Wasserpflanzen ohne Wasser. Oder: "Verträgt Austrocknung"

Muriel Bendel
Muriel Bendel 09.08.2026

Trocknet der Lebensraum von Wasserpflanzen aus, ist für viele Arten Schluss. Einige wachsen aber auf dem feuchten/schlammigen Boden weiter und warten auf Regen resp. steigenden Wasserstand.

Von Weitem sehen diese 3 Arten ähnlich aus (und mein erster Verdacht war bei der Art 1 prompt falsch).

Um welche Arten handelt es sich?
Herzliche Grüsse, Muriel

PS. Gerne mit euren Beobachtungen ergänzen, meine "Liste" der 3 Wasserpflanzenarten, die Austrocknung vertragen, ist sicher nicht abschliessend!

Quiz-Art 1 in einem ausgetrockneten Graben in den Grangettes, bei Noville (VD). 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Triebspitze. Les Grangettes, Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Oberer Stängelabschnitt. Les Grangettes, Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)

15 Antworten

Quiz-Art 2, in einem ausgetrockneten Graben. Lörmoos (BE), 27.07.2025 (Muriel Bendel)
Kurze, aufrechte Triebe bildend. Lörmoos (BE), 27.07.2025 (Muriel Bendel)
27.07.2025 (Muriel Bendel)
27.07.2025 (Muriel Bendel)
Wie kleine Tannenbäumchen in einer nassen Weide wachsend. Lopsigen (BE), 17.09.2025 (Muriel Bendel)
Gut getarnt! Lopsigen (BE), 17.09.2025 (Muriel Bendel)
Stängelabschnitt. Lopsigen (BE), 17.09.2025 (Muriel Bendel)

Zumindest Art 1 braucht diese Schlammflächen zum Blühen.  Die anderen beiden Arten bevorzugen ebenfalls Flachwasser und müssen mit dem Trockenfallen rechnen.

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Übrigens bietet die historische Dürre dieses Jahr (schon wieder nach 2018) die Chance, sich die Flora abgetrockneter Teichböden und Altrheinarme zu Gemüte zu führen.  Ich weiß nicht, wie die Lage in der Schweiz ist, aber so etwa zwischen Karlsruhe und Mannheim, gibt es einige Altrheinarme und Teiche, die sich jetzt lohnen.  Dort kann man tolle Arten wie Rumex maritimus und palustris, Cyperus fuscus und flavescens, Carex bohemica, Limosella aquatice, Mentha pulegium, alle Bidens spec. usw. finden. Mit viel Glück bekommt man vielleicht Elatine alsinastrum oder Lindernia procumbens oder L. dubia zu sehen.

Besser aus der Schweiz zu erreichen ist das Sundgau mit hunderten Fischteichen.  Leider ist das nicht mehr so ergiebig wie früher, weil viele Teiche entweder aufgegeben oder auf intensive Bewirtschaftung umgestellt wurden.  Man muß einfach auf gut glück herumfahren und nach abgelassenen, aber nicht aufgegebenen Teichen Ausschau halten.  Die ideale Zeit dürfte etwa Ende August bis Mitte September sein.

Dominik

Auch diesen “Wasserhahnenfuss” hatte ich mal am Rande eines trockengefallenen Weihers im Aaretal gefunden, weiss aber nicht mehr genau, was es ist (bei all den Möglichkeiten zwischen trichophyllos, circinnatus, aquatilis, peltatus und penicillatus…..).

Kiesen (BE), 22.09.2018 (Blumenwanderer)
Kiesen (BE), 23.09.2018 (Blumenwanderer)

Auch Sagittaria sagittifolia kann offenbar “ohne”, auf dem ersten Foto zusammen mit trockengefallener Trapa natans.

Sundgau (F), 15.09.2019 (Blumenwanderer)
Sundgau (F), 15.09.2019 (Blumenwanderer)
Sundgau (F), 15.09.2019 (Blumenwanderer)

Auch Trapa natans kommt trotz des Namens, so scheint's, ohne Wasser zurecht und kommt sogar zum Blühen!

Sundgau (F), 12.09.2022 (Blumenwanderer)
Sundgau (F), 12.09.2022 (Blumenwanderer)

Ich weiss nicht, ob Marsilea quadrifolia wirklich eine Wasserpflanze ist, aber auch sie kommt emers gut zurecht und überlebt problemlos an Land, auf dem ersten Bild mit Sporokarpien.

Sundgau (F), 12.09.2022 (Blumenwanderer)
Sundgau (F), 12.09.2022 (Blumenwanderer)
Brittnau (AG), 13.08.2023 (Blumenwanderer)

Das ist wohl der Etang la Grille?  2019 war von der Marsilea nicht mehr viel übrig.  Es ist zu trocken.

Immerhin zeigt meine Beobachtung ja, dass auch ein trockener Sommer wie 2018 Marsilea nicht den Garaus machen konnte. Auch Baldellia ranunculoides scheint sich gut an die Verhältnisse anpassen zu können und gewissermassen vorbereitet zu sein auf das Austrocknen ihres üblichen Habitats. Die erste Foto zeigt einen der Weiher, in denen sie in früheren Jahren schon fast massenhaft aufgetreten war. Nichtsdestoweniger war sie immer noch vorhanden. In der Landform bildet sie niedrige Blattrosetten mit lanzettlichen Blattspreiten.

Gampelen (BE), 19.09.2018 (Blumenwanderer)
Gampelen (BE), 19.09.2018 (Blumenwanderer)

Und wenn wir Oenanthe aquatica gemäss ihrem Namen als Wasserpflanze betrachten wollen, so gehört auch sie zu den Anpassungskünstlerinnen, die mit knochentrockenen Teichböden wie auf der ersten Foto gut zurecht kommen.

Bonfol (JU), 23.9.2021 (Blumenwanderer)
Sundgau (F), 15.09.2019 (Blumenwanderer)

Mit Callitriche palustris haben wir wohl eine jener amphibischen Arten vor uns, die als Anpassungskünstler auch als Landform auf feuchtem Schlamm problemlos überleben können, wenn der Wasserspielgel sinkt. Damit wären wir definitiv bei den Helophyten angelangt. Auf dem Bild anbei aus dem Dürresommer 2018 ist sie am oberen Bildrand (auf Polygonboden!) zu sehen neben weiteren spannenden Arten wie Limosella und Elatine.

Sundgau (F), 13.10.2018 (Blumenwanderer)

Auch der Strandling (Littorella uniflora), die Wasserpflanze des Jahres 2023, “verträgt Austrocknung”, zumindest vorübergehend, und kann an ausgetrockneten Uferzonen überdauern.

Bodensee (TG), 22.04.2020 (Blumenwanderer)

Wie Marsilea verträgt auch der Pillenfarn (Pilularia globulifera) das vorübergehende Trockenfallen seines Habitats. Und wie bei Marsilea werden auch bei ihm die Sporokarpien nur an solch trockenen Stellen im Herbst ausgebildet.

Bot. Garten Fribourg (FR), 09.07.2022 (Blumenwanderer)

Wow, ganz herzlichen Dank für die umfangreichen Wasser-(Sumpf-)Pflanzen-Ergänzungen! :-) 

Die Aufllösung des Quiz:

Art 1
Quirlblütiges Tausendblatt (Myriophyllum verticillatum)
Blätter quirlständig, Pflanze inkl. Stängel kahl; reifende Früchte sitzend, mit 4 braunen Narben; blüht sowohl als Wasserform (nicht nur auf Schlammflächen) als auch auf trockengefallenen Flächen.
Das ähnliche Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicatum) verträgt kein Trockenfallen, die Tragblätter im Blütenstand sind viel kleiner (auf den ersten Blick sind nur die Blüten sichtbar).

Art 2
Wasserfeder (Hottonia palustris)
Blätter wechselständig, über die Wasseroberfläche ragende Stängel mit Drüsen (nicht kahl); Früchte wären lang gestielt (nicht sitzend).

Art 3
Tannenwedel (Hippuris vulgaris)
Blätter quirlständig, zahlreich, ganzrandig.