Ich staunte vor wenigen Tagen bei Saxon über ein Phänomen, das ich so noch nicht gesehen habe, nämlich darüber, dass ausgerechnet der Frühlings-Adonis (Adonis vernalis), der Inbegriff der satten Gelbheit, violette Knospen bzw. Kelchblätter hat (die Komplementärfarbe von Gelb!). Gewiss lässt sich über die Farbe diskutieren und man könnte die Knospen auch als rötlich-braun überlaufen bezeichnen, auf jeden Fall aber waren sie alles andere als goldgelb!
Das erinnerte mich etwas an die Knospen eines anderen Hahnenfussgewächses, der Frühlings-Anemone (Pulsatilla vernalis), die sich nach dem Aufblühen als reinweisse Schönheit entpuppt.
Ich stellte mir die Frage, weshalb das so ist und ob das evtl. eine biologische Funktion haben könnte. Hier das Ergebnis meiner Mutmassungen. Ihnen zugrunde liegt die Annahme, dass die violette Farbe durch Einlagerung von Pigmenten der Anthocyane entsteht, die als sekundäre Pflanzenstoffe in vielen Blüten und Früchten vorkommen. Sie hätten im vorliegenden Beispiel dann folgende Funktionen:
Schutzfunktion: der Frühlings-Adonis entfaltet seine Knospen extrem früh im Jahr, wenn die Walliser Nächte noch sehr kalt sind (Ich sah erste Knospen, noch ohne irgendwelche Laubblätter, mal am 13. Februar direkt über dem Boden!). Die Anthocyane bauen dabei einen Schutz gegenüber der frühen Witterung auf, sind also eine Art Frostschutz und auch Schutz vor UV-Strahlen der empfindlichen Blütenteile.
Wärmeabsorption: dunkle Farben wie diejenigen der Anthocyane absorbieren Sonnenwärme besser als helle. Da der Frühlings-Adonis früh im Jahr blüht, helfen die violetten Knospen dabei, die Sonnenwärme effektiver aufzunehmen und so die Entwicklung der Blütenorgane bei kühlen Temperaturen zu begünstigen.
Schutz vor Frassfeinden: die Anthocyane können zudem abschreckend auf bestimmte Fressfeinde wirken oder signalisieren, dass die Pflanze (die ohnehin stark giftig ist!) ungeniessbar ist.
Sobald sich die Blüte vollständig öffnet, weicht die violette Färbung der Kelchblätter dem leuchtenden Goldgelb der Kronblätter, um Bestäuber anzulocken. Zudem wirkt die grosse Radblüte wie ein Parabolspiegel und bündelt das Licht zu ihrem Zentrum hin. Die hier messbare Temperaturerhöhung nutzen die Insekten, um sich aufzuwärmen.
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