Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Einhäusige Pflanze, d.h. der Blütenstand ist zweigeteilt in eine männliche und eine weibliche Infloreszenz: die männlichen Blüten am distalen Ende des Blütenstängels. Darunter (und durch eine 0,5-3 cm lange Lücke getrennt) die weiblichen Blüten in einem Kolben. Dieser oft kugelig bis eiförmig, seltener kurz zylindrisch (bei den anderen Arten stets zylindrisch).
    • Weibliche Blüten mit braunen, spatelförmigen Tragblättern. Perigonhaare an den Stielen der Fruchtknoten nach der Blüte die Narben nicht überragend. Die meisten Haare an der Spitze keulenförmig verdickt.
    • Männliche Blüten meist aus 3 Staubblättern bestehend.
    • Rasch einsetzendes Breitenwachstum des Kolbens nach der Anthese. Beide Kolbenabschnitte werden oft von einem oder mehreren Hochblättern unterbrochen.
    • Männlicher und weiblicher Blütenstand bis je 5 cm lang.

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Zu Beginn der Anthese die Kolben noch zylindrisch. Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Zwei Hochblätter im Blütenstand. Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    • Einsamige Nüsschen im kugeligen, weiblichen Kolbenteil,
      aus dem die Achänen wie Rauchwölkchen herausquellen.
    • Zur Samenreife sind die männlichen Blüten bereits abgefallen.

    Im BoGa Bern, 17.6.17; mit Alisma lanceolatum (Paul Hürlimann)

    Salgesch (VS), 11.9.2018 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 11.9.2018 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 11.9.2018 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 11.9.2018 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 11.9.2018 (Blumenwanderer)

    Leuk (VS), 26.6.2021 (Blumenwanderer)

    Leuk (VS), 26.6.2021 (Blumenwanderer)

    Leuk (VS), 26.6.2021 (Blumenwanderer)

    Leuk (VS), 26.6.2021 (Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Wuchshöhe 30–80 cm.
    • Kolbentragende Stängel nur mit Blattscheiden, aber ohne Blätter.
    • Die Rhizome kriechen bis zu 20 cm im Boden.

    Salgesch (VS), 15.6.2021 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Deutlich erkennbar ist die starke Konkurrenz durch Reitgrasarten (Calamagrostis sp.), die im trockenen Klima des Wallis gedeihen, sobald das Substrat trocken fällt. Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    Nur sterile Triebe mit Blättern, diese 0,1–0,3 cm breit.

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

Lebensraum

    • Kollin, seltener montan.
    • Sandige bis schlickige Uferbereiche von ruhigen, neu entstandenen Tot- oder Nebenarmen gebirgsnaher Wildflüsse (direkt am Hauptflussufer ist die Strömung für die Art zu stark).

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

    Salgesch (VS), 12.5.2024 (Blumenwanderer)

Verbreitung

Wissenswertes

  • Der Zwerg-Rohrkolben ist europaweit akut vom Aussterben bedroht. Die Gefährdungsursachen sind vor allem im Ausbau und der Regulierung grösserer Flüsse sowie der ausbleibenden Auendynamik zu suchen.
  • In den letzten 150 Jahren nahm die Fläche der Auenlandschaften in der Schweiz um 90 Prozent ab. Die in naturbelassenen Auen ursprünglich vorkommenden Pflanzenarten sind oft ausgesprochene Spezialisten, welche in keinem anderen Lebensraum auf Dauer leben können. Ein bekanntes Beispiel ist neben dem Zwerg-Rohrkolben die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica). Nur Auenlandschaften einer gewissen Grösse und Qualität ermöglichen das Überleben dieser Arten. Ob die noch vorhandenen Auen in der Schweiz diesbezüglich für das langfristige Überleben des Zwerg-Rohrkolbens genügen, ist fraglich.
  • In der Schweiz gibt es heute einzig am Rhein in Graubünden noch insgesamt drei ursprüngliche Bestände sowie einen Bestand in Sennwald (SG). In den Kantonen Genf, Graubünden, Wallis und Zürich wurde der Zwerg-Rohrkolben wieder angesiedelt.
  • Bei ungestörter Sukzession (etwa 10 bis 20 Jahre) wird der Zwerg-Rohrkolben als schwacher Konkurrent von anderen, hochwüchsigeren Arten wie Schilf und Weiden verdrängt. Er ist deshalb darauf angewiesen, immer wieder frische Rohböden zur Neubesiedlung vorzufinden. Eine natürliche Wildflusslandschaft bietet mit ihren periodisch neu gestalteten Umlagerungsstrecken dem Zwerg-Rohrkolben stets neue geeignete Standorte, geschaffen durch den dynamischen Wechsel von Hoch- und Niedrigwasser.
  • Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch den Wind (Anemophilie). Die Ausbreitung erfolgt durch Flugsamen (Anemochorie), aber auch effektiv durch die Verdriftung von Rhizombruchstücken und Erdschollen.
  • Im Teichhandel ist der Zwerg-Rohrkolben regelmässig erhältlich.

Systematik & Taxonomie

Hegi (1906) erwähnt eine Typha gracilis: „Steht der vorigen Art (I.e. Typha minima) sehr nahe und ist mit ihr durch Zwischenformen verbunden." Inwieweit Typha gracilis eine Unterart oder Varietät von Typha minima ist, ist unklar. Hegi meint, dass sich diese spätblühende Art vielleicht durch Saisondimorphismus von Typha minima abgezweigt habe. Sie soll auch am kolbentragenden Stängel Laubblätter haben.

Mögliche Verwechslung

Laxmanns Rohrkolben (Typha laxmannii) hat gut ausgebildete Stängelblätter, die den Blütenstand z.T. überragen. Der männliche Blütenstand ist deutlich länger als der weibliche. Laxmanns Rohrkolben ist eine Art, die im Handel erhältlich ist und manchmal in Feuchtgebieten ausgepflanzt wird und verwildert. 

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1906: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 1  Lehmanns Verlag, S. 114–115
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 187–188
  • Csencsics, D. et al. 2008: Der Kleine Rohrkolben. Bedrohter Bewohner eines seltenen Lebensraumes.
    In: WSL Merkblatt für die Praxis. Band 43, S. 1–8

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 17. Januar 2026