Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand eine weniger als 5 cm lange Traube; an der Spitze mit wenigen, sterilen Blüten, die nicht länger gestielt sind als die fertilen Blüten.
    • Das Perigon der nickenden Blüten besteht aus sechs miteinander krugartig verwachsenen Perigonblättern. Es ist fast kugelig (Länge 3–4 mm, ungefähr gleich dem Durchmesser), mit weissem Rand und nach aussen gebogenen Zähnen.
    • Staubblätter 6.
    • Blüten geruchlos und himmelblau, selten weiss.
    • Fotos des Blüteninnern bei flora.lefnaer.com 

    Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    Einzelblüten nickend in einer Traube. Terminale Blüten steril. Gurzelen (BE), 21.3.2021 (Paul Hürlimann)

    Gurzelen (BE), 12.3.2021 (Blumenwanderer)

    Gurzelen (BE), 21.3.2021 (Paul Hürlimann)

    Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    3 Blattspreiten. Pflanzen oft allein stehend. Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    • Frucht eine waagrecht abstehende Spaltkapsel, an der Spitze nicht eingesenkt, mit verkehrt-eiförmigen Klappen. Diese trocknen mit zunehmender Reife aus und nehmen alsdann eine pergamentartige Konsistenz an. 
    • Voll ausgereifte Kapseln öffnen sich fachweise mit einem Längsriss entlang der jeweiligen Mittelrippe. In jedem Fach befinden sich 1–2 schwarze, wellig-runzelige Samen von ca. 2 mm Länge.

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 10–20 cm.
    • Ausdauernder Zwiebel-Geophyt, ohne Nebenzwiebeln.

    Blattspreiten steif aufrecht. Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    An einem Strassenrand blühend. Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    Unscheinbar an einer Strassenböschung wachsend. Krauchthal (BE), 23.3.2022 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Grundständige Blätter 2–3, diese nach der Spitze hin verbreitert, an der breitesten Stelle bis 12 mm, fast bandförmig, mit stumpfer Spitze, fast bis zur Blütentraube reichend, meist aufrecht und ziemlich steif.

    Blätter aufrecht und steif. Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    Zerstreut in einer Hoschtet wachsend. Oberdiessbach (BE), 24.3.2025 (Blumenwanderer)

    Gurzelen (BE), 18.3.2022 (Paul Hürlimann)

Lebensraum

Kollin-montan(-subalpin). Mässig feuchte Berg- und Obstwiesen, Weinberge, alte Gärten. An warmen Lagen.

Wissenswertes

  • Gartenhistorie: Die Kleine Traubenhyazinthe gehört zu den Pflanzenarten, die (wie auch Tulpen, Narzissen, Schneeglöckchen, Blausterne etc.) als Stinsenpflanze in der sog. orientalischen Periode (von 1560 bis 1620) aus der Türkei und dem Nahen Osten nach Mitteleuropa eingeführt wurde.
  • Da die Art keine Tochterzwiebeln ausbildet, stehen die Pflanzen oftmals einzeln oder zu wenigen beisammen und wachsen nicht horstartig (wie andere Arten der Gattung).
  • Nach dem Öffnen der Kapseln werden die Samen durch darauf fallende Regentropfen herausgeschleudert (Regenausbreitung: Ombrochorie). Pflanzen, die sich auf diese Weise der Regentropfen als Ausbreiter bedienen, werden noch feiner als Regenballisten kategorisiert.

Verbreitung

  • Ursprünglich süd(ost)europäisch, zerstreut in Mitteleuropa. Da die Art (besonders früher) auch in Gärten als Zierpflanze gezogen und aus denselben verwildert und stellenweise vollständig eingebürgert wurde, ist ihre ursprüngliche Verbreitung nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Sie gilt in Mitteleuropa als Archäophyt (siehe Gartenhistorie im Kapitel „Wissenswertes“).
  • Die Art hat innerhalb der Schweiz einen Verbreitungsschwerpunkt im Kanton Bern.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online.

Systematik & Taxonomie

Muscari botryoides ist eine taxonomisch komplexe Art (oder Artengruppe) mit einem hohen Level an intraspezifischem Polymorphismus. Seit die Art taxonomisch etabliert wurde, ist eine grosse Anzahl von Taxa unterschiedlicher Rangstufen identifiziert worden, die Gegenstand der botanischen Forschung sind. Einen einschlägigen Überblick geben die beiden unten verlinkten Studien.

Mögliche Verwechslung

  • Die Weinberg-Traubenhyazinthe (Muscari neglectum) hat schmalere und schlaffe Blattspreiten. Ihre Blüten sind bereift, die unteren deutlich dunkler als die oberen und nach Pflaumen duftend.
  • Die Armenische Traubenhyazinthe (Muscari armeniacum) hat mehr Blätter, diese liegen. Die Blüten sind länger (ca. 1,5mal so lang wie breit).

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1907: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 2, Lehmanns Verlag, S. 258 – 259
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 574
  • Guter Wikipedia-Artikel
  • Pinar, S.M., Fidan, M. & Eroğlu, H. 2018: Muscari botryoides (L.) Mill. A New Record for the Family Asparagaceae from Turkey. Türkiye Tarımsal Araştırmalar Dergisi 5(2), 116-119 Researchgate.net
  • Somlyay, L., Pintér, I. & Csontos, P. 2006: Taxonomic Studies of the Muscari botryoides Complex in Hungary. Folia Geobotanica 41, 213–228 Researchgate.net

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 4. Januar 2026 

Forum

Diskussionen der Community

Muscari botryoides (oder Hybride?)

Bei der Gattung Muscari bin ich immer etwas unsicher, vor allem in Siedlungsnähe, da es zahlreiche Hybriden/Zuchtformen gibt. Bei dieser Pflanzengruppe scheint es sich allerdings tatsächlich um M. botryoides zu handeln (Blatt “vorne am breitesten, mit Kapuzenspitze”). Lässt sich meine Vermutung aufgrund der Bilder bestätigen?

Uferbereich Plessur/GR, Siedlungsgebiet/Wald, zwei kleine Gruppen mit ca. 10 Individuen

alla discussione