Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenhülle ein glockiges Perigon, dieses vor dem Aufblühen meist aufrecht. Perigonblätter gelb, die äusseren ausserseits (besonders am Grunde) rötlich überlaufen.
    • Staubfäden am Grunde etwas verbreitert, bewimpert, ungefähr so lang als die Staubbeutel.
    • Fruchtknoten verkehrt-eiförmig, ungefähr so lang als breit.

    Naters (VS), 13.5.2017 (Paul Hürlimann)

    Naters (VS), 13.5.2017 (Paul Hürlimann)

    Naters (VS), 13.5.2017 (Paul Hürlimann)

  • Früchte

    Kapsel etwa so lang als breit.

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Wuchshöhe 15–30 cm.
    • Stängel nicht dicker als 2 mm, aufrecht, kahl, fast immer einblütig, unter der Mitte mit 2–3 Blättern.
    • Ausdauernder Zwiebel-Geophyt. Zwiebel eiförmig, oftmals unterirdische Ausläufer vorhanden, an deren Spitze neue Zwiebeln gebildet werden.

    Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

    Pflanzen oftmals herdenweise auftretend. Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

    Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

    Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    2–3 Blätter vorhanden, diese schmal-lanzettlich, graugrün, rinnig, kahl, das unterste Laubblatt nicht mehr als 1,2 cm breit.

    Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

    Naters (VS), 10.5.2017 (Blumenwanderer)

Lebensraum

In höheren Lagen(montan/subalpin). Selten, an felsigen Abhängen, in Gebüschen, auf mageren Bergwiesen, auf trockenen Böden (nicht aber in Weinbergen).

Verbreitung

Wissenswertes

  • Gartenhistorie: aus hist. Quelle weiss man, dass die Art im 16. Jahrhundert aus der Gegend von Montpellier nach Mitteleuropa gelangte, wo sie unter botan. Gärten ausgetauscht wurde. Sie verwilderte jedoch wohl nicht aus diesen heraus.
  • Die Vorkommen in der Schweiz befinden sich am nördl. Rand des mediterranen Verbreitungsgebiets.
  • Tulipa sylvestris vermehrt sich im Jugendstadium vegetativ durch Zwiebelausläufer (Darstellung in der Publikation von Jäger, E.J. 1973), die von einer langen Ausstülpung der röhrig geschlossenen, stielähnlichen Blattscheide des einzigen Laubblattes gebildet werden. Durch die vegetative Vermehrung trifft man die Art oft herdenweise an.
  • Fast immer gelangt eine grosse Zahl von Exemplaren nicht zum Blühen. Diese besitzen dann nur ein einziges, langscheidiges Laublatt.
  • Als Bestäuber kommen kleine Bienenarten in Frage.
  • Bei feuchtem Wetter und abends sind die Blüten geschlossen, während sie sich im hellen Sonnenschein zu einem grossen Stern ausbreiten.

Taxonomie & Systematik

  • Die Taxonomie ist komplex aufgrund der morphologischen Diversität, Polyploidie und der Einbürgerung von kultivierten Pflanzen. Tulipa sylvestris subsp. australis ist diploid (2x =24). Die Sammelart Tulipa sylvestris wird heute nach allg. Übereinstimmung in drei Unterarten getrennt, wovon 2 in Europa heimisch sind (subsp. sylvestris und australis).
  • Eine hohe Anzahl lokaler Taxa wurde unter den beiden akzeptierten Unterarten von Tulipa sylvestris synonymisiert: Tulipa celsiana, Tulipa biebersteiniana, Tulipa griesebachiana, Tulipa pumila und 102 weitere Synonyme (!) Dies refklektiert die hohe morphologische Diversität von Tulipa sylvestris, welche die weitläufigste Verbreitung im Genus Tulipa aufweist.

Mögliche Verwechslung

Die Gewöhnliche Weinberg-Tulpe (Tulipa sylvestris subsp. sylvestris) hat vor dem Aufblühen nickende Knospen. Ihre äusseren Perigonblätter sind ausserseits gelb wie die inneren. Die Kapsel ist etwa doppelt so lang wie breit. Sie wächst auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden in tieferen Lagen (kollin).

Weiterführende Literatur

  • Colangelo, G., Offerhaus, A., van Andel, T., & Stefanaki, A. 2025. How the wild tulip (Tulipa sylvestris L.) found its way in Northern Europe in the 17th to 19th century: a search through historical gardens and archives. Botany Letters, 172 (3), 283–301
  • Hegi, G. 1907: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 2, Lehmanns Verlag,
    S. 244
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 550
  • Stefanaki, A., Walter, T., van Andel, T. 2022: Tracing the introduction history of the tulip that went wild (Tulipa sylvestris) in sixteenth-century Europe. Scientific Reports, 12(1):9786
    Researchgate.net
  • Jäger, E.J. 1973: Zur Verbreitung und Lebensgeschichte der Wildtulpe (Tulipa sylvestris L.) und Bemerkungen zur Chorologie der Gattung Tulipa L. Hercynia, 10 (4): 429–448
    zobodat.at

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 8. Januar 2026