Herzlichen Dank, Kilian, für die tollen Fotos des Alpen-Mohns (Papaver alpinum aggr.), dein Beitrag kommt zur goldrichtigen Zeit! :-)
Kürzlich hätte ich gerne den gelbblühenden Mohn auf dem Bernina-Pass Rätischer Alpen-Mohn (Papaver aurantiacum = Oreomecon alpina) genannt... aber ich hab mich einmal mehr verschlüsselt und bin bei widersprüchlichen Merkmalen steckengeblieben (Höhe der Pflanzen, Länge und Form der Kapseln, Behaarung der Blätter, Anzahl Narbenstrahlen sind sehr unterschiedlich und deshalb kaum als Merkmale zu gebrauchen; und ob die Narbenstrahlen nun wirklich weit herablaufen kann ich nicht beurteilen). Mit den Fotos des Alpen-Mohns vom Brienzergrat als Vergleich scheint es aber klarer:
Der gelbblühende Mohn am Wegrand am Lago Bianco aufm Bernina scheint mir nicht näher mit dem Kollegen auf dem Brienzergrat verwandt, sondern der verwilderte Altaische Mohn (Papaver croceum = Oreomecon crocea) zu sein. Als belastbarste Merkmale könnten die dunklen Haare auf den Kapseln und Blütenstiele herhalten (zumindest jetzt im Sommer) – beim Alpen-Mohn (Papaver alpinum aggr.) sind sie weiss.
Stimmt diese Bestimmung? Und welche Merkmale aus der Auswahlsendung in den Schlüsseln und Beschreibungen braucht ihr, um den seltenen Alpen-Mohn (Papaver alpinum aggr.) vom verwilderten Altaischen Mohn (Papaver croeum) zu unterscheiden?
Bin sehr froh um Mohn-Nachhilfe! Und würde mich natürlich freuen, wenn ich mit der Bestimmung falsch liege und es doch der Alpen-Mohn wäre...
Herzliche Grüsse, Muriel
6 Réponses
… und von einem zweiten Standort, ebenfalls in der Nähe des Wanderwegs auf dem Bernina-Pass:
Pflanzen knapp 20 bis rund 40 cm hoch.
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RépondreHallo Muriel
Auch ich habe mich erst über den gelben Alpenmohn gefreut. Ich musste dann aber feststellen, dass die Merkmale nicht stimmen. Ich nehme an, es handelt sich um P. croceum. Ich habe aber nicht so exakte Fotos wie du.
Mein Standort: Nahe Murtel, Zwischenstation Corvatschbahn
Herzliche Grüsse
Maja
Herzlichen Dank für deine Fotos, Maja!
Ja, deine Pflanzen sehen sehr ähnlich aus, inkl. dunklen Haaren auf den Kelchblättern und den Blütenstielen (zumindest direkt unterhalb der Blüte). Auch scheinen sie recht gross – zu gross für den Rätischen Alpen-Mohn.
Spricht also alles für den neophytischen Papaver croeum…
Liebe Muriel
Ich bin nicht sicher, ob es unter den auffällig vielen Unterscheidungsmerkmalen, die in den Floren genannt werden, wirklich ein Killerkriterium gibt, oder ob es nicht auf den Strauss der Merkmale ankommt. (Werden so viele und so unterschiedliche Unterscheidungsmerkmale genannt, weil viele für sich allein genommen wenig hilfreich sind?)
Einfach ist es natürlich bei langstieligen, mehrfarbigen Gruppen: Da ist schon von weitem klar: croceum.
Aber umgekehrt? Ich habe unten Bilder angehängt auch vom Lago Bianco, die ich eindeutig Papaver auranticum zuschreibe. Da stimmt das ganze Bouquet:
Spannend ist für mich eine Frage: Wir haben mal von einer Fundstelle am Lago Bianco gesprochen. Stammen Deine Bilder auch von dort? Das würde bedeuten, dass auch die Haarfarbe kein brauchbares Kriterium ist, sondern abhängig ist vom Entwicklungsstadium…
Deine 2. Stelle würde ich klar croceum zuordnen.
Bei der ersten bin ich unsicher, Tendenz croceum. Für croceum sprechen mehrere Dinge:
Lieber Marc
Super, vielen Dank für deine Fotos und deine ausführliche Antwort!
Dann scheint es rund um den Lago Bianco auf dem Bernina beide Arten zu geben.
Ja, bei hochgewachsenen, mehrfarbig oder zumindest orange blühenden Pflanzen bin ich sofort bei Papaver croceum dabei. Dass die Kronblätter des Rätischen Alpenmohns (Papaver aurantiacum) auch nach dem Abblühen gelb bleiben und nicht zu orange wechseln find ich ein tolles Merkmal. Zusammen mit den weissen resp. dunkelbraunen bis schwarzen Haaren auf dem Blütenstiel (in der oberen Hälfte, zumindest zur Blütezeit) gibt das schon zwei belastbare Merkmale... was nicht die Menge ist, aber immerhin. Besser als die Narbenstrahlen (da sehe ich zu viel Variabilität), die Grösse (wehe wenn Papaver croceum klein bleibt) oder die Blattbehaarung und -farbe.
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Répondre>>Spannend ist für mich eine Frage: Wir haben mal von einer Fundstelle am Lago Bianco gesprochen. Stammen Deine Bilder auch von dort? Das würde bedeuten, dass auch die Haarfarbe kein brauchbares Kriterium ist, sondern abhängig ist vom Entwicklungsstadium…
Nein, das war eine andere Fundstelle. Ich hab mir letzten Oktober an kleinen, fruchtenden Mohnpflanzen am Lago Bianco die Zähne ausgebissen (Beobachtung auf iNaturalist) und mir vorgenommen, sie zur Blütezeit nochmal anzuschauen. Daraus wurde nix – die Kiesflächen sind wegen seltenen Brutvögeln nicht zugänglich, no entry bis Ende Brutsaison. Also hab ich die Mohnpflanzen direkt am Wegrand angeschaut :-) Das sind die beiden oben dokumentierten Standorte.
Bei den Pflanzen vom letzten Herbst (unten als Ergänzung die Fotos) machten mich die hellen Haare auf den Kapseln und den Stielen stuzig... entweder bleichen die dunklen Haare von Papaver croceum aus – oder es war waschechter Papaver aurantiacum.
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