Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blüten eingeschlechtig (Pflanzen zweihäusig)
    • Männliche Blüten kugelig, aus 7–10 Staubblättern bestehend, vor dem Aufblühen von hellbraunen Schuppen umhüllt, meist einzeln in den Acheln der Nadeln
    • Weibliche Blüten den Blattknospen ähnlich sehend, einzeln auf der Unterseite der letztjährigen Zweige angeordnet, 3–5 mm lang; untere Schuppenblätter grün, die obersten meist gelblich bis hell orange, an der Spitze die helle Mikrophyle herausragend

    Noch geschlossene männliche Blüte. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Männliche Blüten mit noch geschlossenen Staubbeuteln. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Offene männliche Blüten, Schuppen am Grund abstehend. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Weibliche Blüten 3–5 mm lang. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Mikrophyle an der Spitze der weiblichen Blüte herausragend. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Untere Schuppen grün, obere gelblich bis hell orange. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

  • «Früchte»

    • Samen zur Reifezeit (dunkel-)braun, vom roten Samenmantel (Arillus) eingefasst
    • Samenmantel zuerst grün und eher unscheinbar, den reifenden Samen nur am Grund umfassend; zur Reifezeit rot und fleischig, eine «Scheinbeere» bildend
    • Der Samenmantel ist der einzige ungiftige Teil des Baumes

    Letztjährige eingetrocknete Samenmäntel (Arilli). Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform

    • Bis 20 m hoher Baum, sehr langsam wachsend
    • Stamm mit zunehmendem Alter kehlwüchsig, dadurch scheinbar aus mehreren zusammengewachsenen Stämmen bestehend
    • Ausladende, waagrecht bis aufsteigende Äste und Zweige
    • Individuen können bis über 1000 Jahre alt werden

    Sehr altes Exemplar (> 1000 Jahre), teilweise hohl, mit Drehwuchs. Crémines (BE), 23.6.2018 (Lorenz Scherler)

    Besiedlung eines anspruchsvollen Standortes. Crémines (BE), 23.6.2018 (Lorenz Scherler)

    Die bekannte Eibe im Gerstler ist einer der wenigen freistehenden Eiben (Alter um die 1000 Jahre). Heimiswil (BE), 01.04.2018 (Lorenz Scherler)

    Stamm der Gerstler Eibe zeigt sehr ausgeprägt die Kehlwüchsigkeit. Heimiswil (BE), 01.04.2018 (Lorenz Scherler)

  • Rinde

    • Junge Rinde rotbraun, farblich an die Wald-Föhre (Pinus sylvestris) erinnernd
    • Rinde später graubraun mit abblätternder Borke, an die Asiatische Platane (Platanus orientalis) erinnernd

    Scheuren (BE), 02.04.2023 (Lorenz Scherler)

    (Lorenz Scherler)

    Dulliker Engelberg (SO), 18.2.2024 (Muriel Bendel)

    Gorges du Seyon (NE), 11.8.2024 (Muriel Bendel)

    Cornaux (NE), 30.3.2025 (Muriel Bendel)

  • Nadeln

    • Junge Zweige kahl; zuerst grün, später braun werdend
    • Nadeln kahl, sehr kurz gestielt, in 2 Zeilen angeordnet, ca. 2 mm breit, stachelspitzig; weich und elastisch
    • Oberseite dunkelgrün, leicht glänzend; Unterseite gleichmässig hellgrün, matt, ohne ausgeprägte Linien
    • Nadeln dicht stehend → deshalb dringt nur sehr wenig Licht bis zum Boden

    Nadeloberseite (Lorenz Scherler)

    Nadelunterseite (Lorenz Scherler)

    Nadeln stachelspitzig; Unterseite hellgrün. Chambrelien (NE), 24.2.2026 (Muriel Bendel)

    Unterseite der Nadeln heller als die Oberseite. (Lorenz Scherler)

    Junger, grüner Zweig. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

    Junge Zweige kahl. Chambrelien (NE), 24.2.2026 (Muriel Bendel)

    Zweige später braun. Gorges du Seyon (NE), 5.3.2026 (Muriel Bendel)

Pflanzenparasiten

Lebensraum

Da die Eibe mit sehr wenig Licht zurecht kommt, findet sie sich gerne in schattigen Hanglagen und Schluchten. Kalkhaltige Böden werden bevorzugt besiedelt. Obwohl besonders früher auch an feuchten Stellen der kollinen Stufe vorhanden, verträgt die Eibe auch trockene, steinige Standorte (z.B. am Jurasüdfuss) .

Verbreitung

In der Schweiz verbreitet, jedoch nirgends häufig, in Lagen bis 1400 m ü. M.

Weltweite Verbreitung:
Europäisch-westasiatisch-mediterran.
Verbreitungskarte auf POWO

Etymologie

Taxus war der lateinische Name der Eibe. Der Ausdruck lässt sich seiner Herkunft nach als «Schnitzholz» zurückführen. Lateinisch bacca für Beere, hier sinngemäss «beerentragend».

Ethnobotanik

Das dichte, harte und elastische Holz der Eibe liess sich in den kriegerischen Auseinandersetzungen bis zu Erfindung des Schiesspulvers hervorragend für den Bogenbau verwenden. Daher wurden Eibenbestände sowohl übernutzt, als auch durch Anpflanzung kultiviert. Die dunkle Umgebung und die Giftigkeit aber auch ihr teilweise sehr hohes Alter sind für viele Menschen etwas mystisches. Neben der Nutzung des Samenmantels (Arillus) für Speisezwecke sind aus den giftigen Pflanzenteilen auch Präparate zur Behandlung von Krankheiten hergestellt worden. Die Eibe ist sowohl als Taxus baccata als auch in verschiedenen Hybriden Formen ein beliebtes Ziergehölz, welches neben blickdichtem Wuchs auch viele Vorzüge für gestaltenden Schnitt bietet. 

Quellen & weiterführende Literatur

Brunner, M. 2014: Baumriesen der Schweiz, Werd Verlag, 6. erweiterte Auflage

Hegi, G. 1906: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, I. Band Pteridophyta, Gymnospermae und Monocotyledones, J.F. Lehmanns, S. 79 ff.
dfg-viewer.de

Kaufmann, H. 1958: Eine alte Eibe im Kanton Solothurn, in: Jurablätter, Monatsschrift für Heimat- und Volkskunde, Band 20, Heft 11
e-periodica.ch

Lauber, K. et al. 2018: Flora Helvetia, Haupt, 6. Auflage

Stöhr, O. 2019: Zur Frage der Identität junger Eibenverwilderungen (Taxus sp.) im Siedlungsraum von Osttirol (Österreich). Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 13: 93–117
zobodat.at

Mögliche Verwechslung

Die Nadeln der Tanne (Abies alba)

  • besitzen auf der Unterseite zwei deutliche weisse Streifen (Stomata-Bänder),
  • sind an der Spitze stark ausgerandet bis gespalten und
  • zum Anfassen relativ hart (nicht auffallend weich).

Autor*in: Lorenz Scherler, Muriel Bendel
Stand: 11. März 2026

Forum

Diskussionen der Community

Pick the low hanging flowers: Zihlkanal / Canal de la Thielle (NE)

Perfekt mit öV erreichbar (Haltestelle Zihlbrücke), kurzer Weg Richtung Südwesten zum Neuenburgersee, keine Höhenmeter – und Arten in Griffnähe, die sonst oft in luftiger Höhe blühen:
Auf dem in den Neuenburgersee führenden Abschnitt des Zihlkanals / Canal de la Thielle (NE) gibts u.a. weibliche und männliche Pflanzen der Weissen Mistel (Viscum album) auf Augenhöhe zu bestaunen.

Die Weisse Mistel (Viscum album) wächst hier v.a. auf der Silber-Weide (Salix alba), parasitiert aber auch auf der Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), der Gemeinen Esche (Fraxinus excelsior) und Schwarz-Erle (Alnus glutinosa).

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Taxus x media in der Schweiz?

Gestern bin ich beim Kartiertreffen Baden-Württemberg auf Taxus x media aufmerksam gemacht worden. Dies ist die Hybride zwischen T. baccata und T. cuspidata aus Ostasien. Sie ist vor über 100 Jahren in Kultur in den USA entstanden und ist seitdem im Gartenhandel weit verbreitet worden. Es ist wohl die am häufigsten im Handel angebotenen Art und siedelt sich synantrop leicht an. In Österreich scheint sie viel häufiger zu sein als echte T. baccata (s. Stöhr, O. 2019. Zur Frage der Identität junger Eibenverwilderungen (Taxus sp.) im Siedlungsraum von Osttirol (Österreich). Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 13: 93-117) und auch in Ba-Wü ist indigene T. baccata nur sehr lokal verbreitet, während der Grossteil der aktuellen Taxus-Nachweise sich auf T. x media beziehen. Stellt sich die Frage: Wie sieht es in der Schweiz aus? InfoFlora erwähnt T. x media gar nicht. Ich will euch alle hiermit drauf aufmerksam machen, mit der Bitte in Zukunft v.a. bei Taxus-Funden in Siedlungsnähe mal genauer hinzuschauen.

Nach Stöhr sind die Merkmale der Knospenschuppen das beste Unterscheidungsmerkmal: “Knospenschuppen stets schwach bis deutlich gekielt, eiförmig-verlängert bis dreieckig und z.T. zugespitzt; nicht breit abgerundet und ungekielt wie bei Taxus baccata oder locker anliegend wie bei Taxus cuspidata.” 

Hinzu kommt die Form der Nadelspitzen: “Nadelspitze meist intermediär zwischen den Elternarten oder Nadeln mit einer etwas auf-gesetzten Spitze ähnlich Taxus cuspidata; Nadeln in der Regel nicht lang zugespitzt wie bei Taxus baccata und nicht so abrupt zugespitzt bzw. mit aufgesetzter Spitze wie bei Taxus cuspidata.” 

Ergänzende Merkmale, die nach Meinung von O. Stöhr auch für Taxus × media sprechen können, aber nicht immer ausgebildet sein müssen, sind folgende:
" Nadeln meist kürzer und kompakter als bei Taxus baccata, teils breiter als 2,5 (3) mm. Die Nadellänge von Taxus × media, wie auch von T. cuspidata, liegt nach den Untersuchungen von DEMPSEY et al. (1999) allerdings innerhalb der Taxus-baccata-Spanne.
Nadeln an jungen Seitenzeigen meist nicht deutlich zweizeilig wie bei Taxus baccata, son-dern mehr oder weniger unregelmäßig um den Zweig angeordnet."

Im Anhang noch ein Foto aus dem Artikel von Stöhr, das die Unterschiede gut zeigt.

Bin gespannt, wer T. x media im schweizer Wald findet. In Ba-Wü wird T. x media wohl deutlich weniger von Rehen verfressen und scheint sich deshalb gegen die einheimische Art durchsetzen zu können. Zudem besteht das Risiko der Hybridisierung.

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