Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • 2zählige Blüten in endständigen traubigen Blütenständen mit kahlen Blütenstielen.
    • Kelchblätter je 2, kahl, rötlichweiss, weisshäutig berandet.
    • Kronblätter 2, weiss oder rötlich, tief zweiteilig, genagelt, bis 1,4 mm lang, etwa halb so lang wie die Kelchblätter.
    • Staubblätter 2, vor den Kelchblättern stehend.
    • Achsenbecher zur Blühzeit in einer engen Röhre über den Fruchtknoten hinaus fortgesetzt. Diese Verlängerung kürzer als der Fruchtknoten. Kein Diskus vorhanden. 

    Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Mit Blütenknospen. Herbligen (BE), 30.8.2025 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    • 1- oder 2samige birnenförmig Nuss, mit Hakenborsten besetzt, ca. 2 mm lang.
    • Fruchtstiel bis 2mal so lang wie die Frucht, abstehend oder zurückgeschlagen, kahl.

    Därstetten (BE), 2.8.2023 (Blumenwanderer)

    Herbligen (BE), 30.8.2025 (Blumenwanderer)

    Früchte leicht abfallend. Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Ausdauernde, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 5-20 cm.
    • Mit dünnem Stängel, aufrecht oder bogig aufsteigend, meist nicht verzweigt, im unteren Teil völlig kahl, weiter oben mit Drüsenhaaren.
    • Wenige oberirdische Ausläufer vorhanden, die in den Achseln der untersten Laubblätter entspringen.
    • Mit kriechendem Rhizom, an dem schuppenförmige Niederblätter ausgebildet sind.
    • Knollige Verdickungen am Ende langer, unterirdischer Ausläufer.

    (Blumenwanderer)

    Truppweise auftretend. Därstetten (BE), 2.8.2023 (Blumenwanderer)

    Mit oberirdischen Ausläufern. (Blumenwanderer)

    Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Därstetten (BE), 2.8.2023 (Blumenwanderer)

    Därstetten (BE), 2.8.2023 (Blumenwanderer)

    Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Zusammen mit Veronica montana (Mitte) und Moehringia trivervia (rechts) wachsend. Herbligen (BE), 30.8.2025 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Blätter gegenständig, breit lanzettlich, 1-3 cm lang, ungefähr so lang wie breit, am Grund deutlich herzförmig, mit entfernt stehenden Zähnen, mit nur vereinzelten Haare, etwas glänzend.
    • Blattstiele oft länger als die Spreite, kahl (oder nur auf der Oberseite behaart), leicht geflügelt.
    • Tragblätter am Grunde der Blüten- bzw. Knospenstiele hinfällig.

    Därstetten (BE), 10.7.2025 (Blumenwanederer)

    Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Blätter am Grunde herzförmig. Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

Lebensraum

  • Montan bis subalpin (selten kollin). Feuchte, kalkarme, humose Böden in schattiger Lage mit hoher Luftfeuchtigkeit, besonders in Schlucht- oder Auenwäldern.

    Därstetten (BE), 2.8.2023 (Blumenwanderer)

    Forstweg. Pohlern (BE), 29.7.2025 (Blumenwanderer)

    Unscheinbar im Unterwuchs und zum Teil unter Farnfiedern verborgen. Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

    Am Rande eines Waldweges. Fahrni (BE), 17.8.2025 (Blumenwanderer)

Verbreitung

Circumpolar in den gemässigten Klimazonen der nördlichen Hemisphäre. Das Alpen-Hexenkraut kommt entgegen seinem Namen also auch ausserhalb der Alpen vor!

Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online.

Wissenswertes

  • Das Alpen-Hexenkraut hatte früher eine ethnobotanische Bedeutung als Zauberpflanze. Es wurde vor allem als psychoaktives Aphrodisiakum genutzt. Der Name der Gattung Circaea leitet sich von der griechischen Zauberin Circe ab, was auf eine „bezirzende“ oder fesselnde Wirkung auf Menschen hinweist.
  • Die unterirdischen Ausläufer mit knolliger Verdickung am Ende werden als Hibernakel bezeichnet. Durch sie bildet es oft kleine, aber dichte Bestände. Zitat Hegi: „Die Knöllchen .... werden erst im Spätsommer oder Herbst angelegt und bleiben allein über den Winter erhalten, während die übrige Pflanze samt den fadenförmigen Teilen der Ausläufer dann abstirbt. Sie besitzen nach Kerner bis zum Frühling, wo aus ihnen eue belaubte Stengel ans Tageslicht emporspriessen, keine Wurzeln.....“ (Bd. V,2 S. 876).
  • Hegi erwähnt ebenso, dass spontane Selbstbestäubung möglich sei, indem sich gegen Ende der Blütezeit sich ein oder beide Staubbeutel an die Narbe anlegen (nach Kerner, Bd. V,2 S. 876).
  • Die Früchte bleiben durch Klettwirkung an Tieren haften, d.h. die Verbreitung erfolgt wohl grossenteils epizoisch durch vorbeistreichende Tiere.

Systematik & Taxonomie

Die Abgrenzung zur Hybride Circaea x intermedia erweist sich im Feld als sehr knifflig.

Mögliche Verwechslungen

Das Grosse Hexenkraut (Circaea lutetiana) hat

  • eine grössere Wuchshöhe von bis zu 70 cm.
  • 4-10 cm lange, am Grunde abgerundete, matte Blätter.
  • ringsum behaarte Blattstiele.
  • oft einen verzweigten Blütenstand mit drüsigen Blütenstielen.
  • keine Tragblätter an den Blütenstielen.
  • eine bis 4 mm lange Frucht.

Weiterführende Literatur

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 28. April 2026