Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Teilblütenstände in den oberen Blattwinkeln, mit kleinen Tragblättern, kürzer als die Blätter, mit meist 3–7 Blüten; diese in (das Tragblatt meist nicht überragenden) Trugdolden.
    • Blütenstiele 1–3 mm lang, steifhaarig.
    • Krone 4-teilig, gelb, bis 2,5 mm im Durchmesser.
    • Staubblätter 4, mit der Kronröhre verwachsen und zwischen den Kronzipfeln entspringend.
    • Fruchtknoten unterständig, Griffel 2.

    Im Blütenstand stark behaart. (Blumenwanderer)

    Vier Staubblätter. (Blumenwanderer)

    Scheindolde mit zugehörigem Laubblatt. (Blumenwanderer)

    (Blumenwanderer)

    Seitenansicht nach Entfernung eines Blattes. (Blumenwanderer)

    Blütenstiele abstehend behaart. Pro Scheindolde mind. 1 Tragblättchen und eine Frucht. (Blumenwanderer)

    Blütenknospen. Mazembroz (VS), 22.3.2024 (Muriel Bendel)

    Mazembroz (VS), 22.3.2024 (Muriel Bendel)

    Blütenstände mit Tragblättern. Molin de Vert (GE), 13.4.2022 (Muriel Bendel)

    Orvin (BE), 21.6.2008 (wolfgang bischoff)

  • Früchte

    • Fruchtstiele zur Reifezeit abwärts gebogen. 
    • Frucht ca. 2 mm lang, birnenförmig, gekrümmt, mit runzeliger Oberfläche, zuletzt schwärzlich.

    Fruchtstiele abwärts gebogen. Gastlosen (FR), 3.8.2019 (Muriel Bendel)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Ausdauernde, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 15–50 cm.
      Ganze Pflanze unübersehbar behaart.
    • Stängel zahlreich, aufsteigend oder aufrecht, vierkantig, abstehend weich-zottig behaart, schlaff.
    • Mit dünnem, kriechendem, fädlichem Rhizom; dieses sehr gut im Wurzelatlas veranschaulicht.

    Laubblätter gegen den Grund kleiner werdend. (Blumenwanderer)

    Stängel abstehend behaart. (Blumenwanderer)

    Stängel manchmal rot überlaufen. Mazembroz (VS), 22.3.2024 (Muriel Bendel)

    Typischer Habitus mit zahlreichen Stängeln. Boltigen (BE), 30.5.2025 (Blumenwanderer)

    Sigriswil (BE), 15.4.2016 (Blumenwanderer)

    Pflanzen stets mit gelblichgrüner Anmutung. Krauchthal (BE), 14.5.2021 (Blumenwanderer)

    Sigriswil (BE), 15.4.2016 (Blumenwanderer)

    Reutigen (BE), 22.4.2025 (Blumenwanderer)

    Oberdiessbach (BE), 11.5.2025 (Blumenwanderer)

    Oberwil im Simmental (BE), 21.5.2020 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Blätter zu 4 im Quirl, sitzend, gegen den Grund des Stängels kleiner werdend.
    • Quirle gegen die Spitze des Stängels enger stehend.
    • Blattspreite meist gelblichgrün, die mittleren oval bis breit lanzettlich, 3-nervig, bis 2 cm lang; ganzrandig, Rand abstehend bewimpert, Ober- und Unterseite borstig behaart.

    Blattoberseite. (Blumenwanderer)

    Blattunterseite. (Blumenwanderer)

    Blätter zu viert im Quirl. (Blumenwanderer)

    Haute Sorne (JU), 4.8.2024 (Muriel Bendel)

    Taanwald, Rüeggisberg (BE), 10.11.2024 (Muriel Bendel)

Lebensraum

Kollin bis montan. Nährstoffreiche, eher kalkarme Böden. Waldränder, Weiden, an Hecken und Zäunen.

Verbreitung

Wissenswertes

  • Meist existiert pro Scheindolde nur 1 mittlere, zwittrige, d.h. fruchtbringende Blüte und wenige seitliche, rein männlichen Blüten. Die Pflanze ist also andromonözisch (unvollständig einhäusig). Die Blüten duften nach Honig.
  • Das Art-Epitheton laevipes bedeutet „glattfüssig“ (gemeint ist: mit kahlem Stiel) und ist botanisch gesehen ein Paradoxon, da das Behaarte Kreuzlabkraut im Gegensatz zum Kahlen Kreuzlabkraut (Cruciata glabra) gerade durch seine ausgeprägte Behaarung an seinen Stängeln und übrigen Pflanzenteilen auffällt. 

Systematik & Taxonomie

  • Bei Hegi noch unter der Bezeichnung Galium cruciatum zu finden. Er schreibt: “Ändert nur wenig ab.”
  • Die Gattung Kreuzlabkraut (Cruciata) umfasst gemäss Hess et al. (1977) 5 Arten, wobei 2 weitere in der Schweiz auftreten (Cruciata glabra und Cruciata pedemontana), und hat ihre Hauptverbreitung im östlichen Mittelmeergebiet. Sie steht der Gattung der Schuttkräuter (Valantia) näher als der Gattung der Labkräuter (Galium).

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1918: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, 1 Lehmanns Verlag, S. 225
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 3. Springer Verlag, S. 284–285

Mögliche Verwechslung

Das Kahle Kreuzlabkraut (Cruciata glabra)

  • besitzt behaarte bis ± kahle Stängel, 
  • im Blütenstand finden sich keine Hochblätter,
  • die Blätter sind v.a. am Rand bewimpert (auf den Ober- und Unterseiten nur spärlich behaart bis kahl),
  • die Pflanzen sind meist kleiner.

Das Piemonteser Kreuzlabkraut (Cruciata pedemontana)

  • zeichnet sich durch einnervige (nicht deutlich dreinervige) Blattspreiten,
  • einen rauen Stängel und
  • kleinere Blüten (Durchmesser < 1 mm) aus, 
  • die Pflanzen sind einjährig (nicht ausdauernd).

Autor*in: Blumenwanderer, Muriel Bendel
Stand: 17. April 2026