In unserem verwilderten Garten im Münchenbuchsee fanden wir eine spezielle Form von Agrimonia eupatoria. Merkmale: 1.3m hoch, abnormal stark verzweigte Blütentriebe, mehrere Stängel ab Bodenaustritt, keine unterseitigen Blattdrüsen, Haken der Früchte alle nach innen gekrümmt. Das Bild zeigt eine einzige Pflanze.
5 Antworten
Lieber Christian
Soweit ich das auf deiner Foto überhaupt beurteilen kann, handelt es sich um Agrimonia eupatoria. Meines Wissens gibt es von dieser anspruchslosen Wildstaude keine speziellen Zuchtformen.
Sie ist aber sehr formenreich. Hegi unterscheidet in Bd. IV, 2 S. 932-933 verschiedene Unterarten und Varianten, darunter auch solche mit stärkerer Verzweigung. Das Ganze ist jedoch in der bei ihm üblichen Ausführlichkeit etwas schwierig nachzuvollziehen. Als Fazit lässt sich sagen, dass deine Pflanze noch im Rahmen des Erwartbaren bei Agrimonia eupatoria liegt, ohne dass also der Mensch da seine Hand im Spiel gehabt haben muss.
Zudem ist zu erwarten, dass die Art unter den eutrophen Bedingungen eines Gartens grösser wird als sonst üblich. Als mögliche Verwechslungsart kann man Agrimonia procera nennen, aber die ist es nicht, soweit ich das sehen kann. Und in Osteuropa gibt es eine ganz ähnliche Agrimonia pilosa, die jedoch in der CH fehlt.
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Antwortenlieber Kilian
vielen Dank für deine Antwort und auch den Hinweis auf Hegi. Hier im Oberaargau sehe ich immer die gleiche Form, aber vielleicht habe ich sie auch zuwenig genau angeschaut, da ich die Vielgestaltigkeit nicht kannte. Aus Hegi entnehme ich, dass die Variationsbreite gross ist bis hin zu Übergangsformen und Hybriden zum Grossen Odermenning, der bei ihm wohl deshalb auch nur eine ssp. ist. Die für den Grossen O. als charakteristisch gehandelten Merkmale treten ja in der Variationsbreite des Kleinen O. ebenfalls auf. Tönt schon fast wie bei den Orchideen…
Ja, tatsächlich gibt es zwischen A. eupatoria und A. procera auch Hybridformen! Die entsprechende Spezies ist als Agrimonia x wirtgenii hier akzeptiert:
https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:77221904-1
Ich beziehe mich jetzt auf die Studie von Krasnopoļska/Evarts-Bunders/Svilāne
(CONTRIBUTION TO KNOWLEDGE OF GENUS AGRIMONIA L. (ROSACEAE) IN LATVIA, in: Acta Biol. Univ. Daugavp. 20 (1), 2020
Auch eine Hybridisierung mit A. pilosa ist möglich, aber das ist eine andere Geschichte, da sie erst von Osteuropa an ostwärts vorkommt. In der Studie findet sich eine schöne Vergleichsfoto der jeweiligen Fruchtbecher, wo man gut sieht, wie die äusseren Hakenborsten bei Agrimonia procera deutlich zum Fruchtbecher herabgeschlagen sind, etwas, was bei den anderen beiden Arten fehlt.
Anbei auch weitere Abgrenzungskriterien synoptisch zusammengestellt.
Wichtiges Bestimmungskriterium für den Hybriden A. x wirtgenii scheint die Behaarung des Stängels zu sein (The main morphological character for distinction from parental species is hairiness of the stem). Die übrige Morphologie, vor allem diejenige der Blätter, scheint intermediär zu sein. Ob dieses Taxon auch für die CH schon nachgewiesen ist?
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AntwortenNa ja, laut Stace ist die Hybride wohl ausgesprochen selten (einmal in den 1940-ern in GB gefunden) und steril (die eine gefundene Pflanze). Kreuzungsexperimente in den 1950-ern blieben erfolglos.
Mit den oben angegebenen Merkmalen habe ich auch so meine Schwierigkeiten. Aber die Blattunterseite funktioniert gut: eupatoria mit filzigem Pelz, ohne Drüsen, procera nur schütter behaart mit vielen auffälligen gelben Drüsenkugeln auf der Blattunterseite.
Dominik
Gemäss Kew (siehe obiger Link) ist die Hybride ausser in Grossbritannien auch in Österreich, Belgien, der Tschechoslovakei, Frankreich, Deutschland und Polen nachgewiesen (native). Im Baltikum gilt sie als eingeführt (introduced). Die Publikationsliste führt neben Stace noch weitere Autoren an. Im Übrigen sehe ich grad nicht ein, warum das in der CH nicht funktionieren sollte, wo die beiden Elternarten aufeinandertreffen.
Bei der Abgrenzung zwischen A. eupatoria und A. procera ist zu sagen, dass auch das Merkmal der Hakenborsten zuverlässig funktioniert (erect vs. deflected). Bei den anderen Merkmalen sind eventuelle Unschärfen sicher auf die bereits erwähnte Variationsbreite der beiden Arten zurückzuführen.
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