... oder doch eine sehr dunkel geratene Zittergras-Segge (Carex brizoides) im falschen Lebensraum?
Ich werde aus diesem Carex-Fund nicht schlau und bin froh um eure Erfahrung und euren kritischen Blick auf die Fotos:
- Fundort: flachgründiger, kalkreicher, trockener Boden in warmer Lage; Valangin (NE), 29. April 2026
- Ähren oben mit weiblichen Blüten (Narben 2), unten mit männlichen Blüten.
- Deckblätter braun bis rotbraun.
- Blätter ca. 2 mm breit, kahl.
- Blatthäutchen auffallend hochgezogen ("Hautkragen").
Mit dem Schlüssel lande ich damit bei Carex praecox, was etwas seltsam anmutet... es gibt weit und breit keinen Fundort rund um Valangin nördlich von Neuchâtel. Und gesehen hab ich Carex praecox noch nie... ich vermute daher eher Wunschdenken meinerseits und fürchte, in bin in den Seggen verloren gegangen.
Für die Zittergras-Segge (Carex brizoides) sind mir die Deckblätter viel zu dunkel (sie sollten beige sein) und der Standort zu sonnig und trocken.
Wer könnte weiterhelfen?
Mille merci im Voraus :-) Muriel
19 Risposte
Hoi Muriel
Carex praecox scheint mir hier plausibel, aber weitere Habitusbilder wären hilfreich! Ist das Blatthäutchen ein Merkmal in dieser Gruppe? Das kannte ich bislang noch nicht �
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RispondiAber Carex praecox hat grüne Tragblätter und bildet auch nicht solche Klumpen. Und dann ist sie laut Rothmaler auch noch kalkmeidend (und gleichzeitig indifferent gegenüber Bodenreaktion? ("Rx")).
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RispondiDie Spelzen von Carex praecox sind braun mit grünem Mittelstreifen, das passt doch gut zu den Fotos! Und in der Exkursionsflora für Österreich wird sie sie als kalkliebend beschrieben…
Die Blütenstandstragblätter sind grün und laubblattartig. Die Art hat Ausläufer und bildet nicht solche dichten Büschel (diese wären aber für brizoides typisch, auch wenn die Blütenstände nicht so aussehen).
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RispondiDie Bayernflora schreibt zu praecox:
“Auf warmen, (wechsel-)trockenen, sandigen bis lehmigen, mäßig basenreichen, aber oft kalkarmen Böden, in etwas ruderal beeinflussten Sand- und Trockenrasen, an Wegen und Böschungen, entlang von Straßenrändern, auch verschleppt auf Bahnhofsgelände; Sandpionier”
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RispondiLes feuilles sont très longues, ce qui excluerait plutôt Carex praecox et amènerait à brizoides ou curvata en suivant la clé du livre Guide expert des Carex de France par David Hamon. Avec des épis bruns clairs (blanchâtre chez C. brizoides), on arriverait à Carex curvata. Je ne connais pas cette espèce, mais les images disponibles semblent correspondre, p.ex. https://pladias.cz/en/taxon/data/Carex%20curvata
Reste que ce serait une nouvelle espèce pour la Suisse, donc restons prudent. Affaire à suivre…
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RispondiDas Habitusfoto erlaubt meines Erachtens keine genaue Abschätzung der Blattlänge relativ zum Stängel und wenn ich dies mit eigenen Fotos sowie denen von Stefan Lefnaer vergleiche, kann ich keine wesentlichen Unterschiede feststellen….
https://flora.lefnaer.com/cgi-bin/photosearch.pl?action=SPECIES;name=Carex%20praecox
Auch ausläuferbildende Arten können zudem klumpig wachsen, wenn sie wenig Platz haben. Carex curvata bleibt für mich übrigens eine Phantomart:
https://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=4&t=4122&p=25510&hilit=Curvata#p25510
Hallo allerseits
Also für mich spricht da auch nichts gegen Carex praecox.. Anbei zwei Bilder vom 7.5.26 aus dem Kt. Luzern.
Grüsse, Lukas
Ps: gratuliere zu diesem doch schönen Fund :-).
> Carex curvata bleibt für mich übrigens eine Phantomart:
Na, das ist ganz einfach: Carex curvata wird kniehoch, mit langen, überhängenden Stengeln. Carex praecox ist eine kleine, steif aufrechte Art die vielleicht 10 - 15 cm hoch wird. Da besteht eigentlich wenig Verwechslungsgefahr.
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RispondiDa muss ich aber schon widersprechen. In Ostösterreich, wo Carex praecox recht häufig ist, sehe ich regelmässig auch hochwüchsige Bestände dieser Art (zumindest bis 30 cm hoch). Und auch wenn ich die Merkmale im Rothmaler durchlese, scheint mir die Unterscheidung der beiden nicht besonders einfach zu sein… Aber es ist ein guter Tipp, wenn ich mal sehr hohe Carex praecox sehe, werde ich bestimmt auf curvata prüfen (falls denn dies überhaupt eine gute Art ist).
Un très grand merci à tous!
Ich habe dem Carex-Standort heute nochmal einen Besuch abgestattet und ergänze eine grössere Fotosammlung unten.
Jetzt, 2 Wochen nach den ersten Fotos, sind die Tragblätter (Spelzen) auf den ersten Blick braun bis rotbraun mit einem hellbraunen Mittelstreifen, nur die obersten paar Tragblätter der weiblichen Blüten zeigen teilweise (noch) einen grünen Mittelstreifen.
Die Pflanzen wachsen tatsächlich klumpig zwischen den Kalksteinen heraus (und lassen sich kaum herausziehen); die Triebe sind ca. 40 cm lang, die Blätter meist etwas kürzer. Nur am Rand auf flachgründigem Boden direkt über den Kalksteinen sind die Pflanzen kleiner -> dort liessen sie sich einfacher rausziehen: Sie bilden Ausläufer mit kleineren Büscheln.
Neben dieser Fläche mit den klumpig wachsenden Seggen (Standort 1) gibts eine zweite, angrenzende Seggen-Fläche (Standort 2), die offensichtlich regelmässig mit einem Fadenmäher malträtiert wird.
Diese Pflanzen sind nur 25–30 cm hoch, die Blätter etwas kleiner als die blühenden Triebe; die Ähren sehen gleich aus wie beim Standort 1.
Ich gehe davon aus, dass es dieselbe Art ist (wenn nicht sogar das gleiche Individuum) – die Pflanzen aber auf Grund des Wuchsortes und der "Behandlung" (Standort 1: nix, deshalb mit vielen abgestorbenen Blättern und Trieben; Standort 2: immer mal wieder kurz geschnitten) deutlich anders ausschauen.
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RispondiZuerst Fotos vom Standort 1: Klumpig zwischen Kalksteinen wachsend.
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RispondiStandort 2: Pflanzen kleiner, mehr rasig wachsend.
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RispondiDanke Muriel für die tollen Fotos! Das passt wunderbar zum Bild, welches ich von Carex praecox habe. Das zeigt auch, wie abhängig die Pflanzengrössen von den Standortbedingungen sind…. Dass hier per Zufall C. praecox und curvata zusammen vorkommen, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich.
Ich habe von beiden Standorten ein paar Büschel mitgenommen für je einen Herbarbeleg und je eine mit Silica Gel getrocknete Probe.
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RispondiDas Blatthäutchen kenne ich v.a. bei Carex brizoides so schön hochgezogen (offiziell "Hautkragen", für mich als Eselsbrücke "Isolationsrohr"); aber damit steht diese Art nicht alleine da, sondern ist in kunterbunter guter Gesellschaft: U. Graf (2021) nennt neben Carex praecox subsp. intermedia und Carex brizoides u.a. Carex ferruginea, Carex lasiocarpa, Carex microglochin etc., die einen Hautkragen ausbilden.
Quelle: Graf U.H. (2021) Schlüssel zur Bestimmung von nichtblühenden Seggen, Binsen und anderen Sauergräsern in der Schweiz. Cyperaceae, Juncaceae, Juncaginaceae, Scheuchzeriaceae. WSL Berichte 10 (4th ed.). Birmensdorf: Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. 134 S.
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RispondiUnd: Den Fund als Carex cf. praecox bei Info Flora mal gemeldet.
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RispondiTrotz der vielen Bilder entdecke ich da immer noch kein einziges grünes Tragblatt, wie es auf anderen praecox-Bildern regelmäßig zu sehen ist. (Tragblatt = Blütenstandstragblatt, nicht = Spelzen). Auf dem vierten Bild “Standort 2” sieht man einen kurzen, braunen Zipfel, der kaum so lang ist wie die unterste Ähre. Schläuche gibt's noch keine brauchbaren? Das ist doch das wichtigste Carex-Bestimmungsmerkmal. Die Dicke der Ausläufer liegt mit ca. 3,5 mm weit außerhalb des laut Rothmaler “erlaubten” Bereiches für praecox: "1-1,4(-2) mm dick". Die Höhe von über 50 cm paßt auch nicht zu praecox. Komisch.
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RispondiWomöglich müsste man noch nit Carex ligerica/colchica vergleichen:
https://pflanzenbestimmung.flora-germanica.de/viewtopic.php?p=16581&hilit=Colchica#p16581
Am besten nochmals hin, wenn die Früchte reif sind!