In der Rheinschlucht bei Versam-Station habe ich ein Linaria gesehen. Mein App Plantnet hat mir gesagt es sei Linaria alpina, leider habe ich das einfach geglaubt. Zu Hause habe ich jetzt festgestellt, dass es auch Linaria alpina subsp petraea sein könnte. Die Frage ist nun reichen die paar Fotos um die Art zu bestimmen? Vom alpina habe ich verschiedene Fotos, aber bei keinem sehe ich den Sporn um vergleichen zu können. Bogig aufsteigend war mindest ein Zweiglein. Ob die Zipfel der Oberlippe 2-3mal so hoch wie breit sind? Wer kann mir helfen?
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Herzlichen Dank, @Alfons, fürs Lancieren dieser Frage!
Auch wenn ich mit den folgenden Zeilen vermutlich (sicher) ein paar Leuten auf die Zehen trete:
Die Unterart Linaria alpina subsp. petraea ist eine sehr wackelige Sache. Sehr gerne hätte ich bei diesem Taxon ein Statement von der Genetik-Seite und hoffe, dass ein paar als subsp. alpina und als subsp. petraea bestimmte Pflanzen ins Angiosperms353-Projekt des Jardin botanique de Genève aufgenommen wurden. Denn nur mit Morphologie (und in allen Bestimmungsbüchern den gleichen Merkmalen), ohne Kombination mit genetischen Untersuchungen, kommen wir bei dieser Frage vermutlich nicht weiter.
Aber vielleicht täusche ich mich und ich hab die genetischen Untersuchungen resp. die Publikationen dazu schlicht nicht gefunden. Falls dem so ist: unbedingt Veto einlegen und mich subito korrigieren!
Beisteuern kann ich Zitate aus der Flora Gallica und aus der EfÖLS sowie ein paar Fotos:
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RispondiFlora Gallica (Tison & de Foucault, 2014; Seite 889);
die Autoren schlüsseln L. alpina (L.) Mill. subsp. alpina aus, dann folgt
"[incl. subsp. aciculifolia Braun-Blanq., subsp. benearnensis (Rouy) Kerguélen, subsp. petraea (Jord.) H. Marcailhou & A. Marcailhou]"
-> d.h. die subsp. petraea wird nicht von der subsp. alpina unterschieden.
Die Erklärung folgt in der Bemerkung:
"
Note - La subsp. alpina s'oppose à la subsp. filicaulis (Leresche & Levier) M. Lainz des monts Cantabriques. Une infraspécificité plus détaillée a été proposée sur des bases surtout chorologiques (subsp. alpina s.s. : Alp.; « subsp. petraea »: E, incl. Jura; « subsp. aciculifolia »: Pyr. orientales; « subsp. benearnensis »: Pyr. occidentales); cependant, les critères censés séparer ces taxons sont au mieux infirmés par un échantillonnage large (port, forme des feuilles...), au pire inexistants (forme de la lèvre supérieure de la corolle...); à noter que les plantes des Alp. françaises n'appartiendraient pas forcément à la subsp. alpina en cas de découpage, l'espèce étant décrite des Alp. orientales. Problème à revoir.
"
ChatGPT übersetzt die Bemerkung in der Flora Gallica so:
"
Die subsp. alpina wird der subsp. filicaulis (Leresche & Levier) M. Lainz aus dem Kantabrischen Gebirge gegenübergestellt. Eine weitergehende Gliederung auf infraspezifischer Ebene wurde vor allem auf chorologischer Grundlage vorgeschlagen (subsp. alpina s. s.: Alpen; „subsp. petraea“: Europa, einschließlich Jura; „subsp. aciculifolia“: östliche Pyrenäen; „subsp. benearnensis“: westliche Pyrenäen).
Die Merkmale, die diese Taxa voneinander unterscheiden sollen, werden jedoch bei einer umfangreichen Stichprobenauswahl bestenfalls widerlegt (Habitus, Blattform …), schlimmstenfalls sind sie überhaupt nicht vorhanden (Form der Oberlippe der Krone …). Bemerkenswert ist, dass die Pflanzen der französischen Alpen bei einer entsprechenden Aufgliederung nicht unbedingt zur subsp. alpina gehören würden, da die Art aus den Ostalpen beschrieben wurde.
Problem einer erneuten Überprüfung bedürftig.
"
Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol (2008; Seite 739):
Die beiden Unterarten werden ausgeschlüsselt, aber vor dem Unterarten-Schlüssel steht
"
Anm.: Der taxonomische Wert der beiden Unterarten ist strittig: Bei subsp. petraea handelt es sich möglicherweise bloß um Tieflagen-Modifikanten.
"
Meine Stichprobe von möglichen subsp. petraea Pflanzen ist sehr überschaubar: Lac de Joux! Aber immerhin gemäss Verbreitungskarte von Info Flora eine glasklare Geschichte – im Jura gibts nur validierte Meldungen von Linaria alpina subsp. petraea, keine subsp. alpina weit und breit.
Die Pflanzen sehen v.a. wegen der Wuchsform anders aus: sie sind höher (bis gut 20 cm) und wachsen aufrecht, die Blüten sind oft heller gefärbt. Die Zipfel der Oberlippe waren aber nicht 2–3-mal so lang wie breit (nur ca. 2-mal). Was mir fehlt, ist der Durchmesser der Samen (> 2,5 mm bei subsp. petraea; bei subsp. alpina offiziell max. 2 mm).
Und Linaria alpina subsp. alpina Pflanzen aus den Alpen:
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RispondiPS. Ich bin gespannt, wie die Autorenschaft der neuen Checkliste dieses Problem löst (oder vielleicht schon gelöst hat)! ;-)
Sali Muriel, vielen Dank für deine Erklärungen. Jetzt weiss ich auch weshalb im FH beim Vorkommen in GR noch ein ? dabei steht. Für mich heisst das die Fachleute sind sich noch nicht einig. Anderseits steht ganz klar 2 Unterarten. Es würde mich aber schon sehr interessieren wie diese zwei unterarten unterschieden werden.