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Naturverjüngung von Juglans cf. cinerea?

Muriel Bendel
Muriel Bendel 10.08.2026

Auf den ersten Blick waren es normale junge Walnussbäume mit am Grund verbreiterten Blattstielen. Auf den zweiten Blick hatten sie aber zu viele und am Grund deutlich asymmetrische Fiedern – und die Fiedern waren nicht ganzrandig (oder bei jungen Pflanzen gelegentlich grob und unregelmässig gesägt), sondern regelmässig fein gesägt, manchmal eher gekerbt. Die Blattstiele sind dicht drüsig, die Unterseiten der Fiedern heller und v.a. auf den Nerven kurz behaart, auch mit einzelnen Drüsen. Der Duft von zerriebenen Blättern ist zwar "würzig", aber nicht typisch Walnuss-artig. Früchte hab ich leider keine gesehen.

Der zweite Verdacht (Kaukasische Flügelnuss, Pterocarya fraxinifolia) war ebenfalls falsch: bei dieser Art sind die Fiedern zwar gesägt und am Grund asymmetrisch, aber kahl und schmaler.

Die Schwarznuss (Juglans nigra) schliesse ich aus, weil alle Blätter unpaarig gefiedert waren und nicht wie bei der Schwarznuss typisch paarig gefiedert, auch dürfte die Schwarznuss keine Drüsen besitzen.

In dieser Publikation
Marazzi, B. et al. 2021: Juglans ailantifolia – A new alien walnut tree species naturalized in Switzerland and Italy. Bollettino della Società ticinese di scienze naturali.109: 57–68
https://m4.ti.ch/fileadmin/DT/temi/mcsn/Botanica/documentazione/Marazzi_Rosselli_Galasso_Eggenberg_BollettinoSTSN2021.pdf   
findet sich ein Schlüssel zur Gattung Juglans:
Mit den deutlich asymmetrischen Fiedern sollte ich bei Juglans nigra landen - aber da stimmt der Rest nicht. 

Kurz: Ich hab mich verschlüsselt.
Und nur einen leisen Verdacht auf Juglans cinerea.

Wer kennt sich bei Juglans aus und könnte weiterhelfen?

Fundort: Wälder zwischen Villeneuve und Noville (VD).
Naturverjüngung mit zahlreichen Jungpflanzen.

Herzlichen Dank für alle Tipps und Hinweise :-)
Lieber Gruss, Muriel

Zu viele Fiedern für eine "normale" Walnuss, Juglans regia. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Blattspreite unpaarig gefiedert. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Sprossspitze. Noville (VE), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Blattstiele am Grund deutlich verbreitert. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Blattknospen an der Sprossspitze. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Fiedern breit lanzettlich. 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Blattoberseite; Rand fein und stumpf gesägt oder gekerbt. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Blattunterseite heller. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Fiedern an der Basis asymmetrisch. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)
Eine von zahlreichen Jungpflanzen. Noville (VD), 03.08.2026 (Muriel Bendel)

3 Réponses

Hallo Muriel

Ich kenne mich da zwar nich aus, aber mit mittelmeerflora.de kommt man auch schnurstracks auf J. cinerea. Dort fehlt aber leider J. ailantifolia.

Gruess, Lukas

Juglans-Kenner bin ich auch nicht, aber Juglans nigra schliesse ich auch aus (Blattrand, “Endblättchen fehlend oder verkleinert” gemäss Infoflora, “Terminal leaflet absent or reduced in size” bei Marazzi et al.).
Zwei Gedanken noch:
In Ergänzung zum Beitrag von Lukas und  in Bezug auf die in der Fragestellung erwähnte  Arbeit: Kann Juglans ailantifolia Carrière sicher ausgeschlossen werden? Die Behaarung auf den Bildern ist auffällig, gem. FH sind die Teilblätter zumindest “unterseits flaumhaarig”, die Blattspindel “dicht behaart". Der Blattrand ("fein gesägt") will aber nicht passen. Allerdings ist da noch ein Wikipedia-Artikel mit dem Bild eines Herbarbelegs, bei dem der Blattrand möglicherweise passen würde, leider sind die wirklich wichtigen Details nicht klar zu erkennen.  
Wie weit kommt eine Hybride in Frage ? Eine kurze Internetrecherche bringt zahlreiche Juglans-Hybriden und Arbeiten zu diesen zutage, da diese offenbar als vielversprechende Alternative u.a. zu Fraxinus gefördert werden.

Herzlichen Dank @tutti für die Links, Recherchen und bilateral zugeschickten Schlüssel et al.!

Im Rennen bleiben Juglans cinerea, Juglans mandchurica, Juglans ailantifolia und Hybriden… und der Ausgang ist im Moment noch offen (zumindest für mich). Je weniger Arten die Schlüssel umfassen, desto einfacher… aber desto grösser ist auch die Gefahr, dass genau die gesuchte Art nicht ausgeschlüsselt wird.
Zugegeben nimmt mich hier die Bestimmung nur wunder, weil es sich um Naturverjüngung handelt und die Pflanzen definitiv das Potential haben, auch ohne menschliches Zutun gross und stark zu werden. 

Für Juglans cinerea sprechen u.a. die auffallend grossen, «samtig hellgrau behaarten Endknospen» (Fitschen Gehölzflora); bei Juglans mandchurica und Juglans ailantifolia wären die Endknospen kleiner und «samtig ockerbraun behaart». Für Juglans mandchurica sprechen hingegen die «lenticels lenghtwise elongated», bei Juglans cinerea wären die «lenticels small and round or slightly elongating horizontally across the branch»… je mehr Literatur, desto mehr Merkmale… die Auswahlsammlung wird beachtlich.
Trotzdem fehlen wichtige Merkmale wie Sternhaare, Oberfläche der Nuss etc. weil ich zuwenig genau geguckt hatte… ich ergänze Fotos/Beobachtungen, sobald ich wieder in der Gegend bin. 

Hier die konsultierte und weiterführende Literatur:



Juglans cinerea

POWO: https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:442334-1

Flora of North America: https://floranorthamerica.org/Juglans_cinerea



Juglans mandchurica

POWO: https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:442388-1

Flora of China: http://www.efloras.org/florataxon.aspx?flora_id=2&taxon_id=200006111



Juglans ailantifolia = Juglans mandshurica var. sachalinensis

POWO: https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:77217232-1