• Forum
  • Quale spermatofita?

Welche Polygala?

Thomas Stirnemann
Thomas Stirnemann 01.05.2026

Ein ganz unerwarter Fund, und zahlreiche Exemplare an gleicher Stelle. Ich vermutete zuerst P. vulgaris subsp. vulgaris, aber da kommt Florapp nicht mehr aus dem Schwärmen heraus ("Wunderbar! … in diesem Gebiet seit 1966 nicht mehr beobachtet …").

Lässt sich aufgrund der Bilder die Art bestimmen?  Muss “Herkunft unklar - vermutlich nicht natürlich” angenommen werden?
Aargau, Mittelland, Sonnenhang, steile Böschung, 500 m ü. M.

30.04.2026 (Thomas Stirnemann)
30.04.2026 (Thomas Stirnemann)
30.04.2026 (Thomas Stirnemann)

2 Risposte

Hallo Thomas,

P. vulgaris subsp. vulgaris sollte richtig sein.

  1. Normalerweise benötigt man auch die - völlig falsch als “Rosettenblätter” oder “Grundblätter” bezeichneten - Blätter in Bodennähe.  Es handelt sich aber nur um eine Häufung der Stengelblätter dort, wo sich der zuerst liegende Trieb aus der Moos- oder Krautschicht erhebt.  In diesem Fall ist das entbehrlich, weil für amara agg. und calcarea die Stengelblätter zu groß sind.
  2. P. serpyllifolia ist es nicht, weil die Stengelblätter zu lang und zu lanzettlich sind.
  3. Man sieht auf dem ersten Bild an den Knospen kurze, eiförmige Blütentragblätter.  Diese sind ein prima Merkmal zur Unterscheidung von comosa (lange, schmale Tragblätter, die die Blütenknospen überragen und eine Art Kralle an der Spitze der Infloreszenz bilden).  Leider fallen sie sehr früh aus.  Hier ist es aber eindeutig keine comosa.
  4. Schließlich kann man alpestris schon am Fundort ausschließen.  Es hilft aber auch ein Blick auf die Nervatur der Kelchblätter (Mitte drittes Bild).  Die Nerven bilden im Gegenlicht viele auffällige Netzmaschen:  Die Nerven “anastomosieren” (~= gabeln sich erst auf und vereinigen sich wieder), wie es in den Schlüsseln gerne heißt, um die Leserinnen zu verwirren.  Bei alpestris ist die Nervatur schwächer und eher offen.
  5. Es bleibt also nur P. vulgaris, und da die Blüten nicht weiß nur die subsp. vulgaris.

Es ist doch immer schön, wenn man solche alten Fundpunkte wieder auffrischen kann.  Glückwunsch zu diesem Fund!

Übrigens kann so eine Einzelpflanze einen “Hexenring” von mehreren Metern Durchmesser bilden.  Die Wurzel ist in der Mitte verstuckt, und von dort kriechen die Seitentriebe unter der Krautschicht machmal über einen Meter weit, bevor sie an die Oberfläche treten (dort mit “Grundblättern”) und einen Blühtrieb ausbilden.  Man hält das dann gerne für viele Einzelpflanzen.

Dominik

Vielen Dank, Dominik, für die Bestimmung und die ausführlichen Erklärungen. Dass die Pflanzen in Gruppen auftreten ist mir aufgefallen. Ob ich eine “Hexenring”-artige Struktur erkennen kann, schaue ich mir bem nächsten Besuch mal an.

Thomas