Bei der Grossen Klette (Arctium lappa) sollte der Blattstiel mit Mark gefüllt sein, bei der Kleinen Klette (Arctium minus) hohl.
Eine Kleine Klette bei Gampelen hat sich brav an diese Durchsage gehalten – die Blattstiele der grundständigen Blätter waren deutlich hohl, von A–Z (Fotos unten).
Die Grossen Kletten im Bremgartenwald bei Bern sehen es aber offensichtlich anders: Alle grundständigen Blätter, welche ich geschnipselt hab, waren hohl, die meisten auch am Grund, nicht nur in der oberen Hälfte. Die Artbestimmung scheint mir belastbar zu sein, die Körbe sind lang gestielt (meist deutlich > 3 cm), die Zweige nicht bogig hängend, die Köpfe "normal" aber nicht sehr gross.
Die Gattung ist bekannt für Hybriden; in der Exkursionsflora für Österreich steht bei Arctium "Hybriden sind nicht selten!", die Flora der Schweiz meint "Bastarde sind zwischen allen Arten möglich und treten nicht selten auf, wo 2 Arten zusammen vorkommen (...). Sie sind wahrscheinlich fertil und treten verschleppt auch ohne Eltern auf."
Aber nur weil ich die Pflanzen nicht bestimmen kann oder nicht alle Merkmale passen heisst das nicht sofort, dass ich lauter Hybriden vor mir habe.
Also sind bei der Grossen Klette (Arctium lappa) entweder die Literaturangaben zu den Blattstielen nicht korrekt (wohl kaum), oder die Blattstiele sind jung markig, werden aber mit der Zeit hohl. Womit das Merkmal zumindest in dieser Jahreszeit Anfang November nicht zu brauchen ist.
Wie seht ihr das? Schaut ihr die Blattstiele der Kletten überhaupt an, oder taugt dieses Merkmal auch unabhängig von der Jahreszeit nicht viel?
Bin gespannt auf eure Erfahrungen!
Lieber Gruss, Muriel
6 Risposte
Zuerst Fotos der Kleinen Klette (Arctium minus):
Blattstiel der grundständigen Blätter hohl, Körbchen kurz gestielt.
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RispondiFolgend Fotos von Blattstiel-Querschnitten und Körbchen der Grossen Klette (Arctium lappa):
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RispondiSehr interessant, danke Muriel! Ich kontrolliere den Blattquerschnitt eigentlich fast immer und irgendwie hat das Merkmal bei mir bislang fast immer gut gepasst (ich mache meist +/- in der Mitte des Blattstiels einen Querschnitt), das war aber meist schon während der Vegetationszeit. Ich werde mich nun diesen Herbst ebenfalls ein bisschen mehr darauf achten.
Im Eggenberg-Möhl steht, daß das Merkmal an der Basis des Blattstiels zu prüfen ist. Der Rothmaler geht noch weiter und schränkt es auf die Grundblätter ein. Ich selbst benutze das Merkmal nie, weil mir immer das entsprechende Werkzeug im Feld fehlt. Die Anatomie von Hülle und Blütenständen reicht ja auch aus. Ich will nicht wissen, wieviele vegetative Fehlbestimmungen herumschwirren, weil der Schnitt an der falschen Stelle gemacht wurde.
Vielen Dank euch beiden!
Dann besteht die begründete Hoffnung, dass das Merkmal des Blattstiel-Querschnittes (bei grundständigen Blättern) nicht komplett abwägig ist – und zumindest während der Vegetationszeit oft klappt.
Die Angaben sind schon etwas unterschiedlich; ich hab aber nur Blattstiele von grundständigen Blättern unters Messer genommen, die anderen sind aktuell eh schon hinüber. Und die geschnittenen Blattstiele waren alle hohl, die meisten auch ganz am Grund. Nur wenige waren direkt an der Basis markig.
Deshalb die simple Arbeitshypothese für Arctium lappa: Die Blattstiele von grundständigen Blättern sind an der Basis (meist auch oberhalb) während der Vegetationszeit markig. Später werden sie meist hohl.
@Dominik, das Werkzeug ist denkbar einfach, ein Schweizer Sackmesser ;-) und ein bisschen mm-Papier, mit Plastik beklebt, damit es nicht sofort den Geist aufgibt.
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Rispondi> Und die geschnittenen Blattstiele waren alle hohl, die meisten auch ganz am Grund.
Das sieht ja eigentlich aus als wäre das ursprünglich glatte Mark aufgerissen durch das Alter oder Trocknen.