach knapp 2 Wochen bereits so gross wie die Turionen waren.
Mittlerweile verfärben sich die kleinen Turionen gelblich und sterben ab – und die neuen Sprossglieder wachsen munter weiter.
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Die verwandte, aber zu einer anderen Gattung zählende Kleine Wasserlinse (Lemna minor) überwintert hingegen schnörkellos: Wird es zu kalt, frieren ihre Sprossglieder auf der Wasseroberfläche ein (ohne Überwinterungsknospen zu bilden) und sind im Frühling bereits wieder parat für die nächste Saison.
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AntwortenDie Turionen-Bildung der Teichlinse (Spirodela polyrhiza) ist bestens untersucht (nicht in meinem Glas auf dem Balkon!) – ein aktuelles Review gibt's z.B. hier:
Ziegler, P. 2024: The Developmental Cycle of Spirodela polyrhiza Turions: A Model for Turion-Based Duckweed Overwintering? Plants, 13(21): 2993
DOI:10.3390/plants13212993
researchgate.net
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AntwortenLiebe Muriel
Cool, bei der nächsten Millionenshow weiss ich jetzt was Turionen sind.
Du kriegst dann einen Teil des Gewinns.
Danke für das Teilen des Experiments!
Was mich nun umtreibt ist physikalisch nicht botanisch: weshalb ist das Glas nicht gesprungen?
Liebe Grüsse Moritz
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AntwortenIch setze auf dich bei der nächsten Show, lieber Moritz!
Und über meinen Gewinnanteil diskutiere ich sehr gerne, ich bin sicher wir können uns auf einen guten Deal einigen. Habe noch ein paar Projekt-Ideen im Hinterkopf, für die Geld (und Zeit) fehlt :-)
Beim Glas (ein banales Barilla-Pesto-Glas) war ein Detail wichtig: Ich hab schlicht den Deckel entfernt, als sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt näherten. Damit konnte sich das entstehende Eis etwas nach oben ausdehnen. Wäre das Glas voll und verschlossen gewesen, hätt ich die eingefrorenen kleinen Turionen zwischen den Glasscherben suchen müssen.
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