Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blütenstand eine 3–15-blütige Doldentraube bildend.
    • Blütenstiele länger als die häutigen, zugespitzten Tragblätter. Die unteren Blütenstiele auffallend verlängert.
    • Tragblätter bis zu 4 cm lang.
    • Blütenhülle ein Perigon mit 6 länglichen, gleichgestalteten Tepalen. Diese sind innerseits weiss und weisen ausserseits einen breiten, grünen Mittelstreifen auf. Sie sind sternförmig ausgebreitet.
    • Staubfäden bandförmig, unterhalb der Staubbeutel zugespitzt.
    • Fruchtknoten mit 6 vorstehenden Leisten.

    Bern, 22.4.2020 (Muriel Bendel)

    Bern, 18.4.2020 (Muriel Bendel)

    Solothurn, 29.4.2025 (Marc Henzi)

    Solothurn, 29.4.2025 (Marc Henzi)

    Neben einem Pfarrhaus. Steffisburg (BE), 19.4.2025 (Blumenwanderer)

    Im Knospenstadium. Uetendorf (BE), 19.4.2025 (Blumenwanderer)

    Solothurn, 22.4.2019 (Paul Hürlimann)

    Gut zu erkennen hier die Tragblätter, welche die Knospen umhüllen. Solothurn, 22.4.2019 (Paul Hürlimann)

    Neben einem alten Bauernhaus. Buchholterberg (BE), 11.5.2024 (Blumenwanderer)

    Neben einem alten Bauernhaus. Buchholterberg (BE), 11.5.2024 (Blumenwanderer)

    An verkehrsreicher Stelle in Bern, 29.4.2025 (Blumenwanderer)

    Neben einem Bauerngarten in Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

    An verkehrsreicher Stelle in Bern, 18.4.2020 (Muriel Bendel)

    Zwischen Zigarettenstummeln und den bereits dürren Blättern blühend. Bern, 18.4.2020 (Muriel Bendel)

    Aufsicht von Fruchtknoten und Staubblättern, letztere gewissermassen ein zweites, inneres Krönchen bildend. Bern, 20.05.2021 (Muriel Bendel)

  • Früchte

    • Keulenförmige Kapsel mit 6 geraden, gleich weit entfernten Kanten.
    • Fruchtstiele waagrecht abstehend.

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform und Stängel

    • Krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 10–30 cm.
    • Ausdauernder Zwiebel-Geophyt mit kugeliger, fast eiförmiger Zwiebel (bis 3 cm dick). Diese gewöhnlich mit vielen Nebenzwiebeln.
    • Wurzelsystem im Wurzelatlas der Uni Wageningen.

    Knospend. Steffisburg (BE), 25.4.2025 (Blumenwanderer)

    Knospend. Steffisburg (BE), 25.4.2025 (Blumenwanderer)

    Im Schutz einer alten Eiche wachsend. Steffisburg (BE), 25.4. 2025 (Blumenwanderer)

    Erste Blüten. Uetendorf (BE), 19.4.2025 (Blumenwanderer)

    Gut zu erkennen die Tragblätter, welche die Knospen umhüllen. Uetendorf (BE), 19.4.2025 (Blumenwanderer)

    Gesellig an einer Wegböschung wachsend. Wohlen bei Bern, 19.4.2019 (Blumenwanderer)

    Neben einer Kirche wachsend. Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

    Neben einer Kirche aufblühend. Krauchthal (BE), 28.4.2021 (Blumenwanderer)

    Massenvorkommen mitten in Bern, 29.4.2025 (Blumenwanderer)

    An mesophiler Lage in Buchholterberg (BE), 2.5.2023 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Laubblätter 6–9, grundständig aufsteigend, linealisch, tief-rinnig (wodurch Regenwasser zu den Wurzeln geleitet wird), stumpf, mit hellem Mittelstreifen, in der Regel länger als der Blütenstängel.

    Solothurn, 12.4.2017 (Blumenwanderer)

    Solothurn, 12.4.2017 (Blumenwanderer)

    Cugy (FR), 15.4.2021 (Blumenwanderer)

    mit vergilbenden Blättern. Bern, 22.4.2020 (Muriel Bendel)

Lebensraum

Meist vom Menschen geprägt: Stellenweise gesellig in Grasgärten, auf Äckern, auf fetten Wiesen, an Wegrändern und unter Gebüsch.

Wissenswertes

  • Während die Blätter vor der Blütezeit meist kräftig grün gefärbt sind und aufrecht stehen, werden sie zur Blütezeit länger und weicher, so dass sie beginnen herabzuhängen. Nach (oder schon während) der Blütezeit vergilben die Blätter bald und sterben oberirdisch ab: Die Pflanze „zieht ein“. 
  • Ornithogalum umbellatum gilt als Gipftpflanze, wobei die Zwiebeln besonders giftig sind.
  • Die Pflanze enthält einen zähen, schleimigen Saft, weshalb sie im Berndeutschen auch „Schnuderblueme“ genannt wird.
  • In Mitteleuropa erfolgt oft kein Samenansatz und die Art ist auf vegetative Vermehrung angewiesen. Diese erfolgt durch die Brutzwiebeln, die z.B. durch Wühlmäuse, aber auch durch den Menschen mit Ackererde verschleppt werden. 
  • Die Blüten öffnen sich nur bei Sonnenschein (daher auch der franz. Name „la Dame-d'onze-heures“). Sie werden durch Insekten bestäubt, bei geschlossenen Blüten ist aber auch Selbstbestäubung möglich.

Verbreitung

  • Da die Pflanze (besonders früher) oft in Bauerngärten als Zierpflanze gezogen und aus denselben leicht auf die Äcker verschleppt wurde, ist ihre ursprüngliche Verbreitung nicht mit Bestimmtheit festzustellen. Sie gilt in Mitteleuropa als Archäophyt.
  • Verbreitungskarte auf POWO.

Systematik

Die Einteilung des Ornithogalum umbellatum-Aggregats in verschiedene Arten oder Unterarten ist Gegenstand aktueller botanischer Forschung. 

Mögliche Verwechslung

Gussones Milchstern (Ornithogalum gussonei) unterscheidet sich von O. umbellatum durch folgende Merkmale: in allen Teilen zierlicher, nur ca. 15 cm hoch, keine Nebenzwiebeln bildend. Blütenstand 1–5-blütig, die Spitze der Kapsel eingesenkt, Fruchtstiele aufrecht abstehend.
Es ist aber unklar, ob die südeuropäische Art in der Schweiz auftritt.

Weiterführende Literatur

Hegi, G. 1907: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 2, Lehmanns Verlag,
S. 252 – 253

Hess, H.E., et al. 1977: Flora der Schweiz, Band 1. Springer Verlag, S. 555

Reichert, H. 2021: Dolden-Milchsterne (Ornithogalum umbellatum agg.) im Saarland,
in:  Abh. DELATTINIA 46: S. 107 – 133:

Guter Wikipedia-Artikel:  https://de.wikipedia.org/wiki/Dolden-Milchstern

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 27. Dezember 2025