Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blüten einzeln in den Blattachseln, auf 2–3 cm langen Stielen.
    • Perigonblätter meist 5, weiss, oval, hinfällig.
    • Nektarblätter 5, trichterförmig, 1–2 mm lang.
    • Fruchtknoten meist 2, frei.
    • Staubblätter zahlreich.

    Mit Tautropfen. Dardagny (GE), 6.4.2018 (Paul Hürlimann)

    Ollon (VD), 4.4.2025 (Blumenwanderer)

    Mit Bestäubern. Dardagny (GE), 6.4.2018 (Paul Hürlimann)

    Bex (VD), 30.3.2017 (Blumenwanderer)

    BoGa Genf, 29.3.2029 (Paul Hürlimann)

    Bex (VD), 30.3.2017 (Blumenwanderer)

    Bei genauem Hinsehen sind hier die tütenförmigen Nektarblättchen im Blütenzentrum zu sehen. Chancy (GE), 24.3.2018 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    Reife Balgfrucht bis 1 cm  lang, kurzgeschnäbelt.

    Isopyrum bildet typischerweise zwei (selten mehr) Balgfrüchte aus. Russin (GE), 23.4.2022 (Muriel Bendel)

    Russin (GE), 23.4.2022 (Muriel Bendel)

    Zu sehen sind hier auch die nebenblattähnlichen, weisslichen Läppchen von Isopyrum. Russin (GE), 23.4.2022 (Muriel Bendel)

    Russin (GE), 23.4.2022 (Muriel Bendel)

    Balgfrüchte meist zu zweit. Valeyres-sous-Rances (VD), 15.4.2021 (Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Mehrjährige, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 10–30 cm.
    • Stängel aufrecht, zart, kahl, am Grunde von von breiten, scheidenartigen, fast weissen “Niederblättern” umgeben.
    • Rhizom kriechend, dünn, mit büschelförmig angeordneten, fast waagrechten Seitenwurzeln.

    Bardonnex (GE), 22.3.2019 (Paul Hürlimann)

    Mont Vuache (F), 28.3.2023 (Blumenwanderer)

    Avusy (GE), 24.3.2018 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Grundständige Blätter 1–3, lang gestielt, blaugrün überlaufen, mit 3 lang gestielten Abschnitten, diese nochmals 3teilig.
    • Abschnitte 2. Ordnung sitzend oder kurz gestielt,  im Umriss oval mit abgerundeten Zähnen. Typisches weisses Spitzchen am Ende der Zipfel.
    • Stängelblätter 1–4, den grundständigen Blättern gleichgestaltet, sitzend, nach oben einfacher werdend, mit 2 kurzen, ohrförmigen “Nebenblättern”.
    • Gute Aufnahmen der “Nebenblätter” und Nektarblätter bei flora.lefnaer.com

    Bex (VD), 30.3.2017 (Blumenwanderer)

    Zusammen mit Anemone ranunculoides. Dardagny (GE), 6.4.2018 (Paul Hürlimann)

Lebensraum

Verbreitung

  • Das Muschelblümchen ist ein endemisch europäisches Florenelement. Es hat eine disjunkte west- und osteuropäische Verbreitung mit einer grossen Areallücke in Mitteleuropa.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online.

Wissenswertes

  • Der Name „Muschelblümchen“ leitet sich von den muschelförmig gestalteten Nektarblättchen ab.
  • Die Art ist in der Schweiz sehr selten (natürliche Vorkommen nur in den Kantonen Genf und Waadt), auf der Roten Liste (2016) als verletzlich (VU) aufgeführt und im Kanton Waadt vollständig geschützt. Es gibt nur wenige, isolierte Vorkommen.
  • Das Muschelblümchen ist ein Rhizomgeophyt und eine hygrophil gebaute Laubwaldpflanze mit hohen Ansprüchen an den Lebensraum. Die Art reagiert empfindlich auf Veränderungen der Standortsbedingungen und erlischt danach als eines der ersten Elemente im Bestand. An natürlichen Fundstellen kommt sie oft zusammen mit der Hundszahnlilie (Erythronium dens-canis) in artenreicher Krautvegetation vor.
  • Die Blattscheide ist bei Isopyrum zu nebenblattähnlichen Läppchen o.ä. ausgezogen (wie bei Thalictrum aquilegiifolium). Es handelt sich nicht um eigentliche Nebenblätter, denn die Familie der Ranunculaceae bildet solche nicht aus.

Mögliche Verwechslung

    • Das Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) ist wie das Muschelblümchen ein weisser Frühblüher, unterscheidet sich aber folgendermassen von diesem: 
      • Es ist in der Regel nur 1 Blüte pro Stängel vorhanden. Diese enthält mindestens 6 Perigonblätter.
      • Unterhalb der Blüte befindet sich ein Quirl aus drei gestielten, fiederteiligen Blättern.
      • Es wird eine Sammelfrucht mit Nüsschen ausgebildet, keine Balgfrüchte.
    • Bei den Blättern allein besteht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Gattungen Aquilegia und Thalictrum.

    Oben Isopyrum, unten Anemone nemorosa. Bex (VD), 30.3.2017 (Blumenwanderer)

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1912: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band III  Lehmanns Verlag,  S. 476–477
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 2. Springer Verlag, S. 37
  • Käsermann, Ch. 1999: Isopyrum thalictroides L. – Muschelblümchen – Ranunculaceae. Merkblätter Artenschutz – Blütenpflanzen und Farne.

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 23. Januar 2026