Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Homogame, nektarführende Scheibenblumen; Blütenhülle ein Perigon, dieses 4–6 cm lang, vor dem Aufblühen nickend. Perigonblätter dottergelb, spitz, an der Spitze fein behaart, die inneren auch am Grunde behaart. Blüten schwach duftend.
    • Staubfäden am Grunde dicht behaart. Nektarabsonderung an der äusseren Staubfadenbasis.
    • Narben papillös, auffallend gelb, mit zuckerhaltiger Flüssigkeit, die gelegentlich von Insekten aufgenommen wird. Narbenkopf kleiner und schmäler als der Fruchtknoten.

    Muttenz (BL), 10.04.2016 (Paul Hürlimann)

    Mit Bestäuber. Oberwil (BL), 8.4.2017 (Marc Henzi)

    Oberwil (BL), 8.4.2017 (Marc Henzi)

    Oberwil (BL), 26.3.2017 (Marc Henzi)

    Bex (VD), 4.4.2025 (Blumenwanderer)

    Bex (VD), 4.4.2025 (Blumenwanderer)

    Plateau de Diesse (BE), 7.5.2016 (Blumenwanderer)

    Plateau de Diesse (BE), 7.5.2016 (Blumenwanderer)

    Bolligen (BE), 4.5.2021 (Blumenwanderer)

    Mit lauernder Krabbenspinne. Krauchthal (BE), 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Einsam an Wegböschung blühend. Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Mit Bestäuber. Krauchthal (BE), 11.4.2021 (Blumenwanderer)

    Knospe etwas nickend. Zwieselberg (BE), 11.4.2017 (Blumenwanderer)

    Zwischen Löwenzahn blühend. Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Zwieselberg (BE), 11.4.2017 (Blumenwanderer)

    Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Massenvorkommnis in Gebüsch. Bex (VD), 4.4.2025 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    Kapsel etwa zweimal so lang wie dick, diese ein Austrocknungsstreuer.

    Bex (VD), 17.5.2025 (Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Wuchshöhe 20–45 cm.
    • Stängel mit 2–3 Blättern.
    • Ausdauernder Zwiebel-Geophyt. Zwiebel eiförmig, fast 2 cm dick, gewöhnlich mit zahlreichen Nebenzwiebeln. 
    • Ausläufer vorhanden, an deren Spitze neue Zwiebeln gebildet werden.

    An einem Waldrand wachsend. Krauchthal (BE), 11.4.2021 (Blumenwanderer)

    Krauchthal (BE), 11.4.2021 (Blumenwanderer)

    Halb von Wellblech zugedeckt wachsend. Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Vereinzelt in einer Hoschtet blühend. Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Aus einem Bauerngarten entwichen. Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    Zwischen Brennesseln blühend. Plateau de Diesse (BE), 7.5.2016 (Blumenwanderer)

    Zahlreich in einem Rebberg blühend. Muttenz (BL), 10.04.2016 (Paul Hürlimann)

  • Blätter

    2–3 Blätter, diese schmal-lanzettlich, bis 20 cm lang und bis 2 cm breit, etwas blaugrün, rinnig, kahl, oben zugespitzt, die oberen kleiner.

    Vegetative Pflanzen mit Adoxa moschatellina. Zwieselberg (BE), 11.4.2017 (Blumenwanderer)

    Grossenteils vegetatives Vorkommnis unter einem Fruchtbaum. Bolligen (BE), 4.5.2021 (Blumenwanderer)

    Muttenz (BL), 10.04.2016 (Paul Hürlimann)

Lebensraum

In tieferen Lagen (kollin). Trockene, lockere, tiefgründige, nährstoffreiche, kalkhaltige Böden in Gebieten mit Weinklima. Oftmals gesellig in Obstgärten, Weinbergen, Parkanlagen und Gebüschen wachsend.

Verbreitung

  • Ursprünglich mediterran. Ausserhalb des Mittelmeergebietes wohl nur verwilderte Gartenpflanze. Die insgesamt seltene Art findet sich deshalb oft am Rande alter Gartenanlagen der Adelssitze als Stinsenpflanze. Neubürger seit dem 16. Jh., aber vielerorts wieder verschwunden.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online.

Wissenswertes

  • Gartenhistorie: Anders als die Tulpenarten, die aus dem Ottomanischen Reich eingeführt wurden und als Grundlage für die modernen Zuchttulpen dienten, stammt Tulipa sylvestris (beide Unterarten!) aus dem Mittelmeergebiet. Tulipa sylvestris wurde nachweislich durch den Menschen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert aus der Gegend von Bologna als Zierpflanze nach Mittel- und Nordeuropa gebracht, wo sie sich zum Gartenflüchtling entwickelte, verwilderte und sich stellenweise vollständig einbürgerte.
    Die Art wird bei uns vielfach als wild oder von den Römern eingeführt angegeben. Für diese beiden Ansichten gibt es keinerlei Belege.
  • Tulipa sylvestris vermehrt sich im Jugendstadium vegetativ durch Zwiebelausläufer (Darstellung in der Publikation von Jäger, E.J. 1973), die von einer langen Ausstülpung der röhrig geschlossenen, stielähnlichen Blattscheide des einzigen Laubblattes gebildet werden. Durch die vegetative Vermehrung trifft man die Art oft herdenweise an.
  • Im Schatten blüht Tulipa sylvestris selten, auch sonst ist die Art oft samensteril. Fast immer gelangt eine grosse Zahl von Exemplaren nicht zum Blühen. Diese besitzen dann nur ein einziges, langscheidiges Laublatt.
  • Als Bestäuber kommen kleine Bienenarten in Frage.
  • Bei feuchtem Wetter und abends sind die Blüten geschlossen, während sie sich im hellen Sonnenschein zu einem grossen Stern ausbreiten.

Taxonomie & Systematik

  • Die Taxonomie ist komplex aufgrund der morphologischen Diversität, Polyploidie und der Einbürgerung von kultivierten Pflanzen.
  • Tulipa sylvestris subsp. sylvestris ist tetraploid (2x = 48) und in ganz Europa eingebürgert. Manchmal werden die beiden Unterarten als verschiedene Arten angesehen, aber ihre Abgrenzung ist unklar (siehe „Wissenswertes“).

Mögliche Verwechslung

Die Südliche Weinberg-Tulpe (Tulipa sylvestris subsp. australis) hat vor dem Aufblühen aufrechte Knospen. Ihre äusseren Perigonblätter sind rötlich überlaufen und die Kapsel etwa gleich lang wie dick. Sie wächst nicht in Weinbergen oder tiefgründigen Böden, sondern in magerem, felsigem Gelände in montan/subalpiner Höhenlage.

Weiterführende Literatur

  • Colangelo, G., Offerhaus, A., van Andel, T., & Stefanaki, A. 2025. How the wild tulip (Tulipa sylvestris L.) found its way in Northern Europe in the 17th to 19th century: a search through historical gardens and archives. Botany Letters, 172 (3), 283–301
  • Hegi, G. 1907: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 2, Lehmanns Verlag, S. 243 – 244
  • Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 550
  • Stefanaki, A., Walter, T., van Andel, T. 2022: Tracing the introduction history of the tulip that went wild (Tulipa sylvestris) in sixteenth-century Europe. Scientific Reports, 12(1):9786
    Researchgate.net
  • Jäger, E.J. 1973: Zur Verbreitung und Lebensgeschichte der Wildtulpe (Tulipa sylvestris L.) und Bemerkungen zur Chorologie der Gattung Tulipa L. Hercynia, 10 (4): 429–448
    zobodat.at

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 8. Januar 2026