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The secret life of Spirodela polyrhiza

Muriel Bendel
Muriel Bendel 22.04.2026

Im Spätherbst sind sie auf einmal weg – und im Frühling tauchen sie wie aus dem Nichts wieder auf. Dabei sind sie mehrjährig, haben keine Füsse (nur ein paar Wurzeln) und können nicht fliegen...

Ich war neugierig, wie die sog. "Turionen" (Überwinterungsknospen) bei der Teichlinse (Spirodela polyrhiza) konkret den Winter überstehen und hab deshalb ein paar Pflänzchen im Herbst in ein Glas gesperrt und auf dem Balkon stehen lassen. Selbstverständlich ohne Anspruch auf eine anständige Versuchsanordnung oder auf einen halbbatzig nachgeahmten Lebensraum.

Im Herbst bildeten die hellgrünen Sprossglieder neue, deutlich kleinere, breit ovale, dunkelgrüne bis rotbraune, wurzellose Sprossglieder (Turionen), welche sich bald von den Mutterpflanzen ablösten. 

Dann geschah eine Weile nicht viel: Die kleinen Turionen und die Sprossglieder (noch grün oder bereits braun und abgestorben) dümpelten auf der Wasseroberfläche vor sich hin. 

Am 4.1.2026 wurden die Turionen und die Sprossglieder auf der Wasseroberfläche vom Eis eingeschlossen; am 7.1.2026 fror das gesamte Wasser im Glas. Ein Teil der Pflanzen befand sich am Grund des Glases, ein Teil war wenig unterhalb der Oberfläche eingefroren. 

Die Turionen überlebten das Eis offensichtlich unbeschadet und spürten zumindest im kleinen Glas bereits Ende Februar den Frühling: Sie bildeten neue, bewurzelte Sprossglieder, die nach knapp 2 Wochen bereits so gross wie die Turionen waren.

Mittlerweile verfärben sich die kleinen Turionen gelblich und sterben ab – und die neuen Sprossglieder wachsen munter weiter. 

Viel ist von der Teichlinse (Spirodela polyrhiza) nicht mehr zu sehen: Die Pflanzen sind Anfang Januar komplett vom Eis umschlossen. 07.01.2026 (Muriel Bendel)
Die hellgrünen diesjährigen Sprossglieder bilden im Herbst kleine, dunkelgrüne Überwinterungsknospen (Turionen). 19.10.2025 (Muriel Bendel)
Die dunkelgrünen Turionen bilden sich von den Sprossgliedern ab. 25.10.2025 (Muriel Bendel)
Die Turionen behalten ihre dunkelgrüne Farbe; ein Teil der "normalen" Sprossglieder ist bereits abgestorben, ein Teil hat ihre hellgrüne Farbe behalten. 31.12.2025 (Muriel Bendel)
Zum ersten Mal sinken die Temperaturen deutlich ab, die Turionen und restlichen Sprossglieder frieren auf der Oberfläche ein. 04.01.2026 (Muriel Bendel)
Der Winter hat Einzug gehalten: Ein Teil der Turionen und Sprossglieder ist wenig unterhalb der Oberfläche eingefroren. 07.01.2026 (Muriel Bendel)
Das Wasser ist Anfang Januar komplett gefroren, Teichlinse inklusive. 07.01.2026 (Muriel Bendel)
Ein Teil der Pflanzen ist am Grund des Glases vom Eis umschlossen. 07.01.2026 (Muriel Bendel)
Frühling! Die Turionen erscheinen wieder an der Oberfläche... 22.02.2026 (Muriel Bendel)
... und treiben bereits aus. 27.02.2026 (Muriel Bendel)
Die neuen Sprossglieder wachsen schnell, ... 03.03.2026 (Muriel Bendel)
... und sind nach rund 2 Wochen bereits so gross wie die Turionen. 07.03.2026 (Muriel Bendel)
Auch erste Wurzeln sind bei den neuen Sprossgliedern bereits auszumachen. 12.03.2026 (Muriel Bendel)

4 Antworten

Die verwandte, aber zu einer anderen Gattung zählende Kleine Wasserlinse (Lemna minor) überwintert hingegen schnörkellos: Wird es zu kalt, frieren ihre Sprossglieder auf der Wasseroberfläche ein (ohne Überwinterungsknospen zu bilden) und sind im Frühling bereits wieder parat für die nächste Saison.

Die Wasseroberfläche ist zugefroren - mit den Kleinen Wasserlinsen (Lemna minor). Lörmoos (BE), 21.12.2024 (Muriel Bendel)
Eingefrorene Kleine Wasserlinsen (Lemna minor). Lörmoos (BE), 21.12.2024 (Muriel Bendel)

Die Turionen-Bildung der Teichlinse (Spirodela polyrhiza) ist bestens untersucht (nicht in meinem Glas auf dem Balkon!) – ein aktuelles Review gibt's z.B. hier:

Ziegler, P. 2024: The Developmental Cycle of Spirodela polyrhiza Turions: A Model for Turion-Based Duckweed Overwintering? Plants, 13(21): 2993
DOI:10.3390/plants13212993
researchgate.net 

Liebe Muriel

Cool, bei der nächsten Millionenshow weiss ich jetzt was Turionen sind.

Du kriegst dann einen Teil des Gewinns.

Danke für das Teilen des Experiments!

Was mich nun umtreibt ist physikalisch nicht botanisch: weshalb ist das Glas nicht gesprungen?

Liebe Grüsse Moritz 

Ich setze auf dich bei der nächsten Show, lieber Moritz!
Und über meinen Gewinnanteil diskutiere ich sehr gerne, ich bin sicher wir können uns auf einen guten Deal einigen. Habe noch ein paar Projekt-Ideen im Hinterkopf, für die Geld (und Zeit) fehlt :-)

Beim Glas (ein banales Barilla-Pesto-Glas) war ein Detail wichtig: Ich hab schlicht den Deckel entfernt, als sich die Temperaturen dem Gefrierpunkt näherten. Damit konnte sich das entstehende Eis etwas nach oben ausdehnen. Wäre das Glas voll und verschlossen gewesen, hätt ich die eingefrorenen kleinen Turionen zwischen den Glasscherben suchen müssen.