Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Kelchblätter 2, mit braunen Haaren, hinfällig.
    • Kronblätter 4, weiss, mit gelblichem Grunde, bis 2 cm lang.
    • Staubfäden fadenförmig, gelb, den Fruchtknoten fast stets überragend.
    • Narbenstrahlen meist 4, ⅓–⅕ der Fruchtknotenlänge herablaufend.

    Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

    Zweisimmen (BE), 13.7.2023 (Marc Henzi)

    Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

    Mit lauernder Krabbenspinne. Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Château-d'Oex (VD), 18.7.201 (Blumenwanderer)

  • Früchte

    • Kapsel mit weissen Haaren, mit vorspringenden Längslinien unterhalb der Narbenstrahlen, 1–1,5 cm lang.
    • Samen länglich, ca. 1 mm lang.

    Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

    Zweisimmern (BE), 17.7.2016 (Blumenwanderer)

    Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform, Stängel

    • Wuchshöhe 5–20 cm, meist mit mehrköpfigem Wurzelstock, rasenbildend, am Grunde von abgestorbenen Scheiden umgeben.
    • Ausdauernd, kann acht bis zehn Jahre alt werden. Die Pflanzen formen dann mehrköpfige und dichte Büschel, die mit einer Pfahlwurzel tief zwischen den Steinen verankert sind.
    • Stängel einblütig, ohne Blätter.

    Zweisimmen (BE), 20.7.2018 (Paul Hürlimann)

    Zweisimmen (BE), 16.7.2017 (Blumenwanderer)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Zweisimmern (BE), 17.7.2016 (Blumenwanderer)

    Zweisimmern (BE), 17.7.2016 (Blumenwanderer)

    Zweisimmen (BE), 16.7.2017 (Blumenwanderer)

    Zweisimmern (BE), 17.7.2016 (Blumenwanderer)

    Château-d'Oex (VD), 18.7.2018 (Blumenwanderer)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

  • Blätter

    • Blätter meist graugrün, in grundständiger Rosette, 1–2-fach fiederteilig, beiderseits ± kahl (höchstens am Rand und am Stiel behaart), die späteren Blätter mit 3–5 Abschnitten 1. Ordnung, die untersten oft mit mehr als 5 mm langem Stiel.
    • Zipfel der späteren Blätter stumpf oder spitz, ± symmetrisch, 1–3 mm breit, meist 4–10-mal so lang wie breit, meist ein wenig nach aussen gebogen.

    Zweisimmen (BE), 13.7.2023 (Marc Henzi)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Auch mit vielen Knospen. Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

    Grandvillar (VD), 10.7.2021 (Blumenwanderer)

Lebensraum

Verbreitung

  • Westalpine Pflanze. In der Schweiz vom Grammont bis zum Brienzergrat vorkommend.
  • Verbreitungskarte auf Kew: Plants of the World Online (= Oreomecon alpina subsp. alpina)

Wissenswertes

  • Bei Papaver occidentale handelt es sich um eine hoch spezialisierte arktisch-alpine Pflanze. Die grössten und vitalsten Bestände besiedeln fast ausschliesslich nordexponierte Hänge hoher Lagen, hauptsächlich zwischen 1800 und 2100 m ü. M. Die Populationen dieser Glazialreliktart wachsen inselartig in teils weit auseinanderliegenden Schutthalden. Die Bestände scheinen nicht unmittelbar gefährdet zu sein, da die Halden weder durch Tourismus noch durch andere menschliche Aktivitäten betroffen sind. In naher Zukunft werden hingegen die Auswirkungen des Klimawandels dramatisch sein. Die durchgeführten Berechnungen und die Modellierung legen nahe, dass die Art bis Ende des 21. Jahrhunderts an ihren jetzigen Standorten so gut wie erloschen sein wird.
  • Das Überleben von Papaver occidentale während der letzten Kaltzeit und die darauf folgende Wiederbesiedlung der Voralpen waren sehr komplexe Prozesse. Einige der Populationen unterscheiden sich genetisch sehr stark von den anderen Vorkommen.
  • Papaver occidentale wird sowohl als Schuttstauer als auch als Schuttkriecher klassifiziert. Das bedeutet, das seine dichten Blattrosetten und die kräftige Pfahlwurzel herabgleitendes Geröll aufhalten und somit zur Stabilisierung von Kalk-Grobschutthalden beitragen, als auch dass er bei Verschüttung den Schutt mit seinen Trieben durchwachsen kann, um wieder an die Oberfläche zu gelangen.

Taxonomie & Systematik

  • Papaver occidentale ist Teil der Artengruppe Papaver alpinum, die ca. 10 Arten in den Gebirgen Mittel-und Südeuropas umfasst. Im Gebiet sind die Arten getrennt, sodass keine primären Bastarde auftreten.
  • Erscheint bei Hegi (1919, Band IV) unter der Bezeichnung Papaver alpinum subsp. Burséri.
  • 2022 wurde ein neues Genus namens Oreomecon geschaffen (vorher Papaver sect. Meconella), um sicherzustellen, dass das Genus Papaver monophyletisch ist. Hier fand auch Papaver occidentale seinen Platz.

Mögliche Verwechslung

  • Besonders die weiss blühenden Arten, wie Papaver sendtneri aus den Alpen und Papaver tatricum aus den Karpaten, lassen sich nur schwer von Papaver occidentale unterscheiden. Der Grund dafür ist sehr wahrscheinlich die relativ rezente räumliche und/oder genetische Trennung der arktisch-alpinen Mohnarten.
  • Der in der Ostschweiz vorkommende Sendtners Alpen-Mohn (Papaver sendtneri) hat beiderseits zerstreut bis dicht behaarte Blätter und meist 5 Narbenstrahlen, die auf weniger als ⅕ der Fruchtknotenlänge herablaufen.

Weiterführende Literatur

Autor*in: Blumenwanderer
Stand: 4. Februar 2026

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Zwischen Ost und West

Kürzlich traf ich auf eine Kolonie des Alpen-Mohns am Brienzergrat. Gemäss der Verbreitungskarte von Infoflora handelt es sich dabei um den Westlichen Alpen-Mohn (Papaver occidentale). Dieser ist ein Endemit der westlichen Voralpen und als Glazialrelikt eine hochspezialisierte arktisch-alpine Pflanze. 

Das gefundene Vorkommnis ist jedoch sehr isoliert, weit östlich der Westschweizer Fundorte dieser Art und scheint zwischen diesen und Sendtners Alpen-Mohn (Papaver sendtneri) in der Zentralschweiz zu vermitteln. Es wäre somit die östlichste Fundstelle dieser westalpinen Art, die schon Krauer 1824 bekannt war; von Aregger 1958 als Papaver alpinum L. ssp. Burseri (Crantz) publiziert (gemäss Flora des Kantons Luzern; 1985, S. 122).

Auf jeden Fall stellte ich fest, dass sich die Pflanzen dort nicht so streng an die Regeln halten, sprich: an die Merkmale, die in FH zur Abgrenzung von Papaver sendtneri angegeben werden. Insbesondere sind die Blätter durchaus nicht „kahl, höchstens am Rand und am Stiel behaart“, wie die Fotos unten zeigen. 

Fazit: Offenbar lassen sich die beiden Arten nur schwer voneinander unterscheiden. Der Grund dafür dürfte die relativ rezente räumliche bzw. genetische Trennung der arktisch-alpinen Mohnarten im Quartär sein.

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