Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand doppeldoldig: Dolden 1. Ordnung mit 4–6 Dolden 2. Ordnung.
    • Zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die männliche Pflanze ist meist auffallend niedriger als die weibliche.
    • Hülle fehlend, Hüllchenblätter 0–3.
    • Kronblätter weiss bis gelblich, ca. 0,5 mm lang.
    • 2 Griffel, 5 freie Staubblätter.

    Blütenknospen. Biel (BE), 22.4.2019 (Paul Hürlimann)

    Weibliche Döldchen sind beim Aufblühen nur rund 5 mm gross wie die männlichen, werden danach aber viel grösser. Biel (BE), 31.5.2021 (Paul Hürlimann)

    Die weiblichen Döldchen sind beim Aufblühen nur rund 5 mm gross wie die männlichen, werden danach aber viel grösser, hier links fruchtend mit ungleich langen Doldenstrahlen. Biel (BE), 31.5.2021 (Paul Hürlimann)

    Weibliche Dolde entfaltet sich gerade. Biel (BE), 18.5.2025 (Muriel Bendel)

    Weibliche Dolde etwas weiter entwickelt. Biel (BE), 18.5.2025 (Muriel Bendel)

    Hüllblätter fehlen. Biel (BE), 18.5.2025 (Muriel Bendel)

    Männliche Pflanze. Ollon (VD), 12.4.2024 (Blumenwanderer)

    Weibliche Pflanze. Ollon (VD), 4.4.2025 (Blumenwanderer)

    Männliche Pflanze. La Dôle (VD), 27.6.2020 (Blumenwanderer)

    Weibliche Pflanze. Aigle (VD), 7.5.2022 (Blumenwanderer)

    Männliche Blüten mit Griffelpolstern nach Abfallen von Blütenblättern und Staubblättern. Biel (BE), 18.5.2025 (Muriel Bendel)

    Ollon (VD), 4.4.2025 (Blumewanderer)

    La Sarraz (VD), 14.5.2025 (Blumenwanderer)

    Ollon (VD), 12.4.2024 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    Die Rippen der schwarz-braunen, etwa 3 Millimeter langen Teilfrucht stark hervorspringend und stumpf. 

    Biel (BE), 18.5.2025 (Muriel Bendel)

Vegetative Merkmale

Lebensraum

Verbreitung

  • Mediterrane Pflanze. In der Schweiz im Jura (bis Biel), im Waadtländer Chablais und im südlichen Tessin.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online.

Wissenswertes

  • Wie bei einer zweijährigen Art üblich, bildet die Art im ersten Jahr eine ganz unauffällige Blattrosette und sammelt in der rübenartigen Wurzel Reserven an. Mit der Ausbildung des Blütentriebes im zweiten Jahr erschöpfen sich diese Reserven, und die Pflanze stirbt nach der Samenreife meist ab.
  • Der Faserschirm kann auch als sog. Steppenroller bezeichnet werden. Diese Strategie dient der Samenausbreitung (Anemochorie): Nach der Reife vertrocknet die Pflanze, bricht an der Basis ab und kann durch den Wind über das offene Gelände gerollt werden, wobei sie ihre Samen verteilt.
  • Da der Faserschirm in der Schweiz aufgrund des Verlusts seiner Lebensräume nurmehr sehr selten zu finden ist, gilt er als gefährdet: Schutzstatus VU gemäss Roter Liste 2016.

Mögliche Verwechslungen

Der Einjährige Bergfenchel (Seseli annuum) wächst in ähnlichen trockenen Lebensräumen und besitzt ebenfalls fein zerteilte Blätter. Er hat aber

  • eine zwittrige Blüte.
  • zahlreiche, schmal hautrandige und bleibende Hüllchenblätter.
  • eine aufrechtere Wuchsform.
  • einen weniger ausgeprägten Faserschopf; zudem ist er oft fein kurzhaarig bis flaumig behaart, besonders an den Doldenstrahlen.
  • eine viel spätere Blühzeit.

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1926: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band V,2  Lehmanns Verlag, S. 1132 – 1136
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 2. Springer Verlag, S. 872
  • Carvalheiro L.G. et al.: Pollinator networks, alien species and the conservation of rare plants: Trinia glauca as a case study (2008) in: Journal of Applied Ecology (Volume45, Issue 5)

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 4. April 2026