Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand: Beim Aufblühen vielblütige Scheindolde, später verlängert und eine allseitswendige Traube bildend
    • Kelchblätter kurz (–2,5 mm lang), gelb werdend, am Grund nicht ausgesackt
    • Kronblätter klein (–3,5 mm lang), eher hellgelb
    • Auch die jungen und oberen Schoten überragen die Blüten deutlich

    Vielblütige Scheindolde beim Aufblühen; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Blütenstand später verlängert; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

  • Früchte

    • Fruchtstiel dünner als die Frucht, bis ca. 1 cm lang, meist schräg abstehend
    • Schote abstehend bis (fast) aufrecht, aber nicht dem Stängel anliegend; oft etwas gebogen
    • Schote (schwach) dreinervig, an der Spitze deutlich 2-narbig
    • Schote 3–5 cm lang, mehrfach länger als der Stiel
    • Schote bei Reife durch die Samen bucklig
    • Samen zahlreich, in jedem Fach 1-reihig

    Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Schote 3-nervig, mit schmalem Stiel; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Reife Schote buckelig, Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Samen in jedem Fach einreihig; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Pflanze ein- bis zweijährig
    • Stängel aufrecht, 10–60 cm hoch, meist (mehrfach) verzweigt, leicht kantig
    • Stängel kahl oder vereinzelt behaart bis leicht flaumig

    Stängel meist mehrfach verzweigt. Saint-Léonard (VS), 19.4.2023 (Blumenwanderer)

    Manchmal stämmig und mächtig...; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    ... manchmal klein und unauffällig; Sion (VS), 13.3.2024 (Marc Henzi)

    Stängel leicht kantig, vereinzelt behaart; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Saint-Léonard (VS), 19.4.2023 (Blumenwanderer)

    Saint-Léonard (VS), 19.4.2023 (Blumenwanderer)

    Stängel manchmal auch flaumig; St- Léonard (VS), 19.4.2024 (Marc Henzi)

    Die Menge erinnert an die "London Rocket"; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

  • Blätter

    • Blätter grund- und wechselständig, (fast) kahl
    • Grundständige und untere Blätter gestielt; ihre Spreite tief fiederteilig, beidseits mit 5–12 ovalen, unregelmässig gezähnten Abschnitten, Endabschnitt etwas grösser
    • Obere Blätter sitzend; ihre Spreite mit weniger Abschnitten; Endabschnitt verhältnismässig deutlich grösser, lanzettlich

    Saint-Léonard (VS), 19.4.2023 (Blumenwanderer)

    Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Oberes Stängelblatt; Sion (VS), 18.3.2026 (Marc Henzi)

    Oberstes Stängelblatt; St- Léonard (VS), 19.4.2024 (Marc Henzi)

Lebensraum

Ruderalstellen, Wegränder, Schuttplätze, an Mauern

Verbreitung

  • Sehr zerstreut in der ganzen Schweiz, in gewissen Walliser Regionen häufig
  • Vom südlichen Europa und nördlichen Afrika über die arabische Halbinsel bis nach China. Zusätzlich weltweit vielerorts eingeführt. Verbreitungskarte auf POWO.

Mögliche Verwechslung

  • Loesels Rauke (Sisymbrium loeselii)
    • Kronblätter grösser (4–6 mm)
    • Schoten überragen den Blütenstand nicht, Schoten meist kürzer (unter 3,5 cm)
    • Grundständige Blätter mit weniger Seitenabschnittspaaren (meist nicht über 3); Endabschnitt sehr gross
    • Stängel borstig behaart (Haare 1–2 mm lang)

  • Österreichische Rauke (Sisymbrium austriacum):
    • Kronblätter satt gelb, etwas grösser (6–7 mm lang)
    • Schoten überragen den Blütenstand kaum, Stiele wenigstens teilweise um den Stängel geschlungen
    • Grundständige Blätter mit relativ regelmässigen, dreieckigen Abschnitten

  • Östliche Rauke (Sisymbrium orientale):
    • Blütenstand wenigblütig; Kronblätter viel grösser (8–9mm lang)
    • Schoten bis 10 cm lang
    • Grundständige Blätter mit wenigen (2–4 Abschnittspaaren)
    • oberste Blätter gestielt, ungeteilt oder mit 1 Abschnittspaar und einem fast linealen Endabschnitt

«London Rocket»

«London Rocket»

Kurios ist der englische Name der Pflanze. Gemeint ist nicht die Rakete, Rocket ist heute noch die britische Bezeichnung für Rucola und stand für einige ähnliche Kreuzblütler.
Aber wieso London? Nach dem grossen Brand 1666 tauchte die Pflanze wie aus dem Nichts überall in der zerstörten Stadt in grosser Zahl auf, sogar die Ruinen von St. Paul’s waren damit überwachsen bis oben auf die Reste der Türme. Der Botaniker und Hofarzt Robert Morison war davon dermassen beeindruckt, dass er ein spontanes Entstehen des Lebens aus dem toten Material vermutete.

Heute kommt die Art in London immer noch vor, aber natürlich sehr viel weniger zahlreich. Der Name erinnert nicht nur an den Brand von London, sondern zeigt auch, in welchem Mass sich die Pflanze ausbreiten kann, wenn sie auf genügend nährstoffreiche Leerfläche stösst.

(nach Beth Kidd, Plant of the Month: London Rocket, abgerufen am 31.3.2026)

Autor*in: Marc Henzi
Stand: 31.3. 2026

Forum

Diskussionen der Community

Sisymbrium irio?

Im Mittelwallis stosse ich immer wieder auf Sisymbrium. Beim Schlüsseln ergibt sich immer irio. Stimmt das bei den drei Beispielen unten oder bin ich für die anderen einfach blind? Vor allem bei der dritten, kleinen Pflanze bin ich unsicher. Die Schoten sind relativ kurz und die Pflanze ist auffällig behaart.

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