Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand locker, allseitswendig, 3-10 blütig.
    • Tragblätter unscheinbar, schuppenförmig, etwa 1 mm lang.
    • Blüten klein, gelbgrün.
    • Lippe ungeteilt, oval, rinnig gefaltet, abwärts gebogen, etwa so lang wie die Perigonblätter. 
    • Perigonblätter 4 -9 mm lang, schmal, linealisch; ihre Ränder nach aussen gerollt, daher fast fadenförmig wirkend.
    • Säule (Staubblätter und Griffel) frei stehend, bis 2½ mm lang, nicht durch die Perigonblätter verdeckt (im Gebiet nur bei dieser Art!), schräg aufwärts gerichtet.
    • Ein Sporn fehlt.

    mit Knospen. Spiez (BE), 11.6.2022 (Paul Hürlimann)

    Perigonblätter fadenförmig wirkend, Säulchen freistehend. Bichelsee-Balterswil (TG), 13.6.2008 (Paul Hürlimann)

    Allmendingen (BE), 12.6.2021 (Blumenwanderer)

    Allmendingen (BE), 12.6.2021 (Blumenwanderer)

    Mit Einzelblüte. Allmendingen (BE), 12.6.2021 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

    Allmendingen (BE), 14.6.2016 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    Kapseln (im Feld oft auffälliger als die Blüten!).

    Unterseen (BE), 19.6.2017 (Blumenwanderer)

    Unterseen (BE), 19.6.2017 (Blumenwanderer)

    Allmendingen (BE), 25.8.2020 (Blumenwanderer)

    Mit 1-Euro-Münze. Unterseen (BE), 19.6.2017 (Blumenwanderer)

    Dieselbe Pflanze. Unterseen (BE), 19.6.2017 (Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Sommergrüner, ausdauernder Rhizom-Geophyt.
    • Stängel kantig, 10-20 cm hoch, am Grunde mit 2 etwas flachen, grünen, von Blattresten umgebenen, teilweise freiliegenden Scheinknollen (Pseudobulben).
    • Waagrechtes Rhizom.

    Links jeweils Nahansicht, rechts Übersichtsfoto. Allmendingen (BE), 14.6.2016 (Blumenwanderer)

    Pflanze auch in Vollblüte sehr unscheinbar. Allmendingen (BE), 16.6.2016 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

    Niederönz (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    Laubblätter in der Regel 2, breit lanzettlich, 4-10 cm lang, dicklich, fettglänzend, grundständig, fast gegenständig.

    Spiez (BE), 11.6.2022 (Blumenwanderer)

    Spiez (BE), 11.6.2022 (Blumenwanderer)

Lebensraum

  • Kollin bis montan. Kalkhaltige, an der Oberfläche nicht austrocknende Böden. Flachmoore, Torfsümpfe, zwischen Schilf.

    Unterseen (BE), 19.6.2017 (Blumenwanderer)

    Spiez (BE), 9.6.2023 (Blumenwanderer)

Verbreitung

Wissenswertes

  • Als eine exotische Besonderheit bildet Liparis loeselii als eine der ganz wenigen mitteleuropäischen Erdorchideen echte Pseudobulben aus (nicht zu verwechseln mit Sprossknollen, z.B. bei der Gattung Ophrys). Dieses Merkmal findet sich sonst vorwiegend bei tropischen epiphytischen Orchideenarten! Die Pseudobulben entstehen durch Verdickung des bodennahen Rhizomendes und dienen der Pflanze als Nährstoff- und Wasserspeicher, aber auch zur vegetativen Vermehrung (durch Adventivknospen). In der Regel besitzt die Pflanze zwei nebeneinanderstehende Pseudobulben in der Erde – die ältere Knolle aus dem Vorjahr und eine jüngere, diesjährige Knolle, welche von den aktuellen Blattscheiden umhüllt ist. Wegen dieser markanten, zwiebelartig verdickten Basis wird die Pflanze als „Zwiebelorchis“ bezeichnet. 
  • Die Blühfreudigkeit von Liparis loeselii schwankt je nach der Witterung sehr stark; in ungünstigen Jahren kann die Art mit Blühen aussetzen. Vermutlich können einzelne Pflanzen mit Hilfe der symbiontischen, energieversorgenden Pilzpartner unterirdisch oder in sterilem Kümmerzustand auch in ungünstigeren Biotopen etwas überdauern und z. B. nach Biotoppflege wieder aufkommen 
  • Die Fruchtreife erfolgt extrem spät, erst im Februar. Der Fruchtansatz ist extrem hoch und schwankte bei einer Untersuchung in Deutschland zwischen 82 und 97%. 
  • Die Zwiebelorchis war früher in tiefen Lagen des Mittellandes weit verbreitet, kam aber auch vereinzelt im Wallis, im Tessin und in Graubünden vor. Aktuell gibt es insgesamt nur noch ca. fünfzig, meist sehr kleine Vorkommen mit einem Schwerpunkt in der Zentral- und Ostschweiz Sie hat in der Schweiz den Gefährdungsstatus VU (Gemäss Roter Liste 2016). 
  • Der Gattungsname Liparis stammt von dem griechischen Wort λιπαρός für „glänzend, schimmernd, prächtig“. Der namentliche Hinweis auf die glänzenden Blätter findet sich ebenfalls im deutschen Gattungsnamen „Glanzkraut“ wieder. Das Artepitheton loeselii ehrt Johannes Loesel (1607–1655), einen Botaniker und Medizinprofessor aus Königsberg.

Systematik & Taxonomie

Die Gattung Liparis umfasst weltweit laut Hess etwa 260 Arten, die über die ganze Erde verbreitet sind, vor allem in den Monsungebieten Asiens. Nur 2 Arten finden sich in der gemässigten Zone; Liparis loeselii ist die einzige europäische Art.

Mögliche Verwechslung

Könnte mit Malaxis monophyllos oder Hammarbya paludosa verwechselt werden, welche auch grünlich-gelbe Blüten haben, sich im Aufbau aber doch stark von der Zwiebelorchis unterscheiden. 

Weiterführende Literatur

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 5. September 2026