Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand eine 6-20blütige Traube.
    • Blüten in den Achseln von häutigen, oft abfallenden Tragblättern.
    • Kelchblätter (Sepalen) 5, die 3 äusseren gleich, lanzettlich, die beiden seitlichen stark vergrössert,  netzadrig, leuchtend blau und kronblattartig ausgebildet (man nennt sie auch Flügel, da sie die eigentliche Blüte umhüllen und als Schauapparat für Bestäuber dienen).
    • Kronblätter (Petalen) leuchtend blau, von den ursprünglich 5 nur 3 voll entwickelt, im unteren Teil röhrenartig verwachsen (Das untere Kronblatt ist rinnenartig vertieft und wird als Schiffchen bezeichnet).
    • Fransen der unteren Kronzipfel 10-30 (=Anhängsel), diese weisslich, wie ein kleiner Pinsel aussehend.
    • Staubblätter 8, zu einer Röhre verwachsen, die wiederum mit den Kronblättern verklebt ist.

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Blüten fast himmelblau leuchtend. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Seitenansicht der Blüte, die vom Flügel dominiert wird, dieser netzaderig. Links oben das Anhängsel. (Blumenwanderer)

    Links des Blütenstielansatzes die beiden Vorblätter, das vordere das hintere verdeckend, rechts davon das etwas längere Tragblatt. (Blumenwanderer)

    (Blumenwanderer)

    Stiel mit kleinen Hakenhaaren. (Blumenwanderer)

    Polygala calcarea. Aus: Drawings of British Plants, IV, Plate 23. ID:7940352 © RBG Kew https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/ (Stella Ross-Craig)

  • Früchte

    • Fruchtstiele nach unten gebogen.
    • Kapsel verkehrt-herzförmig, 4-5 mm lang.

    Flügel nach dem Abblühen hell werdend. Rechts die kleinen Kelchblätter. (Blumenwanderer)

    Trauben im unteren Teil abblühend. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Fruchtstielchen nach unten gekrümmt. (Paul Hürlimann)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Ausdauernde, wintergrüne Pflanze mit einer Wuchshöhe von 5-20 cm.
    • Blattloser Stängelabschnitt am Grunde meist mehrere Zentimeter lang (von der Wurzel bis zur Blattrosette) und ausläuferartig niederliegend.
    • Bildet auch sterile Triebe aus.
    • Stängel mit sehr kurzen, hakenförmigen Haaren.
    • Spindelförmige Wurzel.

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Paul Hürlimann)

    Habitus. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Paul Hürlimann)

    Stängel niederliegend. Aus diesem die Rosette entspriessend und Pflanze von da an aufrecht wachsend. (Blumenwanderer)

    (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Mit Bestäuber. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Inmitten von Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) wachsend. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

    Habitus im Habitat. La Brévine (NE), 24.5.2026 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Blätter krautig, fast kahl, nicht bitter schmeckend, die unteren oval bis breit lanzettlich, einander genähert bis rosettenartig, die oberen schmal lanzettlich.
    • Untere Blätter wechselständig; am Ort, wo die Zweige aufsteigen, rosettenartig angeordnet, die obern meist kürzer als die untern, oberhalb der Mitte am breitesten.
    • Tragblätter 1,2-1,7 mm lang; diese sind zu unterscheiden von den 2 kleinen Vorblättern: Da die Tragblätter sehr hinfällig sind und oft frühzeitig abfallen, bleiben am unteren Teil der Blütenstände häufig nur noch die charakteristischen kurzen Vorblätter direkt am Blütenstiel zurück. 

    La Brévine (NE), 24.5.2026 (Paul Hürlimann)

Lebensraum

Verbreitung

Wissenswertes

    • Abhängigkeit von Beweidung: Ökologische Langzeitbeobachtungen, wie sie von der Botanical Society of Britain & Ireland (BSBI) durchgeführt wurden, zeigen, dass Polygala calcarea eine konkurrenzschwache Art ist. Sie verschwindet aus ihren Habitaten, sobald die traditionelle Schaf- oder Rinderbeweidung ausbleibt und Verbuschung einsetzt.
    • „Polygala calcarea zeichnet sich durch die ausläuferartigen, niederliegenden Stängel aus, die sich rings um den verhholzenden Erdstock ausbreiten, Rosetten bilden und aus diesen blattachselständig wiederholt in gleicher Weise neue anzulegen vermögen. Die Pflanze erlangt dadurch einen dichten, runden, rasenförmigen Wuchs. Die Rosetten überdauern den Winter; die Erneuerungsknospen bilden sich unterirdisch; die Pflanze besitzt dadurch eine Lebensform, die halb chamaephytisch, halb hemikryptophytisch ist.“ (Hegi G: Ill. Flora, VI, 1 S. 108)
    • Dimorphismus: Es bestehen zwei Arten von Trieben: flach am Boden liegende, sterile Ausläufer (vegetative Triebe) und davon aufsteigende, blütentragende Sprosse.

    Illustrierte Flora von Mitteleuropa: Band V,1 S. 107 (Gustav Hegi)

Mögliche Verwechslung

Polygala calcarea kann mit anderen Kreuzblumen-Arten der Gattung Polygala verwechselt, da sich die Blütenstrukturen innerhalb dieser Gattung stark ähneln:

Die Gewöhnliche Kreuzblume (Polygala vulgaris) besitzt

  • keine Blattrosette am Grund.
  • Blätter, die am Stängel verteilt überall etwa gleich gross sind.

Die Bittere Kreuzblume (Polygala amara / Polygala amarella) besitzt

  • Blätter, die äusserst bitter schmecken.
  • keine sterilen Triebe.

Die Voralpen-Kreuzblume (Polygala alpestris) besitzt

  • keine echte Blattrosette: Die unteren Blätter stehen zwar manchmal etwas dichter zusammen, sind aber kürzer als die oberen Stängelblätter.

Weiterführende Literatur

  • Hegi, G. 1925: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band V,1 Lehmanns Verlag, S. 107 – 108
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 2. Springer Verlag, S. 646

Autor*in: Blumenwanderer

Stand: 24. Oktober 2026