Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand eine 3–12-blütige, einseitswendige Traube.
    • Blütenstiele kürzer als die häutigen Tragblätter.
    • Blüten zuerst aufrecht, dann nickend.
    • Blütenhülle ein Perigon mit 6 schmal ovalen, gleichgestalteten Tepalen. Diese sind innerseits weiss und weisen ausserseits einen breiten, grünen Mittelstreifen auf und sind glockenförmig verwachsen.
    • Staubfäden bandförmig, blumenblattartig, ungleich, die äusseren unterhalb der Staubbeutel gestutzt oder mit kleinen Zähnen, die inneren jederseits mit 1 grossen Zahn. Leiste auf der Innenseite der Staubblätter keinen Zahn bildend (vgl. Ornithogalum boucheanum!).

    Bern, 21.4.2019 (Marc Henzi)

    Bern, 27.4.2025 (Marc Henzi)

    Wohlen bei Bern (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Wohlen bei Bern (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Valeyres-sous-Rances (VD), 10.4.2023 (Blumenwanderer)

    Wohlen bei Bern (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Knospen noch von den Tragblättern umschlossen. Bern, 24.3.2020 (Muriel Bendel)

    Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    • Frucht eine breit-eiförmige, fleischige, 3-fächerige, vielsamige Kapsel.

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 15–50 cm.
    • Ausdauernder Zwiebel-Geophyt mit eiförmiger Zwiebel (bis 3,5 cm dick), meist mit zahlreichen Nebenzwiebeln.

    Wohlen bei Bern (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    In einer Hoschtet. Gerzensee (BE), 23.4.2019 (Blumenwanderer)

    Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Laubblätter 4–6, grundständig, schlaff, linealisch (6–13 mm breit), graugrün, etwas rinnig, zur Blütezeit noch frisch.

    Bern, 27.4.2025 (Marc Henzi)

    Oberhofen am Thunersee (BE), 27.4.2023 (Blumenwanderer)

    Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

    Wohlen bei Bern (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

Lebensraum

Parkanlagen, Fettwiesen, Weinberge, Hochstammobstkulturen ("Hoschtet")

Wissenswertes

  • Niemand wird mehr genau sagen können, wer wann Ornithogalum nutans woher gebracht hat. Hegi meint (wohl recht treffend): „Die Heimat dieser Art ist der Orient und vielleicht Südost-Europa. In Europa wurde sie bereits im Mittelalter in den Mönchsgärten als Zierpflanze gehalten und hat sich von dort aus besonders in Gärten und in Parkanlagen stellenweise ganz eingebürgert.“
  • Sie gilt in Mitteleuropa daher als Archäophyt.

Verbreitung

  • Wie der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum) ursprünglich wahrscheinlich auf Süd(ost)europa beschränkt. In warmen Lagen nördlich der Alpen nicht häufig, wohl nur aus Gärten verwildert. Die Art gilt in Mitteleuropa daher als Archäophyt.
  • Ein Verbreitungszentrum in der Schweiz befindet sich zwischen Bern und Thun.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online

Mögliche Verwechslung

  • Bouchés Milchstern (Ornithogalum boucheanum) sieht Ornithogalum nutans zum Verwechseln ähnlich. Er unterscheidet sich von O. nutans durch folgende Merkmale: Blätter zur Blütezeit abgestorben, Leiste auf der Innenseite der Staubblätter einen Zahn bildend.
  • Ornithogalum boucheanum ist in Mitteleuropa eine Zierpflanze. Es ist fraglich, ob sie sich aus Gärten und Parkanlagen in der Schweiz eingebürgert hat.
  • Meriç et al. (2011) weisen in ihrer Vergleichsstudie zu diesen beiden Arten noch folgenden Unterschied betreffend das Mesophyll nach: „The mesophyll is unifacial and contains monotypic chlorenchyma cells in the leaf of O. nutans. It has no lacunae. The mesophyll in O. boucheanum is equifacial and it has lacunae. This anatomical distinction may be useful for the identification of these similar-looking species.“ (Abstract, S. 68)

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1907: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 2, Lehmanns Verlag, S. 253 – 254
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 557
  • Meriç, Ç. et al. 2011: Morphological and anatomical contributions to the taxonomical identification of two Ornithogalum taxa (O. nutans and O. boucheanum) from Flora of Turkey. Biologia 66/1: 68–75
    researchgate.net

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 31. Dezember 2025