Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand zymös mit meistens drei Wickeln; sehr dicht und kompakt; meist kaum mehr als 20 Blüten, manchmal aber auch reichblütig.
    • Kelchblätter gelb, (10–)12–15(–18); stark drüsig; am Grund kurz verwachsen.
    • Kronblätter lineal bis lanzettlich; gelb, am Grund meist etwas rot; (10–)12–15(–18), stark drüsenhaarig, mindestens doppelt so lang wie die Kelchblätter.
    • Staubblätter doppelt so viele wie Kelch- resp. Kronblätter; in zwei Kreisen, die Inneren ganz leicht länger; Staubfäden meist rötlich oder ganz rot; Staubbeutel gelb. 
    • Fruchtblätter frei, gleich viele wie Kelch- resp. Kronblätter; Fruchtknoten oberständig, drüsig; Griffel kürzer als der Fruchtknoten, zumindest oben kahl.

    Staubfäden und Kronblätter unten rot; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

    Alle Teile im Blütenstand ausser Griffel drüsig; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

    Sehr reichblütiges Exemplar; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

  • Früchte

    • Balgfrüchte

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Pflanze mehrjährig, mit Ausläufern, welche neue Rosetten bilden.
    • Stängel aufrecht; sehr dicht beblättert; behaart und drüsig.

    Stängel dicht beblättert; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

    Stängel (oben) drüsig; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

    Neu gebildete Rosetten; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

  • Blätter

    • Grundständige Rosette und dichtstehend am Stängel.
    • Rosettenblätter kurz zugespitzt, mit stacheliger Spitze.
    • Blätter grün oder glauk, an den Spitzen oft rot, manchmal vollständig rot überlaufen.
    • Untere Blätter auf den Flächen kahl, nur am Rand ziemlich regelmässig bewimpert; oberste überall drüsig behaart.

    Untere Blätter auf den Flächen kahl; mit stacheliger Spitze; Pontresina (GR), 25.7.2014 (Marc Henzi)

    Blätter dicht stehend; oberste drüsig; Pontresina (GR), 7.8.2025 (Marc Henzi)

Lebensraum

  • (Meist kalkarme) Rasen und vereinzelt Wiesen, Blockschutt, Kleinstrauchheiden;
    an sonnige Lagen

Verbreitung

  • Ostalpen-Endemit mit kleinem Verbreitungsgebiet in CH, A, I, SLO (Verbreitungskarte auf POWO.)
  • Schweiz: nur GR, subalpin–alpin

Mögliche Verwechslung

Literatur und Diskussion

  • Gemäss der «Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol», p. 403f, (Fischer, M. A., Oswald, K. und Adler, W., 3. Auflage, 2008, Linz. / zobodat.at) ist der «Blüstd kaum mehr als 20-blü» bei Sempervivum wulfenii.
    Es stellt sich also die Frage, ob bei sehr reichblütigen Exemplaren (Vgl. Beispiel oben mit mindestens 50 Blüten!) eine andere Art (Sempervivium tectorum) mitspielt. Dies kann hier aber nicht entschieden werden. 

Autor*in: Marc Henzi
Stand: 10. Januar 2026

Forum

Diskussionen der Community

Blütenstände Sempervivum

Bei Pontresina ist mir eine Gruppe von auffällig vielblütigen, gedrängten und fast doldigen Sempervivum wulfenii aufgefallen. Ganz ähnlich unmittelbar daneben die Blütenstände des vermuteten Hybrids Sempervivum wulfenii x tectorum.

Sind das einfach ungewöhnlich vielblütige Individuen oder fällt das schon unter die gemäss Hegi häufigen Verbänderungen nicht nur des Stengels, sondern auch der Blütenstandsäste? (Illustrierte Flora IV,2 / 550). 

Ich brachte es nicht über mich, die prächtigen Blütenstände zu sezieren nur um an die unsichtbaren Blütenstandsäste zu kommen…

(Zuunterst zum Vergleich noch eine ganz normale Sempervivum wulfenii. Auch da herrscht natürlich im Blütenstand ein ziemliches Gewusel.)

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Sempervivum montanum - Farbvariante oder Hybrid?

Im Wallis (nur dort?) kommen gelegentlich Exemplare von Sempervivum montanum vor mit hellgelben Blütenblättern. Diese sehen auf Anhieb recht ähnlich aus wie Hybride der gelbblühenden Arten Sempervivum grandiflorum und Sempervivum wulfenii.

Infoflora weist darauf hin, dass bei der hellgelben Farbvariante von Sempervivum montanum die Staubfäden ebenso hell sind. Bei den Hybriden der beiden gelbblühenden Arten sind sie mehr oder weniger rot oder violett gefärbt. 

Wichtig zu wissen wäre hier, wie weit sich die Areale überhaupt überschneiden: Sempervivum wulfenii fehlt im Wallis, Sempervivum grandiflorum ist dort zwar zu Hause, aber nur ganz am Rand im Zwischenbergtal.

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