Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blüten lang gestielt, meist einzeln in den Blattachseln, nach dem Abblühen nickend, Blütenstiel mit rückwärts anliegenden Haaren.
    • Kelchblätter 5, grün mit breitem häutigem Rand, ganzrandig, lanzettlich, zugespitzt, v.a. auf dem grünen Mittelnerv mit kurzen abstehenden Haaren, Rand kahl oder kurz bewimpert.
    • Kronblätter 5, weiss, vorne abgerundet, ½ bis ⅔ so lang wie die Kelchblätter.
    • Staubblätter 10.
    • Fruchtknoten oberständig; Griffel 3, seltener 2 oder 4.

    Blüte mit 3 Griffeln. Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Blüten lang gestielt. Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Kronblätter deutlich kürzer als die Kelchblätter. Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Kelchblätter grün, mit häutigem Rand. Könizbergwald (BE), 7.5.2026 (Muriel Bendel)

    Bern (BE), 22.4.2020 (Muriel Bendel)

    Nach dem Abblühen nickend. Belper Giessen (BE), 19.5.2025 (Muriel Bendel)

    Sandwürfi, Köniz (BE), 18.5.2023 (Muriel Bendel)

  • Früchte

    • Kapseln sich mit 6 (seltener mit 4) Zähnen öffnend.
    • Reife Samen rundlich, glänzend, schwarz, seltener rotbraun; mit einem kleinem, weisslichen bis beigen, dem Samen anliegenden, gefransten Anhängsel (Elaiosom, Ameisenausbreitung) → einzige Gattung der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) mit Elaiosomen!

    Reifende, grüne Kapsel. Belper Giessen (BE), 19.5.2025 (Muriel Bendel)

    Reifende, weisse Samen mit weissem, glänzendem Anhängsel (Elaiosom). Könizbergwald (BE), 7.5.2026 (Muriel Bendel)

    Reife Samen schwarz, seltener rotbraun; Anhängsel (Elaiosom) hell, den Samen anliegend. Oberhofen (BE), 21.1.2025 (Maria Merz & Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Pflanze zweijährig bis ausdauernd, 5–15 cm hoch.
    • Stängel bogig aufsteigend bis aufrecht; mit zurückgekrümmten, krausen Haaren.

    Könizbergwald (BE), 7.5.2026 (Muriel Bendel)

    30.6.2017 (francoisealsaker)

    Hub b. Krauchthal (BE), 23.5.2018 (francoisealsaker)

    Stängel kurz behaart, Haare abwärts gekrümmt. Könizbergwald (BE), 7.5.2026 (Muriel Bendel)

  • Blätter

    • Blätter gegenständig, ohne Nebenblätter; untere Blätter deutlich gestielt, Stiel etwas kürzer als die Blattspreite; obere Blätter kurz gestielt bis sitzend.
    • Blattspreite schmal eiförmig bis breit lanzettlich, mit 3(–5) deutlichen Bogennerven, ganzrandig, Rand bewimpert, Oberseite kurz und zerstreut behaart bis ± kahl, Unterseite kahl oder v.a. auf den Nerven kurz behaart.

    Blattspreite mit 3 deutlichen Bogennerven. Belper Giessen (BE), 19.5.2025 (Muriel Bendel)

    Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Belper Giessen (BE), 19.5.2025 (Muriel Bendel)

    Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Blattunterseite. Bern (BE), 22.4.2020 (Muriel Bendel)

    Blattunterseite. Könizbergwald (BE), 5.5.2024 (Muriel Bendel)

    Untere Blätter deutlich gestielt. Könizbergwald (BE), 7.5.2025 (Muriel Bendel)

Lebensraum

Auf feuchten, eher kalkarmen Böden in schattigen Lagen; Laub(misch-)wälder.

Verbreitung

Eurasiatisch.

Verbreitungskarte auf POWO.

Name

Der Artname trinervia (Lateinisch tri- für «drei-», nervus für «Blattnerv») bezieht sich auf die auffallenden Bogennerven der Blattspreiten.

Autor*in: Muriel Bendel
Stand: 5. Mai 2026

Forum

Diskussionen der Community

Herzliche Einladung zur Expediton!

Vom Rhein-Ufer zu den Urgesteinskuppen des Südschwarzwalds
Gemeinsam mit der Zürcherischen Botanischen Gesellschaft.

Der Begriff "Expedition" bezeichnet eine Exkursion in ein Gebiet, das auch der Exkursionsleitung noch nicht bekannt ist. Das gemeinsame Abenteuer soll die Vernetzung unter Botanikinteressierten fördern und Spass machen. Die Expedition ist offen für alle, gratis und jede Person ist am Expeditionstag auf eigene Verantwortung unterwegs. Diesmal wird der Schwarzwald bei Bad Säckingen erkundet. Geologisch besteht der Schwarzwald aus granitischem und somit kalkfreiem Grundgebirge, was im Kontrast angrenzenden kalkhaltigen Mittelland und Jura steht. Ein Ziel der Expedition ist, diesen Kontrast auch floristisch ausfindig zu machen.

Datum: Samstag, 25. April 2026

Anreise (z. B.): 09:10 ab Zürich HB, 09:59 an Stein-Säckingen, Bahnhof

Treffpunkt: 10:00 auf dem Platz vor dem Bahnhof Stein-Säckingen

Route: Die Expedition startet mit der Unterquerung der Autobahn, die uns ans Schweizer Rheinufer führt. Rheinaufwärts spazierend halten wir Ausschau nach den letzten Frühblühern ev. vorhandener fragmentarischer Auenvegetation. Über die historische Holzbrücke queren wir die Landesgrenze und erreichen die Altstadt von Bad Säckingen, wo wir in der Kopfsteinpflasterung nach botanischen Entdeckungen suchen. Nördlich der Wohngebiete tauchen wir in den geschlossenen Wald ein. Hier schnuppern wir echte Schwarzwaldluft und untersuchen die floristischen Unterschiede zu unseren gewohnten Mittellandwäldern. Entlang des Gewerbebachs und vorbei an einem Wildgehege führt uns der Weg stetig bergauf. Unser Ziel ist der Röthenkopf (510 m ü. M.). In den dort anstehenden Gneisfelsen suchen wir nach Nordischem Streifenfarn, bewundern spezialisierte Silikatfels-Moose und halten Ausschau nach dem auf Google Earth verzeichneten, malerischen Föhren-Eichenwäldchen. Der Rückweg erfolgt z.B. über den Bergsee und die Dreiweiher.

Je nach Gruppendynamik und Gewächs am Wegrand werden wir schneller oder langsamer unterwegs sein. Picknick an einem schönen Plätzchen. Rückreise individuell.

Anmeldung: https://nuudel.digitalcourage.de/BnGIPGNpBJCNFQ8c

Ich freue mich drauf! Vielen Dank auch für die sehr hilfreiche Beratung zur Findung des Expeditionsziels in dieser Forum-Diskussion.

Herzliche Grüsse

Dani

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Kein Same zu klein, um ein Ameisenhäppchen zu sein!

… wobei das „Häppchen“ eigentlich nicht der Same selbst ist, sondern ein kleines Anhängsel am Samen, mit dem die Ameisen fürs Ausbreiten „entlohnt“ werden.

Im konkreten Fall der Dreinervigen Nabelmiere (Moehringia trinervia) ist bereits der schwarze, glänzende Same sehr klein (ca. 1 mm) – das Anhängsel (das sogenannte Elaiosom) ist noch einmal deutlich kleiner.

Mit ihren mit Anhängseln ausgestatteten Samen nimmt die Gattung der Nabelmieren (Moehringia) innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae) eine Sonderstellung ein: Die übrigen Gattungen dieser Familie besitzen schlichte Samen ohne solche Anhängsel und verzichten damit offenbar auf die Ausbreitungsdienste der Ameisen.

Das Foto der reifen Samen ist ein Joint Venture: Samen gesammelt von Maria Merz, Lupenfoto erstellt vom Blumenwanderer. Ganz herzlichen Dank fürs Teilen!

Im Wiki finden sich
→ weitere Beispiele für Pflanzen, die Samen mit Anhängseln besitzen sowie
→ Informationen zur Dreinervigen Nabelmiere (Moehringia trinervia).

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Modische Frisur bei Geranium sanguineum

Diese Erfahrung haben sicher alle naturinteressierten und fotografierenden Personen schon gemacht:  zuhause am Computer entdeckt man in der Vergrösserung Details, die einem im Feld nicht aufgefallen sind. Ich machte kürzlich solch eine spannende Entdeckung.  Ich bin immer auf der Suche nach der Schönheit in eher unauffälligen, kleinen Dingen. Z. B. faszinieren mich verblühte Pflanzen und Fruchtstände.  So fotografierte ich verblühte Geranium sanguineum. Beim genauen Betrachten dieser Schönheit fiel mir auf, dass nicht alle Kelchblätter gleich stark behaart sind.  Bei nur einer Pflanze kann das ja Zufall sein, oder bereits verlorene Haare. Da aber G. sanguineum in meinem Garten wächst, konnte ich die Erscheinung bei mehreren Blüten von verschiedenen  Pflanzen kontrollieren. Immer dasselbe Bild: 2 Blätter ganz kahl, 2 Blätter stark und lang  behaart, 1 Blatt halbe/halbe. 

Ist das Phänomen bekannt und kommt es auch bei anderen Geranium-Arten vor?

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