Rein habituell lassen sich Circaea lutetiana und Circaea alpina problemlos unterscheiden. Bei Circaea ×intermedia kann dies aber nicht behauptet werden, da die Pflanze als Naturhybride morphologisch fast lückenlos zwischen den beiden Elternarten vermittelt: Das Erscheinungsbild von Circaea ×intermedia ist daher sehr variabel.
Was das heisst, erlebte ich kürzlich an feucht-schattiger Stelle in einer Schlucht, als ich auf eine Kolonie von relativ grosswüchsigen Hexenkräutern stiess, die man a prima vista für Mastexemplare von C. alpina halten könnte. Aber wirklich passten sie weder ins Schema, das ich von dieser Art bisher habe, noch zu Circaea lutetiana. Also konzentrierte ich mich auf die Lupen-Merkmale, was sich aber als knifflig erwies, denn…
- „Blattstiel kahl oder nur oberseits behaart“ hat auch C. alpina.
- „Stiele der Blütenknospen mit borstenförmigen, hinfälligen Deckblättern“ hat auch C. alpina.
- „Früchte ca. 2 mm lang und 1 mm dick“ hat auch C. alpina.
- "Stängel unten kahl oder behaart“ sagt nicht viel aus. Dass er aber „10-40 cm hoch“ sein soll, unterscheidet die Art von C. alpina, die nur „5-20 cm hoch“ wird.
- „Blätter schwach bis deutlich herzförmig, 2-7 cm lang, geschweift-gezähnt, schwach glänzend“ könnte jedoch ein valableres Unterscheidungsmerkmal sein, da bei C. alpina steht: „Blätter 1-5 cm lang, am Grund deutlich herzförmig und länger gezähnt, dünn und glänzend“.
(Merkmal-Zitate nach Flora Helvetica)
Ich habe hier stillschweigend vorausgesetzt, dass für mich die Verwechslungsart nicht C. lutetiana ist, wie die FH suggeriert, sondern C. alpina. Da ich letztere sehr gut kenne, wurde ich wie erwähnt, bei den unten gezeigten Exemplaren stutzig. Ich fasse sie trotz allem Interpretationsspielraum als Circaea ×intermedia auf. Weshalb?
- Die Lupen-Merkmale sind durchgängig erfüllt (was an sich, wie dargelegt, noch nichts beweist).
- Die Blattspreiten weisen eine Länge von bis zu 7 cm auf, was ich bei C. alpina noch nie beobachtet habe.
- Die Wuchshöhe beträgt ca. 20 cm, was ich so bei C. alpina bisher auch nicht gesehen habe.
Das wohl sicherste Merkmal sah ich leider nicht: den Fruchtansatz bzw. dessen Fehlen! Da die Hybride steril ist und sich vegetativ vermehrt, fallen die tauben, hakenborstigen Früchte fast immer vorzeitig ab. Findet man also im Hochsommer an den unteren Etagen des Blütenstands nur leere, nackte Fruchtstiele ohne verdickte Früchte, ist dies wohl der beste Beweis für Circaea ×intermedia.
Ob dieser Indizienbeweis hinreicht oder es doch eine Genom-Analyse bräuchte?
2 Antworten
Geniale Fotos! Also für mich ist das ganz klar C.x intermedia. Zusatzmerkmale, die helfen können, um C. alpina auszuschliessen sind noch: alpina hätte einen mehr doldentraubigen Blütenstand und nur ganz kleine Blüten sowie Griffel (Foto mit Skala)!
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AntwortenVielen Dank, Jonas! Ich bin sehr froh für deine Bestätigung und die ergänzenden Ausschlusskriterien!!!