Morphologie

Generative Merkmale

  • Blüten

    • Blüten gestielt, in einer zuerst dichten, fast kopfigen, später lang gestreckten, allseitswendigen Traube angeordnet.
    • Kelchblätter 4, kahl, grün oder rötlich überlaufen.
    • Kronblätter 4, weiss, 2–3 mm lang, ca. 1,5-mal so lang wie die Kelchblätter.
    • Staubblätter 6.
    • Fruchtknoten oberständig.

    Köniz (BE), 20.3.2024 (Muriel Bendel)

    Mont d'Orge (VS), 28.3.2023 (Muriel Bendel)

    10.3.2017 (francoisealsaker)

    Schwarzenburg (BE), 30.3.2017 (francoisealsaker)

    15.4.2019 (francoisealsaker)

  • Früchte

    • Schötchen 3-eckig bis verkehrt herzförmig; Rand nicht geflügelt, Seitenräder gerade oder leicht konvex; mehrsamig.
    • Schötchen senkrecht zur Scheidewand abgeflacht → Scheidewand (schmal) lanzettlich.
    • Reife Samen braun, schmal oval, knapp 1 mm lang.

    Reifendes Schötchen. Köniz (BE), 20.3.2024 (Muriel Bendel)

    Bern, 22.4.2020 (Muriel Bendel)

    Neuchâtel (NE), 21.5.2025 (Muriel Bendel)

    Reifes Schötchen. Neuchâtel (NE), 21.5.2025 (Muriel Bendel)

    Scheidewand breit lanzettlich. Neuchâtel (NE), 21.5.2025 (Muriel Bendel)

    Reife Schötchen mit lanzettlichen, silbrigen Scheidewänden, reife Samen hellbraun. Oberhofen (BE), 6.12.2024 (Maria Merz)

    Reife Samen. Oberhofen (BE), 21.1.2025 (Maria Merz & Blumenwanderer)

Vegetative Merkmale

  • Wuchsform

    • Pflanzen einjährig oder einjährig überwinternd, wenige Zentimeter bis  > 40 cm hoch.
    • Sehr vielgestaltig, v.a. hinsichtlich Blattform, Grösse und Behaarung.

    15.4.2019 (francoisealsaker)

    Bolligen/Ittigen (BE), 16.10.2017 (francoisealsaker)

    Neuchâtel (NE), 21.5.2025 (Muriel Bendel)

  • Blätter

    • Grundständige Blätter in einer Rosette, Blattspreite grob fiederschnittig.
    • Stängelblätter wechselständig, am Grund mit spitzen Zipfeln den Stängel umfassend.
    • Blätter zerstreut bis relativ dicht behaart.

    Stängelblatt am Grund mit spitzen Zipfeln. Mont d'Orge (VS), 28.3.2023 (Muriel Bendel)

    Stängelblatt am Grund mit spitzen Zipfeln. Mont d'Orge (VS), 28.3.2023 (Muriel Bendel)

    Fully (VS), 22.3.2024 (Muriel Bendel)

    Bern, 14.4.2017 (Muriel Bendel)

    Fully (VS), 22.3.2024 (Muriel Bendel)

    Bern, 20.3.2020 (Muriel Bendel)

    Bern, 20.3.2020 (Muriel Bendel)

    Mont d'Orge (VS), 28.3.2023 (Muriel Bendel)

    Burgdorf (BE), 4.4.2025 (Muriel Bendel)

Ploidiegrad

Tetraploid, 2n = 32

Verbreitung

Eurasiatisch.

Verbreitungskarte auf POWO.

Mögliche Verwechslung

Das Rötliche Hirtentäschel (Capsella rubella) 

  • ist diploid,
  • die Seitenränder der Schötchen sind deutlich konkav (nicht gerade oder konvex),
  • die Kronblätter sind kaum länger als die Kelchblätter

→ im Feld oft schwierig vom Gemeinen Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) zu unterscheiden, bildet mit diesem auch Hybriden.

Das ursprünglich ostmediterran verbreitete Grossblütige Hirtentäschel (Capsella grandiflora) hat

  • grössere Kronblätter (4–5 mm → ca. 3-mal so lang wie die Kelchblätter)
  • leicht duftende Blüten,
  • ist diploid.

Beim ursprünglich mediterran verbreiteten Lauch-Täschelkraut (Thlaspi alliaceum) sind 

  • die Schötchen im Umriss rundlich und schmal geflügelt, 
  • die Blätter kahl,
  • die grundständigen Blätter gestielt mit eiförmig bis breit lanzettlichen, ganzrandigen bis leicht gewellten (nicht fiederschnittigen) Blattspreiten.

Autor*in: Muriel Bendel
Stand: 27. März 2026

Forum

Diskussionen der Community

Bestimmung

Ich bin mir unsicher, welche Art ich im Wallis gefunden habe. Danke für einen Kommentar.

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Capsella rubella... oder doch eine (fast) normale C. bursa-pastoris?

Dieses Hirtentäschchen hab ich am 22. April 2020 an einem sonnigen Strassenrand in Bern gesehen (neben ganz vielen anderen, es war eine regelrechte Hirtentäschchen-Monokultur).
Damals passte alles (zumindest scheinbar) für C. rubella:
- Blütenstand rötlich, d.h. Kelchblätter rot, Kronblätter aber weiss
- Krone kurz, nur wenig länger als der Kelch
- Fruchtränder zumindest bei den unteren Schötchen konkav (und Früchte rot überlaufen)

Ich hab diese Pflanze mitgenommen und zu Hause in ein Wasserglas gestellt. Sie wuchs munter weiter, produzierte neue Blüten und Früchte - und sah am 29. April 2020 etwas anders aus:
- Kelchblätter rot oder violett, Kronblätter weiss
- Krone kurz, nur wenig länger als der Kelch
→ soweit eigentlich alles gut. Aber:
- Fruchtränder gerade (von konkav keine Spur mehr), Früchte grün

Dass die neu gebildeten Früchte nicht mehr rot sondern grün waren, bereitet mir keine Sorgen (die Pflanze erwischte in meiner Küche nicht viele direkte Sonnenstrahlen).
Aber die Form der Schötchen? Entweder ist dies ein belastbares Bestimmungsmerkmal, oder es ist es nicht.
Die Farbe der Kronblätter und die Länge der Krone im Verhältnis zum Kelch scheinen jedenfalls stabil zu sein. 

Nun, ich weiss es schlicht nicht... entweder bin ich draussen einer C. rubella auf den Leim gekrochen, die aber nur so tat, als wäre sie rubella. Oder nicht alle Bestimmungsmerkmale sind so "safe" wie sie angegeben werden. Oder - auch sehr wohl möglich - ich hab einen Bestimmungsknopf :-)

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Januar-Frühblüher

Die Botanik-Saison ist eröffnet, zumindest ein ganz klein wenig :-)
Ende Januar fit und munter und an einer nordexponierten, alten Mauer in Bern bereits in Blüte: Der Gelbe Lerchensporn (Corydalis lutea).

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Weisse Brassicaceae

Beim Warten auf den Bus in Niederstocken bei Thun (Standort ca. 650m ü. M., in einem “Unkrautbord” nahe einer Thujahecke am Wegrand) habe ich eine vermeindlich unspektakuläre weisse Brassicaceae noch als Bestimmungsproviant für die Heimreise gepflückt (es gab einige Individuen). 

Mit dem FH Schlüssel lande ich bei Murbeckiella, was ja nun angesichts des Fundortes sehr unwahrscheinlich ist. Bei Cardaminopsis arenosa wird im Beschrieb der FH App von “obere Stängelblätter mit verschmälertem Grund sitzend” gesprochen, und ich sehe bei allen Stängelblättern spitze Zipfel, welche den Stängel umfassen. 

Was meint ihr?

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