Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blüten einzeln, langgestielt in den Blattachseln; Blütenstiele kahl oder drüsig behaart
    • Blüten 4–zählig (selten 5-zählig)
    • Kelchblätter länglich-eiförmig; vorne spitz oder kapuzenförmig mit kleiner, einwärts gebogener Stachelspitze; weiss oder rot berandet; kahl oder (drüsig) behaart; der reifen Kapsel anliegend oder abstehend
    • Kronblätter weiss(lich), vielfach kleiner als Kelchblätter, hinfällig (Vgl. Absatz «apetala?»)

    Blüten einzeln, lang gestielt, Blütenstiel mit oder ohne Drüsen; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Blüten meist 4-, selten 5-zählig; Bern (BE), 10.5.2026 (Marc Henzi)

  • Früchte

    • Kapsel schmal bis breit eiförmig, sich mit 4 Zähnen öffnend
    • Zur Reifezeit Kelchblätter abstehend oder anliegend
    • Samen dunkel

    Zur Reifezeit Kelchblätter abstehend oder anliegend; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Samen dunkelbraun; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Pflanze einjährig
    • Stängel aufsteigend oder aufrecht (zwischen Pflastersteinen gelegentlich niederliegend)
    • Stängel von Grund an mehrfach verzweigt; Äste teilweise wirr durcheinander
    • Ohne zentrale, sterile Rosette
    • Am Grunde nie wurzelnd

    Stängel aufrecht, ohne zentrale Rosette; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Vereinzelt (fast) niederliegend; Bern (BE), 10.5.2026 (Marc Henzi)

  • Blätter

    • Blätter gegenständig, ohne Nebenblätter, sitzend
    • Blätter lineal, mit langer Stachelspitze (länger als halbe Blattbreite)
    • Blattrand kahl oder nur unten bewimpert oder bis über die Hälfte bewimpert

    Stachelspitze länger als halbe Blattbreite; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

apetala/kronblattlos?

    • Der Artname apetala ist richtig und falsch zugleich:
      Wer die Pflanze draussen antrifft, wird kaum ein Kronblatt zu Gesicht bekommen, auch nicht bei einer Untersuchung mit der Lupe. Im Feld hat der Name seine Berechtigung. Es gilt aber trotzdem die Aussage von Hegi (III,384):
      «Die Bezeichnung apetala für diese Art ist vollständig unberechtigt; denn Kronblätter sind tatsächlich vorhanden und im Knospenzustande leicht nachzuweisen. Allerdings sind diese sehr klein und hinfällig; deshalb fehlen sie in den im Abblühen befindlichen Blüten bereits vollständig.»
      Über das «leicht» mag man diskutieren, aber tatsächlich sind die Kronblätter sichtbar, wenn man bei einer Knospe die Kelchblätter zurückschlägt. Die Kronblätter wirken aber eher wie unscheinbare Schuppen.

    Kronblatt; Bern (BE), 12.5.2026 (Marc Henzi)

    Kronblatt; Bern (BE), 12.5.2026 (Marc Henzi)

Systematik: Art mit Unterarten oder Aggregat?

  • Diskussion

    • Die Diskusstion ist noch nicht abgeschlossen, ob es sich bei Sagina apetala um eine Art mit den beiden Unterarten apetala und erecta handelt oder um ein Aggregat mit den Kleinarten S. apetala (= S. ciliata) und S. micropetala. In der aktuellen Checklist von Infoflora wird Sagina apetala als Art mit Unterarten geführt.
    • Bei der folgenden Gegenüberstellung ist zu beachten, dass die Art variabel ist und viele Einzelblüten nicht dem Idealtypus entsprechen. Es sind immer so viele Blüten wie möglich zu betrachten.
  • Subsp. apetala (= Sagina ciliata)

    • Bei der subsp. apetala (= Sagina ciliata) sind die Kelchblätter eher lanzettlich, vorne zugespitzt, weiss berandet, meist mehr oder weniger drüsig behaart und zur Fruchtzeit der schmal-eiförmigen Kapsel anliegend. Oft fast so lang wie die Kapsel. Blätter höchstens unten bewimpert oder kahl.

    Arcegno (TI), 23.5.2025 (Marc Henzi)

    Kelchblätter spitz, drüsig; Arcegno (TI), 23.5.2025 (Marc Henzi)

    Kelchblätter der schmalen Kapsel anliegend; Arcegno (TI), 23.5.2025 (Marc Henzi)

    Kelchblätter weiss trockenhäutig berandet; Arcegno (TI), 23.5.2025 (Marc Henzi)

    Blätter (meist) kahl (Marc Henzi)

  • Subsp. erecta (= Sagina micropetala)

    • Bei der subsp. erecta (= Sagina micropetala) sind die Kelchblätter eher oval, vorne abgerundet, meist mit einer Kapuzenspitze, oft rot berandet, meist mehr oder weniger kahl und zur Fruchtzeit oft abstehend von der breit eiförmigen Kapsel. Deutlich kürzer als die Kapsel. Blätter mehr oder weniger bewimpert.

    Kelchblätter oval, von der reifen Kapsel abstehend; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Kelchblätter (oft) mit rotem Rand, kapuzenspitzig; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Kelchblätter deutlich kürzer als die eher ovale Kapsel; Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

    Blätter mehr oder weniger bewimpert (teilweise über die Mitte); Bern (BE), 11.5.2026 (Marc Henzi)

Lebensraum

  • Wechselfeuchte Pionierfluren, Trittrasen, Pflaster- und Randsteinfugen

Verbreitung

  • Subsp. apetala: Süd- und Mitteleuropa, Nordafrika, Kaukasus bis Indien. Eingeführt an zahlreichen Orten weltweit. Verbreitungskarte auf POWO.
  • Subsp. erecta: Europa: Verbreitungskarte auf POWO (als Sagina filicaulis).

Mögliche Verwechslung

  • Beim Niederliegenden Mastkraut (Sagina procumbens) fehlt der Mitteltrieb, deshalb meist mit auffälliger, zentraler Blattrosette. Weiter hat die Art stumpfe Kelchblätter ohne Stachelspitze. Die Blätter sind nur kurz stachelspitzig (kürzer als die halbe Blattbreite). Die Stängel sind meist (Achtung, nicht immer!) niederliegend und am Grunde wurzelnd. Gelegentlich sind die (kleinen) Kronblätter noch vorhanden.

  • Bei Sagina procumbens (rechts) fehlt der Mitteltrieb, deshalb werden sterile Rosetten gebildet. Diese fehlen bei Sagina apetala.
    Zudem ist Sagina procumbens mehrjährig und immergrün, während Sagina apetala einjährig ist und hier bereits teilweise braun erscheint.

    Bern (BE), 10.5.2025 (Marc Henzi)

Literatur

  • G.Hegi, Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 3, München 1912
  • F. W. Bomble, Sagina apetala (Kronblattloses Mastkraut) und S. micropetala s. l. (Aufrechtes Mastkraut i. w. S.) mit Anmerkungen zu S. procumbens (Niederliegendes Mastkraut), Jahrbuch des Bochumer Botanischen Vereins 6 / 2015, 247-253 (zobodat.at)
  • Markus S. Dillenberger, Joachim W. Kadereit, The distinction between Sagina apetala and S. micropetala (Caryophyllaceae: Sagineae), their phylogenetic relationships, and a note on the coastal origin of some widespread ruderals. – Willdenowia 52(1), 5–23, (10 February 2022)

Autor*in: Marc Henzi
Stand: 13. Mai 2026