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Sempervivum montanum - Farbvariante oder Hybrid?

Marc Henzi 10.01.2026

Im Wallis (nur dort?) kommen gelegentlich Exemplare von Sempervivum montanum vor mit hellgelben Blütenblättern. Diese sehen auf Anhieb recht ähnlich aus wie Hybride der gelbblühenden Arten Sempervivum grandiflorum und Sempervivum wulfenii.

Infoflora weist darauf hin, dass bei der hellgelben Farbvariante von Sempervivum montanum die Staubfäden ebenso hell sind. Bei den Hybriden der beiden gelbblühenden Arten sind sie mehr oder weniger rot oder violett gefärbt. 

Wichtig zu wissen wäre hier, wie weit sich die Areale überhaupt überschneiden: Sempervivum wulfenii fehlt im Wallis, Sempervivum grandiflorum ist dort zwar zu Hause, aber nur ganz am Rand im Zwischenbergtal.

Sempervivum montanum mit blassgelben Kronblättern und ebensolchen Staubfäden; Zermatt (VS), 25.07.2024 (Marc Henzi)
Sempervivum wulfenii x Sempervivum cf montanum mit gelblich-rötlichen Kronblättern und karminroten Staubfäden; Pontrasina (GR), 25.07.2014 (Marc Henzi)
Sempervivum wulfenii x Sempervivum tectorum mit leicht gelblichen Kronblättern und violetten Staubfäden; Pontresina (GR), 07.08.2025 (Bestimmung unsicher, aber stand zwischen den beiden vermuteten Elternarten und differierte von Sempervivum tectorum.) (Marc Henzi)

2 Antworten

Lieber Marc

Ist das hellgelb? Ich würde in der ersten Foto eher ein Albiflora-Phänomen sehen wollen (Weissling). Hegi schreibt zu Sempervivum montanum: „Aendert ab: var. pallidum Wettstein. Kronblätter weiss oder weisslichgelb.....“ Die nicht reinweisse Tönung könnte auch dadurch entstehen, dass die Aussenseite der Kronblätter immer noch etwas rosa ist und durchscheint. Die Blütenfarbe ist bei Sempervivum montanum schon sehr variabel. Hegi erwähnt weiters, dass sie auch abändert je nach Sonneneinstrahlung oder Substrat, worin die Pflanze wächst (siehe das Originalzitat unten).

Dazu hier noch eine weissblühende Varietät aus dem Bergell, zusammen mit der aufschlussreichen Bemerkung: “Im Verblühen verfärbt sich der Flor in helles Pastellrosa.”

Auch bei Sempervivum tectorum scheint Ähnliches der Fall zu sein: die entsprechende Infoflora-Seite bringt dazu ja eine Foto mit weissen Kronblättern und einem zartrosa Mittelstreif. Die Staubfäden sind allerdings violett.

Was die Hybridisierung angeht, so kann ich nur für Sempervivum grandiflorum bzw. das Zwischbergental sprechen. Dort hybridisiert diese Art natürlicherweise mit Sempervivum montanum, wenn beide Arten nebeneinander wachsen. Das Ergebnis sind dann aber Kronblätter mit einem zartrosa Einschlag wie auf der Foto unten. Die Staubfäden sind nach wie vor violett. Der Rest sieht aber ganz nach Grandiflorum aus.

Hegi, G. 1923: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band IV,2 Lehmanns Verlag, S. 554 (Blumenwanderer)
Sempervivum grandiflorum x Sempervivum montanum c.f.; Zwischbergen (VS), 2.7.2022 (Blumenwanderer)

Lieber Kilian

Einverstanden:  «Grünlich» oder «weisslich» wäre für die Farbe der Zermatter Pflanze zutreffender. Ich muss auch gestehen, dass ich Infoflora unsauber zitiert habe: Infoflora spricht von «gelblichweissen», nicht «hellgelben» Blüten.

Wichtig sind mir hier zwei Dinge:

  1. Wie Deine verlinkten Fotos von ursprünglichen Bergeller Pflanzen zeigen, kommen helle Blüten nicht nur im Wallis vor in der Schweiz. Es ist für mich dann botanische Geschmacksache, ob man nun eine Varietät beschreibt und definiert oder einfach Sempervivum montanum als sehr variable Art anschaut. (Ich gehöre klar zur zweiten Fraktion.)
  2. Endscheidend ist für mich: Die Bergeller Pflanzen und auch Dein Bild des grandiflora–Hybrids unterstützen die Aussage von Infoflora: Helle Exemplare von Sempervivum montanum – helle Staubfäden. Hybride von gelben und roten Sempervivum–Arten – rote/violette Staubfäden.